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09.07.2010

Big Business mit wilden Tieren

SCHWEIZ – Der Handel mit wilden Tieren boomt. Das Überleben bedrohter Arten wird so zunehmend gefährtet. Auch der Kauf von Souvenirs trägt dazu bei.

Wer Tiere, Pflanzen oder Produkte davon in die Schweiz einführt, macht sich unter Umständen strafbar. Sie dürfen gar nicht oder nur mit Einschränkung eingeführt werden. Die Forschungsanstalt Agroscope des Bundes empfiehlt daher, ganz die Finger von Pflanzen als Souvenir zu lassen. Diese könnten Krankheiten und Schädlinge einschleppen und in der Schweiz grosse ökologische wie ökonomische Schäden anrichten. Bei der Einfuhr von lebenden Organismen oder Tier- und Pflanzenprodukten spielen jedoch nicht nur gesundheitliche oder pflanzenhygienische Überlegungen eine Rolle. Viele Arten stehen unter Schutz und dürfen daher keine internationale Grenze ohne Genehmigung passieren. Dazu zählt unter Umständen auch die gefundene Feder im Wald.

Insgesamt sind etwa 30'000 Tier- und Pflanzenarten durch das Washingtoner Artenschutzabkommen (Cites) geschützt. Arten, die auf Anhang 1 des Abkommens stehen, dürfen gar nicht über die Grenze gebracht werden - auch nicht als kleine Souvenir-Bestandteile. Dazu zählen zum Beispiel Schildkrötenprodukte, Schnitzereien aus Elfenbein und Walknochen oder auch traditionelle Medizin auf Basis von Tigerknochen und Bärengalle. Andere Produkte wie etwa Krokodilsleder, Federn oder Kaviar (wenn mehr als 150 Gramm pro Person) benötigen in der Schweiz neben einer Einfuhrgenehmigung des Bundesamtes für Veterinärmedizin (BVET) auch einer Cites-Ausfuhrbewilligung des Herkunftslandes. Nach Angaben von Cites werden jährlich Hunderte Millionen Tier- und Pflanzenprodukte gehandelt. Die Palette reicht dabei von Medizin über Kleidung bis hin zu besonderen Delikatessen. Schätzungsweise Hunderte Millionen bis mehrere Milliarden Dollar entfallen auf den illegalen Handel mit geschützten Arten - Tendenz steigend.

Die internationale Umweltorganisation IUCN und der WWF verzeichnen dabei eine Verlagerung des Handels mit Wildtieren und -pflanzen. Wurden früher vor allem Arten aus den südlichen Entwicklungsländern nach Europa oder in die USA exportiert, werden jetzt zunehmend wirtschaftlich aufstrebende Nationen wie China und Indien, teilweise auch Russland, beliefert. Laut TRAFFC, der gemeinsamen Monitoring-Gesellschaft der IUCN und des WWF, spielt vor allem die globale Kluft zwischen Arm und Reich eine Rolle. In den armen Ländern des Südens lässt sich mit den natürlichen Ressourcen schnell und ohne Aufwand viel Geld verdienen. In den aufstrebenden Ländern hingegen möchte man seinen neu erworbenen Wohlstand geniessen - der Ruf nach exotischen Luxusgütern wird lauter.

Als Produzentinnen von solchen Wohlstandsprodukten importieren auch Schweizer Firmen Cites-gelistete und damit gefährdete Arten: Reptilienhäute etwa werden hierzulande zu Uhrenarmbändern verarbeitet. Wie die Schweiz an Cites meldete, stammen dabei fast alle der im Jahr 2008 rund 20'000 eingeführten Häute von Echsen und Waranen aus Wildfängen - vornehmlich aus Argentinien und Indonesien. Obwohl in den meisten Fällen die gesetzlich vorgeschriebenen Cites-Papiere des Herkunftslandes vorliegen dürften, macht Doris Calegari von WWF Schweiz, Expertin für den Handel mit Wildarten, auf die Risiken aufmerksam: «Ob die Papiere echt sind oder illegal beschafft wurden, lässt sich im Nachhinein nur schwer überprüfen. Gerade in Ländern, die mit Korruption zu kämpfen haben, würden die benötigten Papiere häufig einfach gegen Geld ausgestellt. Der Verkauf von Souvenirs hat dabei seinen Anteil am weltweiten illegalen Handel mit Wildarten und gilt als wichtiger Motor der zunehmenden Wilderei. «Generell sind die Menschen in der Schweiz aber sehr gut über die Problematik informiert», erklärt Bruno Mainini, Artenschutzbeauftragter des BVET. Immer noch würden aber vor allem Lederwaren aus Krokodil- und Schlangenhaut, Korallenschmuck sowie Orchideen beschlagnahmt werden. Bruno Mainini sagt dazu: «Gerade bei Ware aus Zuchtbetrieben denken viele nicht daran, dass es auch hierfür Artenschutzpapiere braucht.»

Zusammen mit dem WWF empfiehlt das BVET, im Zweifel ganz auf exotische Tier- und Pflanzenprodukte zu verzichten, und verweist auf Alternativen. Wer die lokale Wirtschaft und die Einheimischen durch den Kauf von Souvenirs unterstützen möchte, könne so zum Beispiel unbedenklich auf Andenken aus Keramik, Stein, Glas oder Malereien zurückgreifen. Quelle: BaslerZeitung



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