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31.08.2011

In Japan beginnt eine neue Delphin-Treibjagd Saison

JAPAN – Am 1. September beginnt in Japan die Delphintreibjagd, der jährlich mehrere Tausend Grosse Tümmler (Tursiops truncatus) zum Opfer fallen. In Gang gehalten wird das Gemetzel von der Delphinarien-Industrie. Bis zu 180'000 Franken Prämie kassieren die Fischer für die prächtigsten Tiere, die später lebenslang für noch mehr Geld in engen Betonbecken und abgeschlossenen Meeresbuchten Menschen amüsieren und „therapieren“ sollen. Sind die „Showstars“ abtransportiert, wird der Rest der Delphinfamilien mit Schlachterhaken und Messern getötet und zu Dosenfleisch, Düngemittel und Hundefutter verarbeitet.

Die jährlich wiederkehrende Delphin-Treibjagd ist alles andere als nachhaltig. Ganze Delphin-Familien werden getötet, nachdem Vertreter von Delphinarien die schönsten Tiere ausgewählt haben. Das Fleisch der getöteten Tiere gelangt grösstenteils in die menschliche Nahrung. Dies obschon bekannt ist, dass die Tiere stark mit Schadstoffen belastet sind und der Konsum des vergifteten Fleisches alles andere als gesund ist. Aufgrund der Atomkatastrophe in Fukushima muss nun damit gerechnet werden, dass das Fleisch von in Küstengewässern lebenden Delphinen zusätzlich noch mit radioaktivem Cäsium belastet ist.

Als Mahnung an die japanische Regierung findet zeitgleich mit dem Start der Delphin-Treibjagd der Internationale Delphin-Tag statt. Weltweit protestieren Tier- und Umweltschützer – unter ihnen auch OceanCare – bei den japanischen Botschaften und fordern, die Delphin-Treibjagd ein für alle Mal zu stoppen.

Laut OceanCare ist aber auch die Sensibilisierung der Öffentlichkeit wichtig. Wer sich von albernen Kunststücken gefangener Delphine unterhalten lässt, sollte auch wissen, wie die Tiere ins Becken gelangen. Fast alle Show- und „Therapie“-Delphine lebten einst wild und frei im offenen Meer, wo sie brutal gefangen und ihrem Familienverband entrissen wurden. „Der Fang von wilden Delphinen für die Delphinarien-Industrie ist eine Form von Walfang – einfach mit verzögerter Todesfolge für die Tiere, die den Fang und Transport überleben.“ sagt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare und fügt hinzu “Wenn sich die Delphinarien-Besucher bewusst wären, dass Sie mit ihrer sogenannten „Delphinliebe“ den Fang von Delphinen fördern, würde niemand mehr hingehen. Die schwindende Nachfrage nach Show-Delphinen wäre dann auch das Ende der Delphin-Treibjagd.“

Gefangene Delphine verlieren alles

Delphine gehören zu den wandernden Tierarten. Ein Lebensraum von der Grösse und Komplexität des Ozeans kann an Land nicht nachgebildet werden. Jedes Becken ist für Delphine zu klein, zu wenig tief, zu kahl und zu reizlos. Die Tiere verlieren alles: Ihre Bewegungsfreiheit, ihre Familie, die Weite des Ozeans und ihr natürliches Verhalten. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Delphine in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können.  

In Delphinarien sterben Delphine im Schnitt wesentlich früher als wild lebende Artgenossen. Der Dauerstress setzt ihnen zu: Sie leben zusammengepfercht in willkürlich zusammengestellten sozialen Gruppen, müssen ständig die Präsenz von Menschen ertragen und leiden unter dem chemisch aufbereiteten Wasser. “Delphine sind nicht dazu geschaffen, in öden Becken endlose Kreise zu schwimmen und Menschen zu unterhalten. Sie brauchen das komplexe Leben im Ozean“, erklärt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare. «Flippers» vermeintliches Lächeln täuscht viele Besucher über die Qualen hinweg. Doch Delphine  «lächeln»  auch wenn sie leiden oder tot sind – ihre Gesichtsmuskeln sind starr.  

Strafanzeige gegen Schweizer Delphinarium

In der Schweiz gibt es nur noch ein Delphinarium im thurgauischen Connyland, das aktuell fünf Delphine hält. Dessen Tierhaltung steht immer wieder in der Kritik. 2010 erstatteten OceanCare und die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) Strafanzeige gegen die Betreiber des Freizeitparks wegen gravierender Verstösse gegen das Tierschutzgesetz. Doch die Mühlen der Justiz mahlen langsam: Die Strafanzeige ist bis dato hängig. Derweil starb Ende Mai ein weiterer Delphin im Connyland. Traurige Bilanz: In nur drei Jahren sind im Kanton Thurgau 3 erwachsene Delphine und 3 Jungtiere verendet.

Mindestens 50 Delphinarien gibt es heute noch in Europa. Länder wie Spanien oder die Türkei lassen den Bau weiterer solcher Anlagen zu. SLovenien und Zypern haben die Gefangenhaltung von Delphinen landesweit verboten. In mehr als einem Dutzend Europäischen Staaten werden keine Delphine zur Schau gestellt unter anderem England und Luxemburg. OceanCare setzt sich dafür ein, dass die Schweiz diesem Beispiel folgt.  

Jeder Eintritt hält die Industrie in Gang

OceanCare rät dringend vom Besuch von Delphinarien im In- und Ausland ab. Auf dem Buckel der Delphine verdienen Vertreter der Delphinarien-Industrie weltweit Milliardenbeträge. Jedes verkaufte Eintrittsticket verlängert das Leiden der Meeressäuger. Sigrid Lüber ist überzeugt: „Wer Delphine wirklich mag, wird Delphinarien nicht unterstützen. Wir empfehlen Wale und Delphine dort zu beobachten, wo sie hingehören: Auf dem Meer, im Rahmen verantwortlich geführter Whale Watching-Touren.”  

Aktionen zum Internationalen Delphin-Tag am 1. September 2011

OceanCare hat für den Internationalen Delphin-Tag eigens eine vorgedruckte Protestkarte erstellt, die gratis an Protestwillige abgegeben wird. Bereits wurde eine grosse Menge an Karten verteilt und es ist zu rechnen, dass die Japanische Botschaft in Bern diese Tage viel Post erhält.

Themenabend „Delphine – Botschafter der Meere“ ab 18h30 im Hotel Engel, Wädenswil. Präsentation des Films „Die Bucht“ und Diskussion mit Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare und Hans Peter Roth, dem Autor des Buches „Die Bucht“, der selber mehrmals zusammen mit Richard O’Barry vor Ort in Taiji, Japan war.



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