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02.07.2010

Glattwale stehen kurz vorm Aussterben

USA - Dramatisches Ergebnis einer Unterwasserzählung: Der Pazifische Nordkaper steht kurz davor auszusterben. Nur noch etwa 30 Exemplare dieser Glattwalart schwimmen durch das Beringmeer - die Lage ist bedrohlicher, als Meeresbiologen bisher dachten.

Der Riese, bis zu 18 Metern lang, taucht in 180 Metern Tiefe. 40 bis 80 Tonnen bringt er auf die Wage, manchmal schwimmt er wie eine versunkene Galeone auf dem Rücken in Kälte und völliger Dunkelheit. Doch möglicherweise wird man dieses majestätische Schauspiel bald nicht mehr beobachten können - denn im Beringmeer schwimmen nur noch 30 Tiere seiner Art. Der vom Aussterben bedrohte Pazifische Nordkaper ist damit weit gefährdeter, als Meeresbiologen bisher dachten. Mit Hilfe von Fotos und genetischen Analysen hat das Forscherteam um Paul Wade von der US-Meeresforschungsbehörde NOAA erstmals den Bestand der extrem seltenen Meeresriesen abgeschätzt. Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" jetzt berichten, könnte es sich bei den 30 Tieren im Beringmeer sogar um die gesamte Nordkaper-Population im östlichen Nordpazifik handeln. Es ist die kleinste Walpopulation der Welt. Das sei ein äusserst bedenklicher Zustand, betonen die Wissenschaftler. Eubalaena japonica, wie die Biologen diese Tierart nennen, steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten derzeit in der zweithöchsten Gefährdungsstufe - die Population im Nordostpazifik sogar auf der höchsten.

Allerdings wissen die Forscher nicht, wie viele Tiere es von der Art insgesamt auf der Welt noch gibt. Denn Bestandsschätzungen sind bei den Meeressäugern grundsätzlich sehr schwierig, da die Tiere die meiste Zeit unter Wasser verbringen. Bei den rund 30 gezählten Nordkapern im Beringmeer handele es sich wahrscheinlich um nur noch acht Weibchen und rund 20 männliche Tiere. Zum Vergleich: Die kleinste zuvor bekannte Population der ebenfalls bedrohten Grauwale liegt bei rund hundert Tieren. Als Population bezeichnen Biologen eine Gruppe von Tieren derselben Art, die in einem gemeinsamen Areal leben. Viele Artenschützer sehen Populationen als entscheidender für das Überleben einer Tierart an als den Gesamtbestand.

Noch Mitte des 20. Jahrhunderts sollen im Nordpazifik mehrere hundert dieser Tiere aus der Familie der Glattwale gelebt haben. Zu den Gründen für das extreme Schrumpfen der Nordkaper-Populationen zählt der unkontrollierte und illegale Walfang. Rund 400 Tiere tötete die damalige Sowjetunion in den sechziger Jahren trotz internationaler Walfangverbote. Und der Ausgang der kürzlich zu Ende gegangenen Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) lässt auch nicht hoffen, dass sich der Bestand erholen wird: Zwar bleibt der Walfang weiterhin verboten - doch der Streit zwischen Befürwortern und Gegnern des Walfangs konnte nicht geschlichtet werden. Länder wie Japan und Norwegen werden Wale unter fadenscheinigen Begründungen weiter harpunieren. Diese Fänge haben den ohnehin langsam wachsenden Bestand stark geschwächt. Nordkaper bringen lediglich alle drei bis vier Jahre ein Kalb zur Welt. In den sechziger Jahren wurden die Kolosse so selten, dass jede einzelne Sichtung der Wale veröffentlicht wurde. Als soziale Gruppe von mehreren Tieren wurden sie erst 1996 wiederentdeckt. Die gute Nachricht ist demzufolge: Der extrem kleine Bestand scheint zumindest langsam zu wachsen.

Quelle: Tierschutznews.ch



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