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10.01.2014

Ohne Wolf und Co. kollabiert das Ökosystem

Die grossen Beutegreifer fehlen. Ihr Rückgang hat einer Studie zufolge weit grössere Umweltauswirkungen als bislang vermutet. Der Schwund dieser Tiere gefährde den Artenreichtum von Vögeln, Säugetieren und Wirbellosen und habe auch Folgen für Vegetation, Landwirtschaft und sogar für den Klimawandel. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Science".

Um die Ausrottung der grossen Beutegreifer und die damit einhergehenden Folgen zu verhindern, regen die Wissenschaftler eine globale Initiative zum Schutz der Tiere an.

Mehr als die Hälfte der 31 grössten Beutegreifer sind in der Roten Liste der bedrohten Arten als gefährdet eingestuft, schreiben die Forscher um William Ripple von der Oregon State University (Corvallis/US-Staat Oregon). Die Populationen von 75 Prozent dieser Arten schrumpften, ebenso wie ihre Lebensräume. Um die Situation konkreter zu erfassen, konzentrierten sich die Forscher auf sieben grosse Beutegreifer: Löwe, Dingo, Puma, Leopard, Luchs, Wolf und Seeotter. Aus verfügbaren Daten ermittelten sie, wie sich ein Verschwinden der Tiere auf ihre jeweiligen Ökosysteme auswirkt.

Meist seien die Folgen weithin spür- und sichtbar, berichten sie. So seien in Westafrika mit dem Rückgang von Löwen und Leoparden die Bestände der Anubispaviane stark angewachsen. Daraufhin schrumpften die Populationen kleiner Paarhufer und Primaten, die von Pavianen gefressen werden. Ausserdem bedrohten Pavian-Horden Farmtiere und machten sich über Feldfrüchte her. In den Gewässern von Südost-Alaska führte der Rückgang von Seeottern zu einem starken Anstieg der Zahl von Seeigeln, die dann die Kelpwälder abweideten, schreiben die Forscher. Ähnliches lasse sich beim Verschwinden von Wölfen in vielen Erdregionen beobachten: Die Zahl von Elchen und anderen Hirschen, die viele Pflanzen fressen, steigt infolgedessen an. Der Rückzug der Vegetation wirkt sich wiederum auf Vögel oder kleinere Säugetiere in dem Ökosystem aus.

Zumindest in einigen Fällen seien die Veränderungen umkehrbar, berichten die Forscher. Im Yellowstone-Nationalpark hätten sich einige Bereiche nach der Wiedereinführung der Wölfe rasch erholt. "Ich bin beeindruckt, wie widerstandsfähig das Yellowstone-Ökosystem ist", kommentiert Ripple.

Globale Initiative zum Schutz der Tiere

Neben dem Klimawandel sei das Verschwinden der grossen Beutegreifer einer der bedeutendsten Einflüsse des Menschen auf die Natur – allerdings ohne vergleichbare Beachtung der Öffentlichkeit zu finden. Daher schlagen die Forscher eine globale Initiative zum Schutz der Tiere vor. Ein Ziel davon sei, Akzeptanz und Toleranz der Menschen für die grossen Beutegreifer zu gewinnen. "Wir sagen, dass diese Tiere ein Recht haben zu leben, aber sie haben auch einen ökonomischen und ökologischen Wert, den Menschen schätzen", betont Ripple. Allein dem Yellowstone-Nationalpark bringe der Wolf-Tourismus jährlich 22 bis 48 Millionen US-Dollar, betonen die Wissenschaftler.

Selbst auf den Klimawandel hätten grosse Beutegreifer in einigen Ökosystemen positiven Einfluss: Sie halten Pflanzenfresser in Schach, so dass die Vegetation besser gedeihen und Kohlendioxid einlagern kann.

 



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