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05.09.2010

Ökologen fürchten Krill-Rückgänge

DEUTSCHLAND - Antarktischer Krill spielt in der Nahrungskette eine wichtige Rolle, denn er ist Nahrung für zahlreiche andere Lebewesen. Experten gehen davon aus, dass Krill aufgrund der riesigen Menge zu den grössten Proteinquellen der Erde zählt. Nun warnen Ökologen davor, dass der Druck der globalen Fischindustrie dem nur sechs Zentimeter grossen Krill stark zusetzen könnte.

"Krill spielt in der weltweiten Aquakultur eine immer grössere Rolle", so Meeresbiologe Volker Siegel vom Hamburger Institut für Seefischerei. Fischmehl aus Krill ist hochwertiger als jenes, das aus anderen Fischen gewonnen wird. Siegel schätzt das Gesamtvolumen des weltweiten Krills auf etwa 60 Mio. Tonnen. "Es gibt jedoch grosse Verbreitungsschwankungen. In den Gewässern um die Südshetland-Inseln ist die Dichte an Krill besonders hoch."

Wichtiger Bestandteil der Nahrungskette unter Druck

Das Übereinkommen über die Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis (CCAMLR) hat die jährliche Fangmenge des Krills mit 3,47 Mio. Tonnen festgelegt. Derzeit werden rund 150.000 Tonnen gefischt. "Das grösste Problem dabei ist, dass die tatsächliche Krill-Fischerei nur ein relativ kleines Fanggebiet im Südwest-Atlantik umfasst. Dort kann es daher zu einem überproportionalen Rückgang von Krill kommen", erklärt der Experte. "Der Antarktische Krill (Euphausia superba) kann bis zu sechs Jahre alt werden und wird erst mit zwei bis drei Jahren geschlechtsreif", erklärt Siegel. Das mache ihn anfälliger gegen Überfischung als bisher angenommen. Die Klimaänderung ist ein zweites Problem für die kleinen Krebstierchen, die zum Überleben das kalte Wasser und die Eisschollen brauchen. Daten deuten daraufhin, dass die Meeres-Erwärmung in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Abnahme der Bestände geführt hat.

Kritik am Nachhaltigkeits-Zertifikat

Kritik an der Krill-Fischerei richtet sich vor allem gegen die norwegischen Aker Biomarine Fischereigesellschaft, die sich auf Krill in der Antarktis spezialisiert hat. Für die Aquakulturen - vor allem in der Lachszucht - hatte das Unternehmen 2009 rund 6.200 Tonnen Krill gefangen. In den ersten sechs Monaten 2010 stieg die Menge auf 8.600 Tonnen an. Umweltschützer kritisieren nun, dass das Unternehmen im Mai das Marine Stewardship Council (MSC) Zertifikat für nachhaltige Fischerei bekommen hat. Mitglieder der Pew Environment finden die Jagd nach Krill für die Herstellung von Fischmehl für Aquakulturen als nicht zertifizierbar. Für Siegel ist das eine politische Frage: "Bei der MSC-Zertifizierung geht es darum, in welchem Zustand die Gesamtbestände sind und ob diese gesichert bzw. gut gemanagt sind oder nicht." Siegel sieht einen Ausweg darin, dass in bestimmten Zonen Krill-Fischerei in kleinem Rahmen erlaubt werden sollte. "Das wäre wesentlich klüger als ein ozean-weites Limit", erklärt der Experte.

Quelle: Tierschutznews.ch



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