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01.12.2010

Bundesamt für Veterinärwesen verzichtet nur bei der Geflügelschlachtung auf schärfere gesetzliche Regeln

SCHWEIZ – Die neue Amtsverordnung über den Tierschutz beim Schlachten garantiert, dass Tiere schonender geschlachtet werden. Die umstrittene Schlachtart bei Hühnern bleibt leider weiterhin möglich.

Huhn

Grundsätzlich gilt: Ohne vorherige Betäubung darf in der Schweiz kein Tier geschlachtet werden. Heute tritt die Amtsverordnung über den Tierschutz beim Schlachten in Kraft und regelt das Schlachten von Rindern, Kälbern, Schweinen, Schafen und Hühnern klarer als bisher. Zwei Bereiche sind dabei besonders heikel: das Ausladen aus dem Lastwagen und das Eintreiben der gestressten Tiere in die Schlachtanlage sowie das Betäuben vor der Tötung. Rinder und Kälber werden mit dem Bolzenschuss betäubt und getötet. Die sehr sensiblen Schweine werden in den grossen Schlachthöfen mit einem CO2-Gasgemisch ins Jenseits befördert. Belastend hingegen ist das Töten von Hühnern. Das Bundesamt für Veterinärwesen verzichtet bei der Geflügelschlachtung darauf, die wesentlich tierschonendere Gasbetäubungsmethode gesetzlich zu regeln.

Bisher werden die Hühner einzeln an den Füssen gepackt und mit dem Kopf nach unten an eine Transportkette gehängt. Daran zappeln sie bis zur Erschöpfung. Das dauert rund 30 Sekunden. Dann werden sie über ein Elektro-Wasserbad befördert, in das ihr Kopf eingetaucht wird. Der Strom soll die aufgehängten Hühner betäuben, die danach möglichst schnell mit einem Schnitt durch die Kehle getötet werden. Es kommt jedoch immer wieder vor, dass das Elektro-Wasserbad Hühner nicht richtig betäubt. Wenn die Stromstösse stärker wären, würden Blutungen entstehen und somit die Qualität des Fleisches mindern. Die Branche nimmt aber lieber einen gewissen Prozentsatz nicht korrekt betäubter Tiere in Kauf, als Einbussen bei der Fleischqualität. Experten fordern dringend den Ersatz der Wasserbad-Elektrobetäubung durch die Gasmethode. Nur so kann man verhindern, dass jährlich Hunderttausende von Hühnern mangelhaft oder gar nicht betäubt in den Schlacht- oder gar den Verarbeitungsprozess gelangen. Einzig der Fleisch-Grossproduzenten Bell (beliefert Coop) baut die Geflügelschlachtanlagen bis zum Frühjahr für die tierschonendere und gleichzeitig weniger arbeitsintensive Gasbetäubung um. Bei Micarna steht hingegen eine Umstellung der Schlachtmethode derzeit ebenso wenig zur Diskussion wie bei den übrigen Schweizer Geflügelschlachthöfen.