Logo
30.09.2010

Ist die Schweiz «Tierschutz-Weltmeister»?

SCHWEIZ – Die Schweiz rühmt sich des vielleicht besten Tierschutzgesetzes der Welt. In diesem, sowie in der dazugehörenden Tierschutzverordnung, ist festgehalten, dass wir die Würde und das Wohlergehen der Tiere schützen. Dass wir Tierversuche nur durchführen, wenn sie einen effektiven Nutzen für Mensch, Tier oder Umwelt haben, und dass Tierversuche unzulässig sind, wenn sie kaum jemals zu einem Kenntnisgewinn führen.

Im Weiteren steht darin, dass wir Tierversuche auf das sogenannte «unerlässliche» Mass beschränken, und ebenfalls, dass Tierversuche nur durchgeführt werden dürfen, wenn es für diesen Versuch keine tierversuchsfreie Testmethode gibt. Zudem ist festgehalten, dass der Bund eine tierfreundliche wissenschaftliche Forschung unterstützt, und darin insbesondere die Entwicklung, Anerkennung und Anwendung von Methoden, die Tierversuche ersetzen oder reduzieren. Ein gutes Gesetz also, wofür wir uns zu Recht als «Tierschutz-Weltmeister» bezeichnen dürfen?

Die tägliche Anwendung dieses Gesetzes sieht leider anders aus:

Seit dem Jahr 2000 haben die Tierversuche in der Schweiz um 25% zugenommen

44% (311 000 Tierversuche) wurden 2009 in der Grundlagenforschung durchgeführt. Davon wurden mehr als die Hälfte als belastend bis sehr belastend eingestuft. Diese Tierversuche wurden genehmigt, obwohl die Grundlagenforschung eine Forschung ohne absehbaren Nutzen darstellt

Alleine für die in der Schweiz gespritzten «Faltenkiller» (Botox®, Vistabel® und Dysport®) sterben jedes Jahr mehrere tausend Tiere einen grausamen Tod

Auch international anerkannte sogenannte «Alternativmethoden», die den Tierversuch nachweislich 1:1 ersetzen können, werden nicht eingesetzt, da der Tierversuch immer noch als Option erlaubt bleibt. Somit setzen viele Firmen und Universitäten aus Routine, aus Unwissenheit oder aus Angst vor Neuem trotzdem weiterhin Tierversuche ein

Der Bund unterstützt den Schweizerischen Nationalfonds jährlich mit etwa 280 Millionen Franken Steuergeldern für Projekte der medizinischen Forschung. Mit diesen Geldern werden zum grossen Teil Tierversuche finanziert. Demgegenüber beträgt die Unterstützung der Entwicklung tierversuchsfreier Forschungsmethoden weniger als eine Million

Dies sind nur einige wenige Beispiele des Ignorierens des Volkswillens, die aufzeigen, dass von unserem strengen Gesetz in der Praxis nicht mehr viel übrig bleibt.

Weshalb aber herrscht eine so grosse Diskrepanz zwischen dem Tierschutzgesetz und dessen Umsetzung?

Die Politiker, die für die praxisgerechte Umsetzung des Gesetzes zuständig sind, zeigen kaum Interesse am Tierschutz. Denn der Tierschutz hat keine milliardenschwere Lobby, die den Parlamentariern in der Wandelhalle Geschenke verteilt und ihnen dabei die gewünschte Politik einflüstert. Die Wandelhalle ist leider zum Treffpunkt für schmutzige Geschäfte verkommen.

Das Desinteresse der Politiker zeigt sich auch in der Parlamentarischen Gruppe für Tierschutz. Diese wird von Nationalrätin Maya Graf geleitet und setzt sich aus Mitgliedern der beiden Räte sowie aus Vertretern des Tierschutzes zusammen. Letztes Jahr wurde die Gruppe aufgelöst, da meistens nur ein, zwei Politiker an diesen Treffen teilnahmen.

Somit hat der Tierschutz eine seiner letzten – wenn auch schwachen – Stimmen in Bundesbern verloren.  Das schweizerische Volk, das sich dem Tierschutz verpflichtet fühlt, wird somit immer mehr betrogen!

Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, fordert die Politik auf, den Volkswillen zum Tierschutz ernst zu nehmen und das Tierschutzgesetz dementsprechend auch umzusetzen. Tierschutz und wissenschaftlicher Fortschritt schliessen sich nicht aus, im Gegenteil! Innovative, tierversuchsfreie Forschungsmethoden sind ein Fortschritt und nicht ein Ersatz für Tierversuche. Immer mehr wissenschaftliche Studien beweisen, dass der medizinische Fortschritt durch Tierversuche behindert wird. Hingegen könnte man mit tierversuchsfreien, sicheren Testmethoden die Schweiz zu einem weltweit führenden Forschungsstandort gestalten und Krankheiten wirksamer bekämpfen.

Der Welttierschutztag geht auf den heiligen Franziskus von Assisi zurück, der das Tier als lebendiges Geschöpf Gottes und als Bruder des Menschen ansah. Nach seinem Tod wurde der 4. Oktober zum Tag des Gedenkens an diesen grossen Freund der Tiere. An diesem Tag weisen deshalb jedes Jahr weltweit Tierschützer auf die Leiden der Tiere hin.



Benutzer:
Passwort:
Neu registrieren
Passwort vergessen?

Notfälle

Petfinder.ch arbeitet eng mit zwei Tierärztinnen zusammen, die auf die häufigsten Notfälle bei Hunden, Katzen,Pferden und Nagern eingehen.
» mehr 

Heimatlose Tiere suchen ein Zuhause

heimatlose Tiere suchen ein Zuhause - Hunde, Katzen, Nager usw.

Über 1000 heimatlose Tiere suchen bei uns ein neues Zuhause. Tiervermittlung für Hunde, Katzen, Nager und mehr...