Die Popstars der Meere
Im Dezember gab Japan bekannt, man werde die Jagd auf die Buckelwale vorläufig einstellen. Das war eine gute Weihnachtsbotschaft: Die Tiere gehören zu den faszinierendsten Lebewesen, die jemals die Erde bevölkert haben. |
Yves Zenger von Greenpeace Schweiz
Dieses Schauspiel beeindruckt immer wieder aufs Neue und ist immer ein beliebtes Fotosujet: Ein Buckelwal springt trotz seiner Grösse von bis zu 15 Metern und einem Gewicht von bis zu 30 Tonnen hoch aus dem Wasser und fällt mit dröhnendem Knall wieder zurück.
Aber auch wenn sie nicht springen, sind die Tiere mit dem lateinischen Namen Megaptera novaeangliae imposant: Sie gehören zu den grössten, die auf unserem Planeten leben. Das Herz kann bis zu 220 Kilo schwer sein, ihre Lungen erreichen die Grösse eines Kleinwagens. Ja, richtig: Lungen. Wale sind Säugetiere, der Name «Walfisch» ist also falsch.
Sie sind sehr intelligent und können sich untereinander verständigen: Die Laute der männlichen Buckelwale sind die längsten und vielfältigsten im gesamten Tierreich. Ihre Lieder sind komplexe Serien aus Pfiffen, Winseln, Schreien, Rufen, Grunzen und Klagen, die in Verse oder Themen eingeteilt sind und in einer bestimmten Reihenfolge gesungen werden. Sie können bis zu einer halben Stunde dauern. Tiere eines bestimmten Gebietes singen das gleiche Lied, das sich aber im Laufe der Zeit verändern kann. Die Lieder dienen vor allem der Verständigung und der Brautwerbung.
Zudem schlagen Wale oft mit Schwanz- oder Brustflossen laut klatschend auf die Wasseroberfläche. Auch dieses scheinbar verspielte Verhalten dient wahrscheinlich der Verständigung mit den Artgenossen, denn unter Wasser sind diese Signale viele Dutzend Seemeilen weit zu hören.
Die blauschwarz bis schwarz gefärbten Meeressäuger sind in allen Weltmeeren zu Hause. Ihre Sommerquartiere sind die Polarmeere, ihre Winterquartiere finden sie in tropischen und subtropischen Gewässern. Hauptsächlich halten sich die Tiere in Flachmeerzonen auf, tiefere Meeresgebiete durchqueren sie nur auf ihren Wanderungen zwischen den Sommer- und Wintergebieten. Bei ihren Wanderungen können die Wale Tausende von Kilometern zurücklegen.
Buckelwale fressen vor allem in ihren Sommerquartieren, im Winter zehren sie von ihren Fettreserven. Ihre Nahrung besteht vor allem aus Krill – das sind winzige Krebse, die in riesigen Schwärmen vorkommen – und zu einem geringen Teil aus Fischen. Um die winzigen Beutetiere fangen zu können, verfügen die Wale über hunderte längliche, an der Innenkante ausgefranste Hornplatten, so genannte Barten, welche wie ein Lamellenvorhang vom Oberkiefer herabhängen und einen wirkungsvollen Filter abgeben.
Für die Jagd nach Fischen haben Buckelwale eine besondere Methode entwickelt: Sie tauchen unter einen Fischschwarm und umkreisen ihn, gleichzeitig lassen sie Luftbläschen aus ihrem Blasloch entweichen. Diese aufsteigenden Bläschen bilden eine Art Vorhang um den Fischschwarm, aus dem es kein Entkommen gibt. Mit aufgesperrtem Maul schwimmen die Buckelwale an die Oberfläche und können so ihre Nahrung konzentriert aufnehmen. Es kommt sogar vor, dass sich mehrere Wale zusammenschliessen und ihren Beutefang aufeinander abstimmen.
Die Tiere leben meist allein oder finden sich hin und wieder in kleinen Gruppen von zwei bis neun Individuen zusammen. Die Zusammensetzung der Gruppen kann über Jahre hinweg gleich bleiben. Die Tragzeit der Weibchen beträgt etwa zwölf Monate, bei der Geburt sind die Kälber etwa vier Meter lang und bereits etwa 1500 Kilogramm schwer. Für mindestens ein Jahr bleiben sie bei der Mutter, während der ersten sechs bis zehn Monate werden sie von ihr noch gesäugt. Danach schliessen sich die Jungtiere einer anderen Gruppe an oder machen sich allein auf den Weg. Die Geschlechtsreife erreichen sie im Alter von 4 bis 5 Jahren, und ihre Lebenserwartung liegt bei 30 bis 50 Jahren.
Selten hat jemand diese wunderbaren Wesen so schön beschrieben wie der US-Autor Peter Matthiessen: «Worte können das Unheimliche des Walgesangs nicht beschreiben, über Jahrmillionen zu einer unübertrefflichen Reinheit gestimmt, ein Klang, den die Menschen jeden Morgen hören sollten, damit er sie an den Morgen der Schöpfung erinnert.»
Um die Wale vor dem Aussterben zu retten, hatte die internationale Gemeinschaft vor über vier Jahrzehnten ihre Jagd verboten. Mit der Folge, dass sich die Bestände etwas erholten: Heute gibt es schätzungsweise weltweit wieder 30 000 bis 40 000 Tiere. Das ist allerdings nur etwa ein Drittel so viel, wie es vor dem kommerziellen Walfang gab. 2007 kündigte Japan an, das Moratorium zu brechen. Die Argumentation lautete, die Jagd diene wissenschaftlichen Zwecken, damit wolle man die inneren Organe der Buckelwale studieren. Allerdings würde der grösste Teil des Fleisches an Restaurants verkauft.
Greenpeace fühlt sich dem Schutz der Wale verpflichtet und zeigt mit dem Projekt «The Great Whale Trail», dass die wunderbaren Tiere zum Erforschen nicht getötet werden müssen. Dazu wird die Reise der Buckelwale mit Satelliten verfolgt, aus den warmen tropischen Gewässern des Südpazifiks, wo sie sich fortpflanzen, bis in das eisige Südpolarmeer, wo sie sich ihre dicke Speckschicht zulegen.
Im Dezember hat sich Japan nun dem internationalen Druck gebeugt und bekanntgegeben, man werde die Jagd auf Buckelwale aussetzen, solange die Gespräche über die Reform der Internationalen Walfangkommission (IWC) andauern; das dürfte noch ein bis zwei Jahre der Fall sein. Was danach sein wird, ist offen. Derweil geht die Jagd auf Finn- und Zwergwale unvermittelt weiter. Mehr Infos über unsere Walkampagne unter www.greenpeace.ch.

