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21.12.2010

Mafia bewacht japanische Delfinfänge – Delfinfreikauf gescheitert

JAPAN – Jedes Jahr zwischen September und März schlachten japanische Fischer rund 20.000 Delfine und Kleinwale in den Küstengewässern Japans. Allein im Ort Taiji fallen rund 2.300 der intelligenten Meeressäuger dem Gemetzel zum Opfer. Andreas Morlok, Geschäftsführer der Meeresschutz-Organisation ProWal und Kuratoriumsmitglied des Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) kehrte vor wenigen Tagen aus Taiji zurück. Er bot den japanischen Fischern vor Ort im Rahmen seiner Delfinschutz-Aktion 100.000 Yen (rund 1.000 Euro) für das Überleben eines Delfins – jedoch ohne Erfolg.

Delphin

Zwölf Treibjagdboote jagen die Delfine durch Schlagen auf Metallstangen in eine versteckte Bucht und kesseln sie dort ein. Ganze Delfinschulen mit Babys werden abgestochen oder grausam ertränkt. Immer wieder suchen die Meeressäuger im blutgetränkten Wasser Kontakt zu ihren Familienangehörigen. Für etwa 450 Euro Fischerlohn landet das Delfinfleisch in vielen japanischen Restaurants und Supermärkten im ganzen Land.

Morlok über die Brutalität der Delfinfischer: „Mehrere Netzbarrikaden verhindern jede Fluchtmöglichkeit der intelligenten Tiere. Auf Booten und im Wasser schwimmend suchen Delfintrainer die schönsten weiblichen Jungtiere aus. „Daumen hoch“ ist das Zeichen für lebenslange Gefangenschaft in trostlosen Delfinarien. An Booten festgebunden werden sie in kleine Hafengehege geschleppt. Der Rest wird ans Ufer getrieben und von den Schlächtern mit Messern und Haken erwartet. Babys schreien nach ihren Müttern und werden ebenso abgestochen.“ Morlok weiter: „ Jeder meiner Schritte wurde von der Polizei, der Mafia und Fischern verfolgt. Seit diesen schockierenden Bildern finde ich nachts kaum Schlaf und hoffe täglich auf schlechtes Wetter in Taiji, denn dann bleiben die Treibjagdboote im Hafen.“

Der Tierschützer war geschockt. Nach den Bildern der brutalen Treibjagden im Fernsehen und Internet hatte er sich auf das Schlimmste gefasst gemacht. Aber die Realität vor Ort schildert er als weitaus schrecklicher: „Die Delfintreibjagden, das Aussortieren der Delfine für Aquarien und das Abschlachten der restlichen Familienmitglieder selbst mitzuerleben war das Allerschlimmste was ich in meinem Leben verkraften musste. Das sind unvorstellbare Situationen. Man kann nicht eingreifen und helfen. Wer nicht einigermassen gefestigt ist, kann an solchen Erlebnissen zerbrechen.“

Die Abschlachtungen selbst konnte der Delfinschützer nicht verhindern, weil er sonst im Gefängnis gelandet wäre. Auf Schritt und Tritt wurde er von der Polizei begleitet und fotografiert. „Die Lebendfänge werden von der Mafia bewacht und delegiert“, so Morlok. Immerhin erzielt ein antrainierter Show-Delfin bis zu 150.000 Dollar. „Selbst die Polizeipräsenz schützte nicht vor verbalen Morddrohungen der Mafia“, sagt der Delfinschützer.

Die Fischer denen er rund 1000 Euro für die Freilassung eines Delfins anbot, winkten nur ab. Die Hintermänner verschiedener Mafia-Clans haben dort das Sagen. Sie entscheiden was passiert, welche antrainierten Show-Delfine bei regelrechten Auktionen hinter versteckten Kulissen im angrenzenden Taiji-Walmuseum exportiert werden und zu welchem Preis. Die japanischen Behörden stellen ohne Vorbehalte die Exportpapiere aus. Dabei verteilen sie freizügig die erforderlichen CITES-Unterlagen, die das Washingtoner Artenschutzabkommen für den Handel vorschreibt. Eine Bestätigung der ordnungsgemässen Unterbringung in einem Delfinarium des jeweiligen Importeurs reicht vollkommen aus. Einige der Delfine landeten in Delfinarien an der türkischen Riviera. Deutsche Reiseveranstalter haben sich inzwischen dem intensiven Druck von WDSF und ProWal gebeugt und bieten die Delfinarien nicht mehr in ihrem Programm an.

Aber es gibt offenbar immer noch genügend Delfinarien in der Welt, die gefangene Delfine aufnehmen, zumal die Nachzuchten nicht nachhaltig sind. Wüssten die Besucher über die grausamen Hintergründe, würden sie sich vielleicht dreimal überlegen, ob sie überhaupt noch ein Delfinarium besuchen. Das ist auch die Hoffnung der Aktivisten von ProWal und des WDSF. Trotzdem würde das Abschlachten wohl nicht aufhören, so Andreas Morlok, da das Delfinfleisch in ganz Japan zum Verzehr angeboten würde.

In Zusammenarbeit mit der neu gegründeten Stiftung SAVE Wildlife Conservation Fund, die auch die jetzige Aktion in Japan massgeblich finanziell unterstützte, wollen die Organisationen japanische Wirtschaftsunternehmen motovieren, sich vom Delfin- und Walfang im Heimatland zu distanzieren. Lars Gorschlüter, Vorsitzender der SAVE-Stiftung: “Die weltweiten öffentlichen Proteste werden lauter, doch wir sind erst dann am Ziel, wenn wir dieser brutalen Treibjagd ein Ende gesetzt haben.“

WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller: „Die gefährlichen Recherchen durch Andreas Morlok offenbaren jetzt viel mehr japanische Delfinfang-Details als jemals bekannt wurden. Wir konnten umfangreiches Film- und Fotomaterial erstellen. Daraus werden wir über bisher unbekannte Delfinausbildungscamps auch weit ausserhalb von Taiji berichten. Im Taiji-Walmuseum wurden besondere Begegnungen zwischen Delfinen und Delfinschützern dokumentiert, die unter die Haut gehen.“



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