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15.03.2012

Das Europäische Parlament fordert die Abschaffung von Langstreckentransporten lebender Tiere in der EU

EU – Heute Morgen hat das Europäische Parlament die Schriftliche Erklärung 49/2011 „zur Festsetzung einer Obergrenze von 8 Stunden für die Befo?rderung von zur Schlachtung bestimmten Tieren in der EU“ angenommen. 378 Unterschriften (die Hälfte der Abgeordneten plus 1) waren erforderlich, um die Schriftliche Erklärung zur offiziellen Position des Parlaments werden zu lassen - diese Zahl wurde vor Fristende erreicht.

Diese Schriftliche Erklärung fordert die Kommission und den Rat auf, die Verordnung Nr. 1/2005 dahingehend zu überarbeiten, dass eine Beförderungsdauer von höchstens 8 Stunden für zur Schlachtung bestimmte Tiere festgesetzt wird.

Die Erklärung wird nun der Europäischen Kommission und den Regierungen der Mitgliedsstaaten übermittelt werden. Sie wurde von fünf Abgeordneten ins EU-Parlament eingebracht: Dan Jørgensen (S&D, Dänemark), Esther de Lange (EPP, Niederlande), Pavel Poc (S&D, Tschechische Republik), Carl Schlyter (Die Grünen, Schweden) und Andrea Zanoni (ALDE, Italien).

Das Schriftstück nimmt direkten Bezug auf die über 1 Million Unterschriften, die auf der Internetseite www.8hours.eu verzeichnet sind. Die europäischen Bürger fordern mit ihrer Unterschrift ein Ende der Langstreckentransporte lebender Tiere in der EU. Aber auch Schweizer Bürger haben die Petition unterstützt. Die Tierschutzorganisation NetAP – Network for Animal Protection mit Sitz in Esslingen/ZH, die eine aktive Rolle im Kernteam der Kampagne eingenommen hatte, verzeichnete über 37'000 Stimmen allein aus der Schweiz.

Die 8hours-Kampagne ist eine der größten Tierschutzkampagnen, die jemals in Europa geführt wurden. Sie wurde von Animals’ Angels – einer internationalen Organisation, die die inakzeptablen Verhältnisse auf Langstrecken-Tiertransporten über Jahre hinweg dokumentiert hat – zusammen mit dem dänischen Mitglied des EU-Parlaments Dan Jørgensen ins Leben gerufen. Von Anfang an Unterstützung fanden die Initianten bei der Umsetzung insbesondere bei NetAP. „Obwohl die Schweiz mit einer Transportbeschränkung für Schlachttiere auf maximal 6 Stunden noch weiter geht, als die Forderung unserer Petition, so betreffen die unhaltbaren Zustände auf europäischen Langstreckentransporten doch auch die Schweiz. Für über eine Milliarde Franken konsumieren Schweizer Bürger Fleisch aus dem Ausland. Fleisch von Tieren, die auf solchen Langstreckentransporten gelitten haben.“ So Esther Geisser, Gründerin und Präsidentin von NetAP.

Gestern Morgen fanden sich einige der Verfasser der Schriftlichen Erklärung (Pavel Poc, Carl Schlyter and Andrea Zanoni) sowie die französische EU-Abgeordnete Michèle Striffler vor dem Plenarsaal in Strassbourg ein und forderten ihre Kollegen zur Unterschrift auf: dies war die letzte einer ganzen Reihe von Initiativen im Zusammenhang mit der Schriftlichen Erklärung. Tierschutzorganisationen aus ganz Europa standen in regelmässigem Kontakt mit ihren nationalen EU-Abgeordneten, informierten sie über die Realität von Langstrecken-Tiertransporten und baten sie, die Schriftliche Erklärung 49/2011 zu unterzeichnen.

Die langen Transportzeiten der sogenannten „Mast-“ und „Schlacht“tiere verursachen sehr häufig immenses Tierleid. Das hat Animals‘ Angels über Jahre hinweg kontinuierlich dokumentiert. Die derzeitige europäische Gesetzgebung erlaubt Tiertransporte über mehrere Tage, obwohl es längst wissenschaftlich erwiesen und von der Kommission anerkannt ist, dass sich das Leid der Tiere mit der Dauer der Transporte steigert.

„Dies ist ein historischer Moment für all diejenigen, die sich für Tiere einsetzen. Der Aufruf von 1 Million Menschen kann von den EU-Institutionen nicht so einfach ignoriert werden”, sagt Christa Blanke, Gründerin von Animals' Angels. „Aber es ist nur ein Meilenstein in einer Kampagne, die erst dann enden wird, wenn Langstreckentransporte, zum Zwecke der Schlachtung in der EU verboten sind. Wir haben die Grausamkeit der Tiertransporte seit vielen Jahren dokumentiert und dabei feststellen müssen, dass alle Verbesserungen der Tierschutztransportgesetze nicht ausreichen, solange Langstreckentransporte erlaubt sind.”

"Wir leben im 21. Jahrhundert in einer Gesellschaft, die wir als humane Gesellschaft bezeichnen. Es ist Zeit, dies unter Beweis zu stellen.” – sagte der tschechische EU-Abgeordnete Pavel Poc, einer der Verfasser der Schriftlichen Erklärung 49/2011. “Ich bin glücklich darüber, dass das Europäische Parlament diese Herausforderung angenommen hat, in dem es diese Schriftliche Erklärung verabschiedet hat. Eine verabschiedete Erklärung mag zwar noch weit entfernt sein von realen Taten und notwendigen Änderungen, aber sie setzt ein ganz wesentliches Zeichen und ich hoffe, dass all diese Initiativen zusammengenommen einen enormen Druck erzeugen und somit den längst überfälligen politischen Kurswechsel erzielen werden."

“Was heute tatsächlich auf den Strassen Europas geschieht, ist Tierquälerei. Das muss enden! Die Europäische Kommission hat bis heute die Forderung nach neuen Regelungen für Tiertransporte ignoriert. Aber es wird der Europäischen Kommission nicht leicht fallen, die Forderungen des Europäischen Parlaments zu überhören. Das Parlament hat sich dem Aufruf von über einer Million Bürgern angeschlossen, die ein Ende der Langstreckentransporte lebender Tiere fordern“- sagt der dänische Abgeordnete des EU-Parlaments Dan Jørgensen und fügt hinzu: „Ich habe den für Tierschutz zuständigen Europäischen Kommissar John Dalli mehrfach darauf hingewiesen, dass die Regelungen für Tiertransporte geändert werden müssen. Bedauerlicherweise sah er keine Veranlassung, dieser Aufforderung entsprechend nachzukommen.
Aber jetzt sollte er handeln. Tut er es nicht, wird er dem Europäischen Parlament und 1 Million EU-Bürgern erklären müssen, warum er darauf besteht, diese Tierquälerei weiterzuführen.“

Die Schriftliche Erklärung 49/2011 und die Sammlung von Unterschriften von über einer Million europäischer Bürgern sind Teil einer grossen Kampagne (www.8hours.eu), die eine Höchstdauer von acht Stunden für zum Zwecke der Schlachtung transportierte Tiere fordert. Diese Kampagne als Ganzes wird auch von 126 Abgeordneten des Europäischen Parlaments aus 19 verschiedenen Mitgliedsstaaten und von allen politischen Fraktionen unterstützt.

Anmerkungen:

Die derzeitige europäische Gesetzgebung, die Lebendtiertransporte reguliert, ist die Verordnung (EG) Nr.1/2005. Diese erlaubt den Transport von Pferden, anderen pferdeähnlichen Tieren und Schweinen für 24 Stunden, gefolgt von einer 24-stündigen Pause, was dann wiederholt werden darf. Rinder, Schafe und Ziegen dürfen 14 Stunden lang transportiert werden, nach einer einstündigen Pause können diese dann weitere 14 Stunden transportiert werden. Danach benötigen sie eine 24-stündige Pause, nach der die Beförderung weiter fortgesetzt werden darf. Nicht entwöhnte Kälber, Lämmer, Fohlen und Ferkel dürfen neun Stunden transportiert werden; nach einer einstündigen Pause darf der Transport für weitere neun Stunden fortgesetzt werden. Dieser Zyklus kann nach einer 24-stündigen Pause unendlich wiederholt werden.

Das Europäische Parlament forderte bereits 2001 eine Beschränkung der Transportzeit: Die Dauer der Transporte sollte auf eine Höchstdauer von acht Stunden oder eine Strecke von 500 km beschränkt werden. Dies bezieht sich auf Rinder, Pferde, Schafe und Schweine, die nicht für die Zucht oder sportliche Zwecke vorgesehen sind. (Siehe Beschluss vom Europäischen Parlament, übernommen am 13. Januar 2001 in Straßburg).

 

 



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