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17.06.2010

Die Schattenseiten des WM-Landes: Touristen jagen handzahme Löwen

SÜDAFRIKA – Der Löwe ist während der WM ein beliebtes Motiv. Was viele nicht wissen: In den meisten der rund 160 südafrikanischen Farmen werden Löwen von Hand aufgezogen – damit sie später von Hobbyjägern abgeknallt werden können. VIER PFOTEN lädt die Schweizer Bevölkerung ein, ein Verbot von Canned Hunting zu fordern.

Die extreme Abart des Jagens heisst Canned Hunting, zu Deutsch Gatterjagd. Opfer sind meist Löwen. Sie werden ihren Jägern auf dem Silbertablett serviert: auf Farmen gezüchtet und von Hand aufgezogen, sperrt man sie in umzäunte Areale, wo sie dann von oft unerfahrenen Jägern abgeschossen werden. Es braucht nicht selten mehrere Schüsse, bis ein Tier endlich stirbt. Derzeit werden in Südafrika rund 4000 Löwen zu diesem Zweck herangezüchtet.

Einen Jagdschein oder nachgewiesene Jagderfahrung brauchen die mehrheitlich europäischen und nordamerikanischen Abenteuer-Touristen für dieses dekadente Freizeitvergnügen nicht. Aber sie lassen sich den Spass etwas kosten: Für einen männlichen Löwen muss der Hobbyjäger bis zu 63'000 Schweizer Franken hinblättern; Weibchen sind für «nur» 7000 Franken oder weniger zu haben. Auf manchen Farmen werden auch Löwenjunge zum Abschuss angeboten. Gatterjagd-Angebote findet man im Internet, in Deutschland auch auf Jagdmessen und in auf Jagdreisen spezialisierten Reisebüros. Hierzulande geben die befragten Afrika-Reiseanbieter (u.a. Kuoni, Knecht, Globetrotter, SwissAfrican Travel Service) einhellig an, kein Canned Hunting zu vermitteln. Aber durch Besuche von Zuchtfarmen werden auch ahnungslose Touristen aus der Schweiz zu Unterstützenden dieser grausamen Industrie. Denn viele der Jungtiere werden zunächst als Touristenattraktion dargeboten, man kann sie gegen ein Eintrittsgeld sogar streicheln.

Immer mehr Löwen betroffen

Von 2006 bis 2008 hat sich die Zahl der Löwen-Abschüsse in Südafrika verdreifacht: Zählte die nationale Umweltbehörde 2006 noch 322 erschossene Löwen, so waren es 2007 bereits 700 und 2008 gemäss Schätzungen des Raubtier-Zuchtverbands South African Predator Breeders Association gar 1050 Tötungen. Diese Angaben werden durch die steigenden Zahlen bei den Exporten von Löwentrophäen bestätigt. Alle Bemühungen, Canned Hunting auf politischem Weg zu begegnen, scheiterten bisher an Südafrikas mächtiger Jagdlobby.

Gefahr auch für wilde Löwen

Die Befürworter von Canned Hunting behaupten zuweilen, diese Form der Jagd diene dem Artenschutz. Das Gegenteil ist der Fall: Das zunehmende Angebot von Trophäenjagden verstärkt den Druck auf wildlebende Löwenpopulationen. Für die Zucht werden immer wieder Tiere aus der freien Wildbahn gefangen. Die Zahl der wilden Löwen schrumpft seit Jahren: Experten gehen von nur noch 23’000 wildlebenden Löwen auf dem afrikanischen Kontinent aus. Die SSC Cat Specialist Group der International World Conservation Union (IUCN) erwartet, dass die grossen Löwenbestände um etwa 42 Prozent schrumpfen werden.

Lionsrock und WM als Chance

2008 eröffnete VIER PFOTEN in Südafrika den Lionsrock Park – ein über zwölf Quadratkilometer grosses Wildtier-Refugium nahe der Stadt Bethlehem. Auf dem weitläufigen Gelände werden in der Haltung von Löwen neue Standards gesetzt. VIER PFOTEN ist zuversichtlich, dass der Lionsrock Park in Südafrika zu einem Umdenken im Umgang mit seinen Wildtieren führen wird.

Während der Fussballweltmeisterschaft schaut die ganze Schweiz nach Südafrika. VIER PFOTEN hofft, dass die WM auch den Löwen nützt. Denn Südafrika muss Canned Hunting dringend verbieten. Schweizerinnen und Schweizer können mithelfen, dies zu verlangen, indem sie die Online-Petition von VIER PFOTEN unterzeichnen. Bis jetzt sind international schon über 100'000 Unterschriften zusammen gekommen.



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