Logo
16.01.2014

Kormorane: schlechter Ruf nicht gerechtfertigt

Kormorane geniessen bei Fischern keinen guten Ruf. Doch eine neue Studie zeigt nun, dass die Vögel zu Unrecht einen schlechten Ruf haben. Der Kormoran fügt den Fischern weniger Schäden zu, als ihm oft vorgeworfen wird. Zu diesem Schluss kommen eine Untersuchung auf dem Neuenburgersee und ein Experiment im Tierpark Goldau.

Der Kormoran brütet erst seit 2001 in der Schweiz. Die Zahl der Brutpaare ist seither auf rund 1000 gestiegen. Da die schwarzen Raubvögel intelligent sind und täglich bis zu 500 Gramm Fisch verspeisen, verschärften sich die Konflikte mit den Fischern. Sie seien zum Buhmann für kaputte Netze geworden, sagte Tierpark-Direktorin Anna Baumann am Dienstag. Der Kormoran ist nach dem Bundesjagdgesetz jagdbar, jedes Jahr werden etwa 1'000 Kormorane erlegt.

Das Bundesamt für Umwelt wollte deshalb genau wissen, wie gross die Schäden sind, die der Kormoran in den Fischnetzen anrichtet. Es beauftragte die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW mit Untersuchungen.

Vogelscheuchen auf dem See

Die ZHAW versuchte auf dem Neuenburgersee, wo eine der grossen Kormorankolonien lebt, mit Vogelscheuchen, toten Vögeln und Petarden den Raubvogel von den Netzen zu verscheuchen.

Die Wirksamkeit dieser Massnahme blieb aber offen. Die Schäden an den Kontrollnetzen seien kaum grösser gewesen, sagte ZHAW-Professor Roland Graf.

Die ZHAW untersuchte darauf auf dem Neuenburgersee die durch Kormorane verursachten Schäden an Fangnetzen und Reusen sowie die Verletzungen an gefangenen Fischen. Sie kam zum Schluss, dass der Schaden, den die Kormorane verursachen, nur wenige Prozent des Werts des Gesamtfangs beträgt.

Netz im Parkteich ausgelegt

Mit einem Experiment im Tierpark Goldau wurde zudem das Verhalten der Kormorane an den Netzen aufgezeigt. Auf dem Waldweiher, an dem auch Kormorane leben, wurde ein Netz installiert und täglich mit Fischen bestückt. Der Test zeigte, dass pro entnommenen Fisch im Mittel 1,5 Löcher im Netz entstanden. Hole ein Kormoran einen Fisch aus dem Netz, so gebe es an diesem fast immer ein Loch, sagte Graf.

Dies bedeutete für die Forscher, dass sie die Schadenssituation auf dem Neuenburgersee richtig eingeschätzt hatten. Hätten die Kormorane mehr Fische aus den Netzen geholt, hätte es auch bedeutend mehr Schäden an den Netzen gegeben.

Die Schäden seien somit geringer als vermutet, sagte Graf. Er wies aber auch darauf hin, dass die Ergebnisse eine Momentaufnahme der Zustände auf dem Neuenburgersee seien und nicht beliebig auf andere Seen übertragen werden könnten. Eine Rolle spielen können etwa der Beifang oder die Seetiefe. Zudem sind Kormorane intelligent.

Für den Tierpark Goldau bedeutet das Ergebnis, dass der Ruf des Kormorans zu Unrecht schlecht sei. Die Zusammenhänge in der Natur seien vielfältig. Werde deren Gleichgewicht gestört, könne es nur sehr schwer durch Regulationsmassnahmen wieder ins Lot gebracht werden. Auf voreilige Eingriffe solle deshalb verzichtet werden.



Benutzer:
Passwort:
Neu registrieren
Passwort vergessen?

Notfälle

Petfinder.ch arbeitet eng mit zwei Tierärztinnen zusammen, die auf die häufigsten Notfälle bei Hunden, Katzen,Pferden und Nagern eingehen.
» mehr 

Heimatlose Tiere suchen ein Zuhause

heimatlose Tiere suchen ein Zuhause - Hunde, Katzen, Nager usw.

Über 1000 heimatlose Tiere suchen bei uns ein neues Zuhause. Tiervermittlung für Hunde, Katzen, Nager und mehr...