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23.07.2009

Einzeller sorgt für Massensterben bei Wildvögeln

DEUTSCHLAND – Seit Anfang Mai starben in Deutschland Zehntausende Wildvögel an einer mysteriösen Krankheit. Nun ist die Ursache gefunden: ein Einzeller namens Trichomonas gallinae aus der Gruppe der Trichomonaden ist schuld am Massensterben.

Veterinäre hätten dies bestätigt, sagt Dr. Markus Nipkow von der Bundesgeschäftsstelle des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Die kleinen, einzelligen Geisseltierchen seien besonders zahlreich in Tränken und an Futterstellen zu finden. Gartenbesitzer werden deshalb gebeten, vorläufig keine Vögel zu tränken oder zu füttern. Die Vögel würden dadurch nicht verdursten und die Ausbreitung der tödlichen Krankheit könne dadurch vermindert oder gar gestoppt werden.

Die Naturschutzorganistion schätzt, dass in ganz Deutschland bereits mehrere Zehntausend Wildvögel an Trichomonaden verendet sind. Es handle sich um das erste infektiöse Massensterben von Wildvögeln in weiten Bereichen der Bundesrepublik, gibt Nabu-Präsident Olaf Tschimpe bekannt. Die meisten Fälle registriert haben Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin.

Am schwersten von der tödlichen Krankheit betroffen sind die Grünfinken. Aber auch Buchfinken, Kernbeisser, Gimpel, Elstern, Haussperlinge, Amseln sowie weitere Arten werden nicht verschont. Die Krankheit äussert sich mit gelblichen Belägen auf der Schleimheit des Schlundes der befallenen Tiere. Sie sind kurzatmig und wirken matt. Die Krankheit endet normalerweise innert kurzer Zeit mit dem Tod.

An Sammelpunkten der Vögel übertragen sich die hochinfektiösen Trichomonaden rasch von einem Tier aufs andere. Trinkt ein infizierter Vogel aus einer Tränke, gelangen die mikroskopisch kleinen Einzeller dabei ins Wasser. Kommt danach ein gesunder Vogel ans Wasser, um zu trinken, kann er sich infizieren. So breitet sich der Erreger rasend schnell aus. Denn im Trinkwasser können die Geisseltierchen bis zu 24 Stunden überleben. Auch bei der Fütterung von Jungvögeln können infizierte Tiere das Virus übertragen. Auf den Menschen ist der Erreger hingegen nicht übertragbar.