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13.05.2011

EU Parlament stimmt für gesetzliche Kennzeichnung von Textilien mit Pelzbesatz

BELGIEN – Gestern hat das Europäische Parlament für eine neue Verordnung zur Etikettierung von Textilien gestimmt. Demzufolge soll es in der EU zukünftig bei Textilien verpflichtend sein, Bestandteile tierischen Ursprungs wie Pelz als solche zu kennzeichnen. Es wird erwartet, dass auch der EU-Ministerrat dem Vorschlag zustimmt. Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN begrüßt die Entscheidung als ersten Schritt für eine bessere Wahlfreiheit des Konsumenten, aus Sicht des Tier- und Verbraucherschutzes sind jedoch weitere Vorgaben notwendig.

Verbraucher bekommen in Zukunft die Möglichkeit, tierische Bestandteile von Textilien eindeutig zu erkennen. Damit Konsumenten sich ausreichend über Pelzbestandteile informieren können, bedarf es nach Überzeugung von VIER PFOTEN jedoch weiterer Angaben. "Aus Tierschutzsicht sind Informationen zur Tierart, der geografischen Herkunft und zur Tierhaltung notwendig. Erst wenn der Kunde auf dem Etikett lesen kann, dass es sich z. B. um ein Fuchsfell aus China handelt und das Tier in einem Gitterkäfig mit einem Quadratmeter Fläche gehalten wurde, ist er ausreichend informiert", sagt Wildtierexperte Thomas Pietsch. Pelze werden unter grausamen Bedingungen in Pelzfarmen produziert, 100 Millionen Nerze, Füchse oder Marderhunde werden dafür weltweit jährlich getötet. Pietsch betont: "Je mehr der Käufer über die Hintergründe der Pelzproduktion erfährt, desto leichter wird ihm eine Entscheidung gegen dieses tierquälerisch hergestellte Erzeugnis gemacht."

Das EU Parlament begründet die Erweiterung der Textilkennzeichnung damit, dass es für Verbraucher zunehmend schwieriger wird, echten Pelz von Kunstfell zu unterscheiden und so die Gefahr des ungewollten Kaufs von Pelz besteht. Freiwillige Kennzeichnungen der Pelzbranche wertet das EU Parlament als "unzureichend". "Bestehende Siegel der Pelzindustrie wie das Origin Assured Siegel sind aus Tierschutzsicht völlig indiskutabel und finden sich nur bei einem kleinen Teil teurer Produkte. Nach unserer Erfahrung wird Pelzbesatz im Handel uneinheitlich, nicht selten sogar falsch oder gar nicht gekennzeichnet verkauft", so Pietsch.

Nach dem Willen des EU Parlamentes soll die Kommission eine Studie über Gesundheitsgefahren von Stoffen durchführen, die bei der Herstellung oder Verarbeitung von Textilerzeugnissen verwendetet werden. Eine von VIER PFOTEN 2010 durchgeführte Untersuchung von Schadstoffen in Pelzwaren unterstreicht die Notwendigkeit dieses Schrittes: Inbesondere giftiges und allergenes Formaldehyd fand sich in fast allen untersuchten Pelzen in oft hohen Konzentrationen. Pelzkleidung verursacht demzufolge nicht nur weltweit enormes Tierleid, sondern kann auch die Gesundheit des Menschen gefährden. "Die neue EU Verordnung ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber weitere müssen folgen. Der Verbraucher hat auch beim kleinsten Pelzbesatz das Recht auf die ganze Wahrheit über das Produkt", sagt Pietsch.

Quelle: www.tierschutznews.ch



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