Logo
15.05.2012

Erneut harte Kritik an ConnyLand

SCHWEIZ – Die deutsche Delfin- und Walschutzorganisation ProWal recherchierte erneut im ConnyLand und stellte erneut Unzulänglichkeiten bei der Delfinhaltung fest.

Andreas Morlok, ProWal-Geschäftsführer: „Was ich am letzten Freitag bei unserer erneuten Recherche mit eigenen Augen sah, verschlug mir die Sprache. Angeblich haben die Betreiber 200.000 CHF für die Sicherheit der noch drei verbliebenen Delfine ausgegeben. An fast jeder Ecke sollen Kameras und Bewegungsmelder installiert worden sein, falls jemand den Delfinen zu nahe kommen sollte. Die Installation dieser Technik scheint sich als eine völlige Fehlinvestition zu entpuppen, denn Besucher können weiterhin direkt am Becken die Delfine beobachten. Die Gefahr, dass Gegenstände ins Wasser fallen ist sehr groß. In anderen Delfinarien starben bereits Delfine, weil sie z. B. Münzen, etc. verschluckten. Liegengebliebener Müll oder verlorene Gegenstände können durch den Wind in das Becken gelangen. Die Installation von einem Netz oder einer Plexiglasscheibe um das Becken herum würde eine solche Gefahr erheblich minimieren.

Im Connyland spart man wohl am falschen Platz. Eine Scheibe der Delfin-Winterhalle weist einen großen Riss auf. Bei einem Bruch könnten Teile davon in das nur etwa einen Meter entfernte Becken gelangen, in dem sich die drei Delfine befinden. Erhebliche oder gar tödliche Verletzungen drohen beim Verschlucken solcher Teile. Warum das ConnyLand nach acht toten Delfinen in drei Jahren, auch hier ihre drei verbliebenen Delfine einer solchen Gefahr aussetzt, ist nicht nachvollziehbar. Der sorglose Umgang mit der Gesundheit der Delfine ist offensichtlich. Besucherkinder betreten mit Straßenschuhen eine Strandungsfläche für die Delfine, um dann die Tiere anfassen zu können. Dem Betreiber ist wohl nicht bekannt, dass Delfine an von Menschen übertragenen Bakterien sterben können. Selbst die Kinder befanden sich in Gefahr, denn ein Mitarbeiter des ConnyLand verließ die Strandungsfläche vor den Kindern. Die Kinder könnten auf den Plastikplanen ausrutschen und ins Wasser fallen. Eine Schwimmweste hatte kein Kind an.

Auch für die Übermäßige Beschallung durch Ansagen und Musik haben wir kein Verständnis. Lautsprecher sind direkt am Becken, in Bäumen und auf der Tribüne installiert. Wir maßen mit einem Schallmessgerät bei der ersten Delfin-Show einen Lärmpegel von 82,8 Dezibel in der Nähe des Delfinbeckens. Das Gehör eines Menschen würde zum Vergleich diesen Lärmpegel so wahrnehmen, als wenn er an einer vielbefahrenen Straße stehen würde. Delfine sind viel hörempfindlicher als Menschen. Bei der zweiten Delfin-Show wurde unsere Messung vom Personal bemerkt und die Musiklautstärke erheblich gesenkt. Das Messgerät zeigte dann einen Wert von 74 Dezibel. Menschen nehmen den Unterschied von 10 Dezibel als etwa doppelt so laut wahr.

Die Aufklärung über Delfine ist einseitig. Dem Besucher wird erzählt, dass zwei der Delfine im ConnyLand geboren wurden. Verschwiegen wird dabei, dass das Muttertier ein Wildfang ist und schon einige Wildfänge in diesem Delfinarium starben. Auch wird behauptet, dass die ConnyLand-Delfine älter werden, als die Tiere, die im Meer leben. Das ist völlig unseriös, denn diese Aussage kann nicht belegt werden. Es gibt keine einsehbare Statistik, wie viele Delfine im ConnyLand in Gefangenschaft gehalten und wie alt diese Tiere tatsächlich wurden. Zudem gibt es keine weltweiten Bestandserhebungen, die belegen, welches Durchschnittsalter freilebende Delfine erreichen.“

ProWal kritisiert auch die Delfin-Show: „Sie steht im Vordergrund und soll das Publikum unterhalten. Die Delfine werden weiterhin zu Clowns degradiert. Selbst das einjährige Jungtier muss bereits an der Show teilnehmen. Dem Publikum wird erzählt, dass die Delfine nur das machen, was diese Tiere in freier Wildbahn auch tun würden. Wohl jedem Zuschauer ist dabei klar, dass freilebende Delfine keine Plastikringe mit ihren Schnauzen herumwirbeln, Plastikbälle apportieren, Menschen mit ihren Schnauzen aus dem mit ätzendem Chlor angereicherten Wasser katapultieren und dies alles sicher kein natürliches Verhalten der Delfine ist.“

ProWal fürchtet Inzucht bei den Delfinen!

Andreas Morlok: „In dem Delfinarium lebt eine Mutter zusammen mit ihren beiden Söhnen. Die Tiere werden nicht separiert und ein aggressives Verhalten untereinander konnten wir nicht feststellen. Jedoch sollte noch, bevor bald der ältere Sohn geschlechtsreif ist, der Delfinmutter die Pille zur Verhütung verabreicht werden. Wir hoffen, dass dies das Veterinäramt auch fordert und kontrolliert, damit eine Inzucht vermieden werden kann.

Skandalöser Umgang mit zahlenden Besuchern!

Andreas Morlok von ProWal ist empört: „Besucher des ConnyLand, wie ich, müssen damit rechnen, dass sie ohne darauf hingewiesen worden zu sein, also ungefragt und ohne deren Zustimmung, vom Geschäftsführer des ConnyLand, Erich Brandenberger, fotografiert werden. Dem Besucher steht es frei im ConnyLand zu fotografieren, denn es ist dort nicht verboten. Warum aber Gäste des Parks mit der Einschneidung von Persönlichkeitsrechten direkt konfrontiert werden, ist ungeheuerlich und nicht nachvollziehbar. Unklar ist auch, zu was das ConnyLand das Fotomaterial seiner Besucher verwendet und ob es ohne Zustimmung der betroffenen Personen auf Dateien gespeichert wird. Ob das Fotografieren der Besucher, ohne deren Einwilligung, legal ist oder gegen geltendes Recht verstößt, wird noch zu prüfen sein!“

ProWal berichtet von fast leeren Rängen bei den Tier-Shows und von wenigen Besuchern: „Trotz schönstem Wetter waren nur wenige Gäste in dem Freizeitpark anzutreffen. Selbst die Strandbar bei dem Delfinbecken war geschlossen. Manche Fahrgeschäfte waren erst gar nicht geöffnet oder stellten ihren Betrieb schon am Nachmittag ein. Wir sind uns sicher, dass dies mit dem negativen Image des ConnyLand zu tun hat. Die Leute sind heutzutage aufgeklärt und meiden Anlagen, in denen Delfine in Gefangenschaft gehalten werden und unter Hunger alberne Kunststücke vorführen müssen. Ohne Delfine hätte das ConnyLand mit Sicherheit mehr Besucher. Der Betreiber sollte sich mit dem wohl bald kommenden Importverbot für Meeressäuger in die Schweiz befassen und zwar nicht, wie er es bekämpft, sondern eher damit, wo er seine Delfine tier- und artgerechter unterbringen kann. Es sollte nun wirklich die Einsicht einkehren, dass der größte Schweizer Freizeitpark kein Platz für die Haltung von Delfinen ist. Wir hoffen, dass der Schweizer Gesetzgeber auch darauf achtet, dass er neben einem Importverbot für Meeressäugetiere, auch ein Einfuhrverbot für Genmaterial berücksichtigt, damit nicht doch noch durch eine vergessene Hintertüre weiterhin Delfine gezüchtet werden können.“

Der Streit um die Schuld der beiden Delfine, die im November 2011 im ConnyLand gestorben sind, geht unterdessen weiter. ProWal verurteilt die Verdächtigungen, die von Seiten des ConnyLand kommen: „In einem Schreiben an eine Schweizer Tierschützerin unterstellt das ConnyLand: „Unsere Delphine wurden nicht durch einen Fehler unsere Delphintrainer getötet. Eher haben extreme Tierschützer daran Schuld.“ Andreas Morlok bezweifelt dies: „Das sind unbewiesene Schuldzuweisungen. Als die Delfine starben, lag ein Zeitraum von fünf Tagen dazwischen. Falls die Delfine von Außenstehenden vergiftet wurden, hätten diese ja zweimal kommen müssen, was sehr unwahrscheinlich ist, denn die Polizei stellte bei ihren Ermittlungen fest, dass es keine Einbruchspuren gab. Die innere Tür zur Fischküche, die angeblich beschädigt wurde, war schon vor einigen Jahren verzogen, wie uns gestern ein ehemaliger Angestellter mitteilte.“



Benutzer:
Passwort:
Neu registrieren
Passwort vergessen?

Notfälle

Petfinder.ch arbeitet eng mit zwei Tierärztinnen zusammen, die auf die häufigsten Notfälle bei Hunden, Katzen,Pferden und Nagern eingehen.
» mehr 

Heimatlose Tiere suchen ein Zuhause

heimatlose Tiere suchen ein Zuhause - Hunde, Katzen, Nager usw.

Über 1000 heimatlose Tiere suchen bei uns ein neues Zuhause. Tiervermittlung für Hunde, Katzen, Nager und mehr...