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30.03.2011

Erschlagen, ausgesetzt, erfroren: Das Ende exotischer Haustiere

DEUTSCHLAND – Eine Siebenjährige findet eine Boa im WC, ein verhungerter Leguan liegt im Strassengraben, ein erschlagener Tigerpython wird auf einem Parkplatz entdeckt – drei Vorfälle der letzten zwei Wochen, die zeigen, wie skrupellos manche Halter sich ihrer lästig gewordenen exotischen Haustiere entledigen.

Pro Wildlife hat seit 2008 über 160 Vorfälle protokolliert, bei denen Schlangen, Echsen und andere Wildtiere allein in Deutschland gefunden wurden – aus Privathaltung entwischt oder ausgesetzt. „Reptilien zu halten ist seit einigen Jahren der letzte Schrei. Viele Leute schaffen sich die Tiere unüberlegt als lebende Dekoration fürs Wohnzimmer an. Werden die Tiere gross, teuer oder gar gefährlich, landen sie oft im Strassengraben, der Kanalisation oder im Wald“, kritisiert Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. „Dies ist Tierquälerei, bedroht unsere heimische Artenvielfalt, und manche Arten sind auch eine Gefahr für den Menschen.“

Der „Deko-Gecko“: Exotische Haustiere als trendige Wohn-Accessoires

Reptilien werden häufig als unkomplizierte, anspruchslose „Haustiere“ dargestellt, die wenig Futter brauchen, keine Allergien auslösen und kein Gassigehen einfordern. Dabei sind gerade Reptilien in ihren Anforderungen besonders anspruchsvoll: Sie sind völlig von einer geeigneten Aussentemperatur abhängig und haben spezielle Ansprüche an Temperatur und Feuchtigkeit. Für den Laien sind Leiden und Stress dieser wechselwarmen Tiere jedoch kaum erkennbar – im Gegensatz zu Hunden oder Katzen, die leichter Mitgefühl erwecken. „Viele Halter schaffen sich für wenige Euro Reptilien über das Internet oder auf Börsen an – und scheitern später an einem Tier, das zu gross, zu wehrhaft oder schlichtweg zu teuer in der Haltung wird“, beschreibt die Pro Wildlife Sprecherin die Lage. „Solche Tiere, so sie denn überhaupt die erste Zeit überleben, werden später entsorgt oder entkommen aus dem ungesicherten Terrarium.“ Viele Reptilien bezahlen diese Verantwortungslosigkeit der Halter mit ihrem Leben: Sie werden bei Minustemperaturen ausgesetzt und erfrieren (Boa constrictor, Bayern), sie werden erschlagen (Tigerpython, Baden-Württemberg) oder verbrannt (Königspython, Baden-Württemberg).

Zunehmendes Sicherheitsproblem

Letztes Jahr sorgte der Fall einer entkommenen hochgiftigen Monokelkobra in Mülheim/Ruhr für bundesweite Schlagzeilen. Ein Mehrfamilienhaus musste evakuiert und entkernt werden – der Gesamtschaden beläuft sich auf 100.000 Euro, für den der jugendliche Halter nicht aufkommen kann. Und dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Im letzten halben Jahr wurden Fälle bekannt von Riesenschlangen, die auf Kinderspielplätzen, im Abflussrohr oder imMotorraum eines Wohnmobils gefunden wurden. In Österreich wurde 2010 eine Kobra in einer Grünanlage ausgesetzt, in Baden-Württemberg fand ein Mann in seinem Garten einen 100 Kilo schweren Netzpython, in München wurde ein giftiger Skorpion im Briefkasten einer Villa entdeckt.

Naturschutzkonflikte durch exotische Haustiere

Allein Deutschland importiert jährlich bis zu 840.000 lebende Reptilien, dazu eine unbekannte Zahl Amphibien, Säugetiere, Spinnen und Skorpione – Tendenz steigend. Entkommene oder ausgesetzte nicht-heimische Wildtiere können, wenn sie bei hiesigen Temperaturen überleben, zur Konkurrenz für heimische Arten werden. „So häufig wie Reptilien hierzulande inzwischen ausgesetzt werden, steigt die Gefahr, dass sie zur ernsten Gefahr für heimische Schlangen, Schildkröten und Echsen im Kampf um die letzten verbliebenen Lebensräume in Deutschland werden“, warnt Altherr. So bedrohen amerikanische Rotwangen- und andere Schmuckschildkröten das Überleben der Europäischen Sumpfschildkröte. „Aus Tier- und Naturschutzsicht, aber auch aus Sicherheitsgründen gilt: Der Handel mit exotischen Wildtieren muss endlich streng reglementiert werden“, so die Forderung von Pro Wildlife.

Quelle: tierschutznews.ch



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