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30.06.2009

Das Haustier als Partner-Ersatz

SCHWEIZ – Immer mehr Menschen in der westlichen Welt vereinsamen. Das führt dazu, dass viele Hunde und Katzen eine neue Position einnehmen – laut einer neuen Studie sind sie nicht mehr nur Haustier sondern müssen die Rolle des Lebenspartners übernehmen.

Die Studie des Zürcher Gottlieb-Duttweiler-Instituts kommt zu dem Schluss, dass Tiere eine absolut zentrale Rolle beim Menschen spielen, sowohl für die Seele wie auch als Ressource. Ziel der Studie war das Untersuchen von Trends beim Verhältnis vom Mensch zum Tier. Das Ergebnis kommentiert Studienleiter Peter Gloor so: «Vor allem Hunde und Katzen werden immer mehr vermenschlicht». So gibt es beispielsweise in den USA eine wesentliche Gruppe von Menschen, die das Tier dazu benützt, um der eigenen Vereinsamung Einhalt zu gebieten. Diese Menschen weisem dem Haustier, zumeist dem Hund, die Rolle des nicht vorhandenden Lebenspartners zu und vermenschlichen es zunehmend.

Die Vermenschlichung von Tieren ist an sich nichts Neues, prominentes Beispiel dafür ist der gestiefelte Kater. Neu ist gemäss Gloor aber, dass die breite Masse in der westlichen Welt vor allem Hunde und in zweiter Linie Katzen zum Partnerersatz erküren. So wird beispielsweise im Namen des Haustiers unterschrieben, es wird vorausgesetzt, dass das Haustier wie ein vollwertiges Familienmitglied behandelt wird, man geht mit dem Tier ins Restaurant, als wäre es der Partner und schenkt ihm zum Geburtstag prunkvolle Geburtstagstorten. Wird das Tier krank, werden Unsummen für Operationen und lebensverlängernde Massnahmen ausgegeben.

In den USA werden gar Haustiere als Erben im Testament eingesetzt. Und die Ferien soll der Vierbeiner mit dem gleichen Qualitätsstandard verbringen können wie Herrchen oder Frauchen. Dass auch der Trend in der Schweiz in diese Richtung geht, zeigen die steigenden Ausgaben vor allem für Hunde in den Bereichen Spitzennahrung und Spitzenmedizin oder auch für Hundekleidung. Der Preis spiele dabei oftmals keine Rolle, es müsse einfach das Beste fürs Tier sein, sagt Gloor. Kurz: Von A bis Z wird alles das fürs Tier gemacht, was man auch für den Menschen macht.

Die Studie zeigt aber auch noch einen anderen Typ Menschen auf: diejenigen nämlich, die das Tier als reines Nutzobjekt sehen, vor allem, wenn es um medizinische Zwecke oder um die Nahrung geht. In Sachen Ernährung kristallisieren sich zwei Trends heraus. Zum einen gibt es die fleischlose Gesellschaft, zum anderen zeigt sich, dass der Fleischkonsum gleich bleibend ist. Zwar wächst die Menschheit als Ganzes und es ist anzunehmen, dass vor allem Fleisch essende Gesellschaften wie China und Afrika mit zunehmendem Wohlstand mehr Fleisch konsumieren werden, bis ein Plafond erreicht ist. In der westlichen Welt hingegen ist dieser bereits erreicht, hier essen die Menschen immer weniger Fleisch. Allgemein könne man sagen, je höher das Bildungsniveau, desto tiefer der Fleischkonsum, meint Gloor. In zehn Jahren werde es möglich sein, mit pflanzlichen Zutaten Lebensmittel herzustellen, die von Fleisch nicht zu unterscheiden seien. Ausserdem zeigen die Studienergebnisse ganz klar, dass in Ländern, in denen Tiere heilig sind, wie zum Beispiel in Indien, sehr viele Vegetarier leben.

Studienleiter Peter Gloor zeigt sich erstaunt darüber, wie verklärt und vermenschlicht heute gewisse Leute ihre Haustiere sehen. Dadurch, dass sich viele nicht mehr bewusst seien, dass es sich bei Hunden und Katzen eigentlich um Raubtiere handelt, gehe die artgerechte Haltung und Behandlung der Tiere verloren. Eine Katze beispielsweise ziehe die Jagd nach einer Maus zumeist dem trauten Beisammensein mit dem Herrchen vor. Peter Gloor plädiert deshalb dafür, den Tieren mit Respekt zu begegnen, und dies heisse nicht blindes Vermenschlichen sondern tiergerechtes Behandeln.



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