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14.08.2009

Hündin Candy soll eingeschläfert werden

SCHWEIZ – Weil Hündin Candy in eine Rauferei mit einem anderen Hund verwickelt war, wurde sie beschlagnahmt und nach einem Wesenstest für gefährlich befunden. Für das Veterinäramt liegt die einzig logische Konsequenz im Einschläfern der Hündin. Dagegen kämpft Candys Herrchen, denn laut Experten sind die vom Veterinäramt durchgeführten Wesenstests willkürlich.

Phil Untermann versucht verzweifelt, seine Staffordshire-Bullterrier-Hündin wieder zu bekommen. Candy hatte 2008 zusammen mit einem American Staffordshire, der ebenfalls Phil Untermann gehörte, einen Golden Retriever attackiert. Der American Staffordshire wurde damals von einem Passanten, der eingriff, mit einem Sackmesser erstochen. Candy hingegen musste sich einem Wesenstest unterziehen und wurde daraufhin vom Veterinäramt beschlagnahmt. Denn Kantonstierärztin Regula Vogel sah auf Grund des Testergebnisses ein erhebliches, erhöhtes Risiko eines neuerlichen Vorfalls.

Phil Untermann zweifelt jedoch an der Richtigkeit des Testergebnisses, da der deutsche Wesenstest mittlerweile in Frage gestellt wird. In Deutschland wird er nicht mehr verwendet und zwei Spezialisten, die ihn mit entwickelt haben, äussern sich heute kritisch dazu. Auch die Verhaltensforscherin Dorit Urd Feddersen-Petersen relativiert die Aussagekraft des Testes, dieser sei rein subjektiv und nicht wissenschaftlich. Zudem sei die Belastung während des Testes zu gross, da die Tiere während zwei Stunden in rund 35 Situationen geprüft würden. Bullterrier-Züchter Ortlieb Lothary doppelt nach: Die Experten, die für die Tests zuständig seien, hätten vom Verhalten eines Hundes zu wenig Erfahrung.

Untermann liess deshalb ein eigenes Gutachten erstellen und zwar von Hans Schlegel, einem bekannten Polizeihundetrainer und Fachmann für Problemhunde. Dessen Fazit: Candy habe einen ausgeprägten Spieltrieb, sei aber überhaupt nicht aggressiv. Man fragt sich nun, wie es kommt, dass über das selbe Tier zwei so unterschiedliche Meinungen vorliegen. Hans Schlegel erklärt, dass sich sein Vorgehen rein schon darin unterscheidet, dass er eine Anamnese ohne Maulkorb und Leine durchführt, um die wirklichen Schwachstellen zu erkennen. So kommt er zu dem Schluss, dass die Hündin einzig zu wenig erzogen sei. Dies rechtfertige aber in keinster Weise den Tod des Tieres. Vor allem, weil die Hündin niemals einen Menschen angegriffen oder gegen einen Menschen auffällig geworden ist. Letztlich sei sie lediglich in eine Rauferei mit einem anderen Hund verwickelt gewesen, dies mit dem Tode zu bestrafen, sei unverhältnismässig.

Für Hans Schlegel stellt sich grundsätzlich die Frage nach der Willkür im Vorgehen bei bestimmten Rassen. Er verweist auf den Fall einer Passantin, welche vor einigen Wochen von dem Rottweiler eines Polizisten grundlos auf einer Parkbank attackiert wurde. Seiner Meinung nach wäre das eher ein Fall, der genauerer Untersuchung bedürfte. Wenn hingegen jeder raufende Hund eingeschläfert werden müsste, gäbe es bald keine Familienhunde mehr. Denn die Statistik des Veterinäramtes zeige klar auf, dass es gerade die beliebtesten Familienhunde sind, welche die Beissstatistiken anführen: allen voran die Schäferhunde, vor dem Retriever und den Collies. Die sogenannten Kampfhunde folgen erst weiter hinten.

Doch zurück zum Fall Candy. Obwohl der Wesenstest, dem sie unterzogen wurde, nie wissenschaftlich anerkannt worden ist, rechtfertigt ihn Kantonstierärztin Regula Vogel. Es sei der einzige Test, der einen ausreichenden Standardisierungsgrad aufweise. Sie könne nicht nachvollziehen, weshalb der Test in Deutschland nicht mehr durchgeführt würde. Und zur Ausbildung der Experten erklärt sie, dass die Tierärzte unter anderem im Bereich der Verhaltenstherapie und auf rassespezifische Eigenschaften geschult würden.

Eine definitive Antwort, wie es mit Candy weitergeht, wird nun das Bundesgericht geben müssen, Phil Untermann hat den Fall dorthin weiter gezogen.



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