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25.08.2011

Millionen Tiere können vor Tierversuchen gerettet werden

SCHWEIZ – In «Rekordzeit» von vier Jahren hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine neue Richtlinie zur Prüfung von Chemikalien anerkannt. Dadurch müssen Chemikalien nicht mehr an mehreren Generationen von Tieren getestet werden, was zu einer deutlichen Reduktion von Tierversuchen führt. Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner (AG STG) fordert die Schweizer Regierung auf, diese Richtlinie so schnell wie möglich umzusetzen und gleichzeitig die entsprechenden Tierversuche zu verbieten.

Die Überprüfung möglicher schädlicher Wirkungen von Chemikalien auf Menschen ist international vorgeschrieben. Dabei gibt die OECD ihren Mitgliedsstaaten (die Schweiz ist Gründungsmitglied) Richtlinien zur gegenseitigen Anerkennung von Testmethoden vor. Die neue Testvorschrift steht nun weltweit Firmen und Behörden zur sofortigen Anwendung zur Verfügung. Nun gilt es, diese neue Richtlinie möglichst schnell national umzusetzen.

«Die Schweiz gehörte in den vergangenen Jahren leider öfters  zu praktisch den letzten Ländern, die (medizinisch) innovative und zukunftsorientierte Forschungs- und Testmethoden zulassen und umsetzen», so Andreas Item, Geschäftsführer der AG STG. «Dieses verhaltene Vorgehen ist ethisch inakzeptabel und schadet dem Forschungsstandort Schweiz. Je früher Firmen innovative, schnelle und kostengünstige Testmethoden einsetzen können, umso mehr gewinnen sie dadurch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Konkurrenten.»

Gegenwärtig werden für die Testung einer chemischen Substanz auf ihre Schädlichkeit bei Nachkommen bis zu 2600 Tierversuche durchgeführt. Sehr viele Tiere werden dabei insbesondere für die Zwei-Generationen-Studie verbraucht. Bei dieser wird den Tieren während Trächtigkeit und Säugezeit die Substanz täglich in den Magen gepumpt. Dasselbe danach ebenfalls ihren Jungen, bis diese selbst Junge haben und diese abgestillt sind. Mit der neuen Testvorschrift wird auf die Tierversuche an der zweiten Generation verzichtet. Dadurch müssen nach Angaben der Ärzte gegen Tierversuche e.V. pro Substanz bis zu 1400 Tiere weniger leiden und sterben. Somit können insgesamt mehrere Millionen Tierversuche eingespart werden.

Es dauerte vier Jahre, bis die OECD die neue Ein-Generationen-Reproduktionsgiftigkeitsstudie anerkannt hat. Normalerweise dauert dies bis zu 15 Jahre. Die beschleunigte Anerkennung wurde massgeblich von Tierversuchsgegnern, darunter ICAPO, einem weltweiten Zusammenschluss von Tierschutzorganisationen, vorangetrieben.

Der Zwei-Generationen-Test wird von Tierversuchsgegnern schon lange als wissenschaftlich überflüssig und ethisch inakzeptabel kritisiert.

Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, fordert die Schweizer Regierung auf, Tierschutz und Wissenschaft Rechnung zu tragen und diese neue Richtlinie so schnell wie möglich zu akzeptieren und umzusetzen. Die AG STG hofft, dass die Schweiz zum Nutzen für Wissenschaft und Tierschutz in Zukunft mutiger handeln wird.

Ebenfalls fordert die AG STG mit der Umsetzung dieser Testvorschrift gleichzeitig ein Verbot der bisher angewandten Tierversuche.