Logo

Der Mann aus dem Eis

Insgesamt dreieinhalb Jahre seines Lebens hat Luc Jacquet in der Antarktis verbracht. Etwas weniger als die Hälfte davon widmete er den Kaiserpinguinen. Nachdem der studierte Biologe einst bei einem Forschungsaufenthalt am Ende der Welt seine Leidenschaft für das filmische Erzählen entdeckt und darauf an TV-Dokumentationen geschult hatte, machte er sich an die Arbeit für seinen ersten Kinofilm. Die Reise der Pinguine bescherte ihm nicht nur einen César und einen Oscar, sondern auch eine Menge Publizität. Zwölf Jahre später ist er zu seinen befrackten Gefährten zurückgekehrt, um Die Reise der Pinguine 2 zu drehen, der am 2. November in den Schweizer Kinos anläuft.

Mit Luc Jacquet sprach Tom von Arx
  

Was war das für ein Gefühl, nach so langer Zeit die Pinguine wiederzusehen?
Das war sehr seltsam. In die Antarktis bin ich seit genau zwölf Jahren nicht mehr zurückgekehrt. Ich war unheimlich ergriffen, sie wiederzusehen. Was mich am meisten verblüfft hat, war festzustellen, dass die Magie noch immer wirkte.

Obwohl Sie die Pinguine kennen, haben sie noch immer etwas Mystisches an sich?
(Zögert.) Dieses Mal war ich natürlich etwas älter, weswegen ich viel stärker das Glücksgefühl hatte, dort sein zu dürfen. Was mich auch noch viel mehr bewegt hat als die Male zuvor, war die ästhetische Magie, die von diesem Tier ausgeht.

Verstehen Sie ihre Sprache?
Nein, ich verstehe ihre Sprache nicht, aber ich verstehe ihr Verhalten. Das heisst, ich weiss, wann ich ihnen zu nahe bin und sie störe. Ich weiss, wann sie sich mir annähern möchten, weil sie neugierig sind und weil sie Lust haben, mit mir zu interagieren. Das beste Mittel, einen Pinguin herbeizulocken, ist es, sich auf dem Packeis hinzustellen und darauf zu warten, dass sie kommen. Und sie kommen!

Wie klingt eigentlich die Antarktis? Sie beschreiben sie manchmal als «totale Stille».
Die Stille ist zeitweise derart gross… All die Melodien des Windes zusammen sind ein wenig wuchtig. Wenn der Wind nicht mehr weht, hört man im Hintergrund, sehr weit entfernt, stets die Pinguine, wie sie miteinander kommunizieren. Aber die Stille ist zeitweise derart vollkommen, dass man das Rauschen des eigenen Herzens hört.

Wonach riecht die Antarktis?
Nicht nach viel, oder aber sehr übel, weil, das, was riecht, der Geruch des Pinguingefieders ist. Wenn es wärmer ist, sich die Temperaturen dem Nullpunkt nähern, riecht man ein wenig ihr Fett. Sobald man sich entfernt, riecht man mehr. Im Sommer den Ozean…

Die Sache mit dem Riechen ist auch für Luc Jacquet an diesem Herbstmorgen nicht so einfach. Der Franzose ist leicht erkältet. Doch Jacquet lässt sich nichts anmerken. Er, der fast doppelt so gross ist wie seine Lieblingstiere, sitzt ruhig da, die breiten Hände ums Knie geschlungen. Es ist die Kraft dieser Tiere, die Jacquet noch immer im Innersten bewegt und die er auch in seinem zweiten Film so ergreifend porträtiert.

  
Die Reise der Pinguine 2 resümiert teilweise den ersten Film und erweitert ihn. Neu ist die Art der Erzählführung. Es sind nicht mehr die Pinguine, die erzählen, sondern jemand aus dem Off. Was hat sie zu diesem Perspektivenwechsel bewegt?

Im ersten Film hatte ich Lust, den Blickpunkt der Pinguine einzunehmen, damit man ihre Herausforderungen durchleben kann. Dieses Mal war mir mehr danach, meine Sichtweise wiederzugeben. Das Entzücken, das Staunen, das Glücksgefühl, dort zu sein und all diese Dinge. Daher dieses Voice-over.

Also würden Sie nicht sagen, der zweite Film ist gegenüber dem ersten viel dokumentarischer?
Das Problem eines solchen Filmes ist es, realitätsnahe Bilder zu schaffen. Für mich ist der von der Fiktion bestimmte Teil der Filme viel stärker, da er Ihnen eine Geschichte erzählt. Die Geschichte eines Wesens – und warum dieses Wesen? Weil der Pinguin das einzige Tier auf Erden ist, das man wie einen Menschen filmen kann! Die Kamera über die Schulter gerichtet, oder mit der Technik des Schnitt-Gegenschnitts hinterlässt man eine verständliche Grammatik. Und die ist für mich sehr viel gelungener als eine Dokumentation.

In Die Reise der Pinguine 2 setzen Sie Drohnen, Unterwasserkameras, viele Zeitlupen mit grosser Leidenschaft ein. Damit inszenieren Sie vor allem die antarktische Unterwasserwelt, von der noch vieles unbekannt ist.
Ja, denn was mich am meisten fasziniert hatte, war tatsächlich, dass man das alles noch nicht kannte. Ferner die Kollision zwischen dem Bild eines Tieres, das ein bisschen dumm, lustig oder tollpatschig rüberkommt, und der Realität, dass es eigentlich ein wahrer Spitzensportler ist. Das wollte ich in Szene setzen, es spürbar machen.

Es sind noch viele Dinge, die die biologischen Mechanismen der Pinguine betreffen, ungeklärt. Beispielsweise finden Sie immer wieder denselben Brutplatz und man weiss nicht wieso.
(Schüttelt den Kopf.) Es ist unglaublich! Wenn Sie verloren sind inmitten des Eises, wie wollen Sie es anstellen, Ihr Ziel zu finden? Es gibt keine Anhaltspunkte, denn das Land wechselt jedes Jahr seine Gestalt. Es hat keine Berge, um sich daran zu orientieren, nichts Derartiges. Dennoch wissen die Pinguine genau, wohin sie müssen. Sie sind äusserst präzis!

Eines Morgens wurden Sie von einem Pinguin geweckt, der mit seinem Schnabel an ihrem Schlafsack gezupft hat. Gab es weitere direkte Kontakte?
Nicht wirklich. Wenn man sich schlafen legt, dann sind es immer sie, die kommen. Dann kommt es vor, dass sie aus Neugier an deiner Kleidung zupfen. Und das etwas grob, weil wir für sie etwas Bizarres sind. Etwas das ihnen zwar nicht Angst macht, aber das sie beschäftigt.

Haben Sie sich mit einem Pinguin angefreundet?
Es gab da tatsächlich eine ulkige Situation, die für Lacher sorgte. Im Herbst, wenn die Pinguine zum ersten Mal den Brutplatz stürmen, hat es jeweils viel mehr Weibchen als Männchen, weil diese aufgrund des harten Winters eher sterben. Infolgedessen versuchten sie, auch mich – einen zwei Meter grossen Typen - zu umgarnen, indem sie mit ihrem typischen Balztanz begannen.

Auch wenn es an seiner Bereitschaft nicht fehlt, hat Luc Jacquet eine weitere Reise zu den Pinguinen bis jetzt nicht geplant und damit ebenso wenig einen dritten Film. Doch das auch vom Klimawandel stark bedrohte Mysterium Pinguin wird den bald Fünfzigjährigen keinesfalls loslassen. Denn im (zumindest sprichwörtlich) ewigen Eis gibt es noch einiges zu entdecken und – für Jacquet besonders wichtig – noch viel mehr davon zu erzählen.

Reise der Pinguine 2 im Kino
Benutzer:
Passwort:
Neu registrieren
Passwort vergessen?

Notfälle

Petfinder.ch arbeitet eng mit zwei Tierärztinnen zusammen, die auf die häufigsten Notfälle bei Hunden, Katzen,Pferden und Nagern eingehen.
» mehr 

Heimatlose Tiere suchen ein Zuhause

heimatlose Tiere suchen ein Zuhause - Hunde, Katzen, Nager usw.

Über 1000 heimatlose Tiere suchen bei uns ein neues Zuhause. Tiervermittlung für Hunde, Katzen, Nager und mehr...