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22.09.2010

Neue Menschenaffen-Art entdeckt

Im Dschungel Südostasiens haben deutsche Forscher eine neue Menschenaffenart entdeckt. Es handelt sich um eine bisher unbekannte Gibbonart. Auf die Spur kamen die Wissenschaftler den Tieren wegen des besonderen Gesangs.

Bild: Sancassania

Schliesslich hätten Untersuchungen des Erbmaterials ergeben, dass die im schwer zugänglichen Bergland zwischen Vietnam, Laos und Kambodscha lebenden nördlichen Gelbwangen-Schopfgibbons (Nomascus annamensis, siehe Bild) sich von anderen Gibbonarten unterscheiden. Gibbons werden als Kleine Menschenaffen bezeichnet, während Orang-Utan, Gorilla, Schimpanse und Bonobo die Gruppe der Grossen Menschenaffen bilden.

Die Entdeckung ist eine kleine Sensation. Dass diese sehr seltene Gibbon-Art der Wissenschaft bisher unbekannt geblieben war, erklärt die nur sehr schwer zugänglich Bergregion, in der die Tier leben. Zudem halten sich die Affen nahezu ausschliesslich in den Wipfeln hoher Bäume auf. Charakteristisch für Gibbons sind ihre langen Arme und die Fähigkeit, sich mit weiten Schwüngen präzise durch höchste Baumwipfel zu hangeln. Mit der Neuentdeckung sind jetzt sieben Gibbonarten bekannt. Auf die Spur der neuen Art kamen die Forscher durch den besonderen Gesang der Tiere, der vermutlich der Territorialverteidigung dient und ein Vorläufer der menschlichen Musik sein könnte. Die Analyse der Ton-Frequenz und der Tongeschwindigkeit habe gezeigt, dass es sich um eine eigene Art handle.

Dies haben auch genetische Untersuchungen an Ausscheidungen der Tiere belegt. Die Anzahl der Individuen des Nördlichen Gelbwangen-Schopfgibbons schätzt er auf etwa 100. Er ist damit ähnlich stark bedroht wie die anderen Schopfgibbon-Arten in Südostasien. Grund hierfür ist die illegale Jagd. Gibbons werden als Haustiere gehalten, gegessen und zu traditioneller Medizin verarbeitet. Eine grosse Bedrohung ist auch der Verlust des Lebensraumes durch Rodungen oder den Abbau von Bodenschätzen. Als seltenste Affenart weltweit gilt der Hainan-Schopfgibbon, von dem es nur noch etwa 20 Individuen gibt.