Logo
07.03.2013

Eiskalt abserviert: Schweiz stimmt gegen Schutz der Eisbären

THAILAND — An der Artenschutzkonferenz CITES in Bangkok haben heute die Delegierten der 178 Mitgliedstaaten, darunter die Schweiz, Kanada, Norwegen und Dänemark, das internationale Handelsverbot mit Eisbärenprodukten in erster Instanz abgelehnt. Nach der Klimaerwärmung stellt die Jagd die grösste Gefährdung des Königs der Arktis dar: Allein in Kanada werden 400 Eisbären jährlich für den Handel mit Fellen, Krallen und Zähnen getötet. OceanCare interveniert beim Bundesrat gegen das Stimmverhalten der Schweiz.

Die USA, unter anderem unterstützt von Russland, wollten dem internationalen Handel mit Eisbären Einhalt gebieten. Ihr Antrag an die Delegierten des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES sah vor, den Eisbären auf Anhang 1 zu listen. Dabei handelt es sich um eine Liste, die besonders stark gefährdete Tierarten bezeichnet und sie unter grösstmöglichen Schutz stellt. Dies hätte zum Verbot des internationalen Handels mit Teilen und Produkten von Eisbären geführt.

Tragische Rolle der Schweiz

42 Länder stimmten gegen den Eisbären, 46 enthielten sich und 38 gaben ihre Stimme dem König der Arktis. „Besonders empört mich, dass die Schweiz, die das Fürstentum Liechtenstein vertreten hat, trotz unserem Appell an den Bundesrat mit zwei Nein-Stimmen ausschlaggebend war für die Ablehnung. Das ist ein besonders schwarzer Tag für den weissen Bären, denn die Jagd ist nach dem Klimawandel seine grösste Gefährdung. OceanCare interveniert gegen das Stimmverhalten der Schweiz“, so Sigrid Lüber von OceanCare. „Nur ein generelles Verbot des Handels mit Eisbärenfellen hätte die blutige Hatz beenden können“.  

 

Der Schutzantrag scheiterte am Widerstand von Kanada, der Schweiz und der EU. Während die EU auf der letzten CITES-Konferenz gegen den Antrag stimmte, hat sie sich diesmal enthalten. Deutschland und die Mehrheit der EU-Staaten haben sich für den Eisbärenschutz ausgesprochen, doch Dänemark und wenige andere Staaten haben ein positives Votum der EU, die auf der Artenschutzkonferenz einheitlich abstimmen muss, blockiert. Die EU-Kommission drängte auf einen Alternativvorschlag, der jedoch den Handel mit Eisbären nicht eingeschränkt hätte.

Vor Ort in Bangkok nimmt die Biologin Sandra Altherr von Pro Wildlife, einer Partnerorganisation von OceanCare, an der Artenschutzkonferenz teil. „Profitgier und politische Absprachen haben erneut verhindert, dass eine aussterbende Art wie der Eisbär streng geschützt wird – ein Armutszeugnis", so Altherr. Bereits auf der letzten Artenschutzkonferenz in Doha 2010 war der strenge Schutz des Eisbären am Widerstand Kanadas, der Schweiz und der EU gescheitert. Gegner des Eisbären-Antrags argumentieren, dass sie die USA für ihre Klimaschutz-Politik abstrafen wollten. „Es ist kontraproduktiv, dass Differenzen beim Klimaschutz auf dem Rücken der Eisbären ausgetragen wurden – dem Symboltier des Klimawandels“, so Altherr, die zusammen mit OceanCare monatelang für das Handelsverbot gekämpft hat.

Infos zur Eisbärenjagd

Getarnt unter dem Deckmantel des legalen kommerziellen Handels von Eisbären in Kanada findet der Handel auch in Russland statt, obwohl er dort verboten ist. Gegenwärtig leben heute noch 20‘000 bis 25‘000 Eisbären in Kanada, Grönland, Norwegen, Russland und den USA. Wissenschaftler haben errechnet, dass die Eisbärbestände bis 2050 allein aufgrund des Klimawandels um zwei Drittel zurückgehen werden. Damit sind Eisbären laut CITES Definition eindeutig vom Aussterben bedroht. Allein in Kanada werden jährlich 400 Eisbären für den internationalen Fellhandel legal gejagt und getötet, obwohl 7 der 13 lokalen Eisbärbestände rückläufig sind. Rund 25 000 Euro werden für das Fell eines grossen Eisbären auf dem europäischen Markt erzielt. Die Jäger nehmen die prächtigsten Tiere ins Visier ihrer Flinten, männliche Eisbären, die für die Fortpflanzung und den Erhalt der Art besonders wichtig sind.