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02.03.2013

Ohne Wildbienen brechen die Ernten ein

SCHWEIZ – Bisher ging man davon aus, dass die Arbeit der Honigbienen genügt, um Nutzpflanzen optimal zu bestäuben. Dem ist nicht so: Ohne Wildbienen und andere Insekten sinken die Erträge der Landwirtschaft.

Bild: Wikipedia/Christian Fischer

Ein grosses internationales Forscherteam mit Schweizer Beteiligung räumt mit der Vorstellung auf, dass Honigbienen alleine die Bestäubung von Pflanzen sicherstellen. Wildlebende Bienen und andere Insekten scheinen eine weitaus grössere Bedeutung zu haben.

Bienensterben

Rund 50 Wissenschaftler hatten weltweit etwa 600 Anbauflächen entweder selbst unter die Lupe genommen oder vorliegende Studien darüber ausgewertet. Dabei untersuchten sie, ob die Honigbiene allein die Bestäubung von Mais, Raps, Obstbäumen und Co. gewährleisten kann oder ob auch andere Insekten eine Rolle spielen.

Die Resultate waren in allen untersuchten Anbausystemen eindeutig: «Egal, wie viele Honigbienen in einem Feld sind, der Ertrag wird immer gesteigert, wenn wildlebende Insekten an der Bestäubung beteiligt sind», sagte Mitautor Christof Schüepp von der Uni Bern der Nachrichtenagentur SDA.

Denn die wildlebenden Bestäuber wie Wildbienen oder Schwebfliegen sind effizienter: Wenn sie gleich viele Blüten besuchen wie Honigbienen, verdoppelt sich der Fruchtansatz, also der Anteil der Blüten, die zu Früchten werden, wie die Forscher online im Fachmagazin «Science» berichten.

«Erträge können nur dann maximiert werden, wenn auch wildlebende Insekten im Feld vorkommen», lautet Schüepps Fazit. Er hat zur Studie Daten zur Bestäubung von Kirschblüten im Berner Mittelland beigetragen.

Maximale Erträge nur mit Wildbienen

Honigbienen werden häufig als Ersatz für wildlebende Insekten betrachtet. Die Studie zeigt, dass dies nicht zutrifft: «Wir würden ohne die wilden Bestäuber einen substanziellen Teil der Ernte verlieren», betonte Mitautor Jaboury Ghazoul von der ETH Zürich, der die Bestäubung von Kaffeeplantagen in Indien erforscht, in einer Mitteilung der Hochschule.

Auch die Artenvielfalt fiel ins Gewicht: Je artenreicher die Bestäuber in einem Anbausystem waren, desto grösser war der Fruchtansatz. Auch hier fanden die Forschenden heraus, dass dies unabhängig davon ist, wie häufig Honigbienen Blüten aufsuchten, wie die ETH schreibt.

Ghazouls Sorge gilt denn auch der Insektenvielfalt und weniger der Honigbiene. «In Europa gingen in den vergangenen Jahrzehnten viele natürliche und halbnatürliche Lebensräume von bestäubenden Insekten verloren», sagte er.

Drei Viertel der Nutzpflanzen weltweit müssen obligatorisch von Insekten bestäubt werden. «Die Studie ist ein Appell an Forscher, Politiker und Landwirte, Wege zu suchen, um die wildlebenden Bestäuber in der Agrarlandschaft zu fördern», sagte Schüepp. Denn die Landwirtschaft käme nicht ohne sie aus.



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