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14.06.2011

Grosse Unterschiede bei der Tierhaltung in Schweizer Zirkussen

SCHWEIZ – Zum vierten Mal seit 2008 veröffentlicht der Schweizer Tierschutz STS einen Bericht über die Tierhaltung derjenigen Schweizer Zirkusse, die Tiere mitführen und im Programm auftreten lassen. Bewertet wird einerseits die Tierhaltung während der Tournee, andererseits der Umgang mit den Tieren in der Vorführung.

Einige Unternehmen haben bereits einen hohen Standard der Tierhaltung erreicht oder verbessern sich kontinuierlich, andere verstossen aber immer noch gegen die Haltevorschriften der Tierschutzverordnung oder setzen ihre tierischen Artisten unzumutbarem Stress in der Manege aus. Ein Team aus ZoologInnen und VeterinärInnen des STS besuchte zwischen März und Mai 2011 folgende sechs Zirkusunternehmen, die in der diesjährigen Tourneesaison Tiere mitführen: Knie, Nock, Gasser-Olympia, Royal, Harlekin und Stey. Die Grösse und Einrichtung der Tiergehege sowie der Zustand der Tiere wurden eingeschätzt und zudem der Umgang mit den Tieren während der Vorstellungen in die Bewertung mit einbezogen. Der Zirkusbericht zeigt auf, wo einzelne Zirkusse ihre Tiere wenig tierfreundlich halten, ja möglicherweise gar gegen die Tierschutzbestimmungen verstossen, aber auch, welche Tierhaltungen und Shows positiv aufgefallen sind.

Schweizer Nationalzirkus Knie mit Vorbildfunktion

Einmal mehr ist der Zirkus Knie eine Klasse für sich. Die Tierhaltung auf der Tournee entspricht einer modernen Zootierhaltung mit meist mehr als nur tierschutzkonformer Gehegegrösse und -struktur, Gruppenzusammensetzung und Beschäftigung. Die Tiere stammen allesamt aus dem betriebseigenen Zoo Rapperswil, sind gesund und können sich bei Bedarf in ihren Gehegen vor neugierigen Zuschauern zurückziehen. Pferde werden grundsätzlich auf die Weide gelassen. Wildtier-Gehege sind mit Informationstafeln zu Art und Lebensweise ausgestattet. Die Präsentation der Tiere während der Vorführungen geschieht auf eine rücksichtsvolle, stressarme Art und Weise und beruht auf dem natürlichen Verhaltens- und Bewegungsrepertoire der jeweiligen Tierart. Auf das Engagement ausländischer Tiernummern wurde 2011 verzichtet.

Noch viel Verbesserungspotential

 

Bei anderen Zirkussen besteht hingegen noch deutlicher Besserungsbedarf. So macht zum Beispiel der Zirkus Royal noch immer zu oft von der Ausnahmebewilligung gemäss Tierschutzverordnung Gebrauch, wonach Zirkusse deren Minimalstandards nicht an jedem Gastspielort erfüllen müssen. Die Nandus des Zirkus Royal wurden bei den mehrmaligen Besuchen der STS-Expertinnen in sehr kleinen Gehegen und teils ohne Einstreu auf nacktem Asphalt gehalten. Der Zirkus Stey hält Zwergziegen auf knapp 10 m² ohne Schatten, Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten und führt kupierte Hunde mit sich. Bei mehreren Zirkussen fehlten artgemässe Beschäftigungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Sandbäder für Straussenvögel, Suhlen oder Stroh für Schweine oder Klettermöglichkeiten für Ziegen. Ausgesprochene Gruppen- und Lauftiere wie Pferde werden teilweise noch immer einzeln gehalten oder haben keinen oder nur selten Weidegang, selbst wenn die räumlichen Bedingungen dies erlauben würden. Bei Stey wurden die Zwergziegen und ein Pony physisch dazu gezwungen, Übungen in der Manege zu absolvieren, denen sie nicht gewachsen sind, obschon sie eindeutiges Angst- und Abwehrverhalten zeigten. Grosse Fragezeichen müssen hinter Herkunft und Ausbildung mancher Tiere gesetzt werden. Fraglich ist auch das Engagement ausländischer Tiernummern, da diese Tiere oft nicht gemäss schweizerischen Tierschutzstandards gehalten und ausgebildet werden.

Begrüssenswerte Reduktion des mitgeführten Tierbestandes

Grundsätzlich zu begrüssen ist der bei den meisten Schweizer Zirkusunternehmen anhaltende Trend, weniger und dafür besser geeignete Tierarten (Haus- und Nutztiere) auf der Tournee mitzuführen und auf die Präsentation von schwierig zu haltenden Wildtieren wie zum Beispiel Grosskatzen oder Seelöwen zu verzichten.



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