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19.06.2010

Keine Spur vom Bündner Bär

SCHWEIZ - Bis am Freitag ist es bei der einen Beobachtung durch einen Kantonspolizisten im Val Müstair geblieben. Der Polizist hatte den Braunbären am Donnerstagmorgen aus einer Distanz von 170 Metern gesehen.

(Symbolbild)

Seither fehlt vom Tier im Bündnerland jede Spur. Dies erstaunt die Bären-Experten nicht weiter. Zum einen wollte das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden den Bären in Ruhe lassen: «Wir lassen den Bären Bär sein, solange er keine grossen Schäden anrichtet», sagte Jagdinspektor Georg Brosi. Zum anderen erwartet Brosi, dass man den Bären den Sommer über nur etwa alle vierzehn Tage sichten werde. Bären gingen normalerweise auf weiten Gebieten auf Entdeckungstour; häufiger sichtbar würden sie erst, sobald sie sich oberhalb der Waldgrenze aufhielten, sagte Brosi.

Bereits kurz nach der Beobachtung informierten die Bündner Behörden auch das Bundesamt für Umwelt. Seither stehen sie in stetem Kontakt mit dessen Chef der Sektion Jagd und Wildtiere, Reinhard Schnidrig, wie das im «Konzept Bär» vorgesehen ist. Laut Schnidrig war der Braunbär bereits seit mehreren Tagen an der italienischen Grenze gesehen worden. Dort seien auch Haare gefunden worden, die vermutlich von dem Tier stammen. Diese können beispielsweise an Bäumen hängen bleiben, an denen sich der Bär gerieben hat. Die italienischen Behörden werten nun in Bologna die DNA aus. Allenfalls lassen sich das Alter und das Geschlecht des Tieres bestimmen. Möglicherweise lässt sich auch feststellen, von welcher Bärenfamilie aus dem Wiederansiedlungsprojekt im Trentino es abstammt.

Man müsse zunächst beobachten, wie sich das Tier in der Kulturlandschaft verhalte, sagte Schnidrig. Offenbar hat es in Italien bereits einzelne Schafe gerissen. Diese Gefahr bestehe aber nur, wenn die Herde nicht durch Hirten oder Hunde bewacht werde. Im Kanton Graubünden wurden mehrere Sofortmassnahmen ergriffen, auch aufgrund der Erfahrungen mit dem früheren Auftreten von Bären. Dazu gehört, dass die Abfallkübel an den Passstrassen durch «bärensichere» Modelle ersetzt wurden. Dies kann verhindern, dass der Bär an essbare Abfälle herankommt und die Gerüche von Menschen mit Futter verbindet.

Futterquellen unterbinden

Der geschickte Umgang mit potenziellen Nahrungsquellen sei die zentrale Herausforderung, die man unbedingt gleich zu Beginn angehen müsse, sagte Schnidrig. «Sobald das Tier erwartet, in Menschennähe Futter zu finden, wird es gefährlich», sagte Schnidrig. Dies war beim Bären «JJ3» der Fall. Das Tier war ursprünglich gefüttert worden, und auch seine Mutter Jurka war ein gefüttertes Tier gewesen. Weil sich «JJ3» oft in bewohnten Gebieten herumgetrieben hatte, wurde er im April 2008 erlegt.

Quelle: Tierschutznews.ch