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22.08.2011

Schweden stoppt umstrittene Jagd auf Wölfe

SCHWEDEN – Der Verstoss gegen die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU zum Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen war eindeutig. Angesichts der Drohung, das vom EU-Gericht auch schriftlich bestätigt zu bekommen, gab Stockholm nun klein bei und stoppt die umstrittene Jagd auf Wölfe.

Nach 45 jagdfreien Jahren hatte man im Winter 2010 auf Druck der Jagdlobby diese wieder aufgenommen. Obwohl der instabile Wolfsbestand im Land mit derzeit rund 200 bis 250 Tieren bedroht ist.

Vertreter der drei Naturschutzvereinigungen, die Stockholm wegen der Wolfsjagd bei der EU-Kommission angezeigt hatten, begrüssten den jetzigen Schritt. Nun sei es auch Zeit, dass Umweltminister Andreas Carlgren zurücktrete, hiess es. Der Minister hatte die Auffassung vertreten, die Jagd sei eine nationale Angelegenheit Schwedens, in die sich die EU nicht einzumischen habe. Seine Forderung, «lokale und regionale Belange» müssten ausschlaggebend sein, traf sich mit den Wünschen der vorwiegend ländlichen Wählerschaft seiner Zentrumspartei. Für Schwedens JägerInnen hatte sich die Wolfsjagd zu einem ebenso populären wie makabren Spektakel entwickelt: 2010 hatten sich 12'000 Jäger für die Jagd auf 27 Wölfe angemeldet, im vergangenen Jahr fast 6'900 für 20 zum Abschuss freigegebene Tiere.

 

Dabei fehlte es Stockholm an Argumenten für die Jagd. Von der EU-Kommission zu einer Begründung aufgefordert, reichte die Regierung drei Mal das gleiche Papier ein, nach dem mit der Jagd angeblich die «Akzeptanz» von Wölfen in der Bevölkerung steigen werde. Brüssel hatte dies bereits beim ersten Mal als irrelevant abgewiesen.

Viel friedlicher wird es wohl nicht

Viel friedlicher wird es für Schwedens Wölfe trotz des Jagdstopps vermutlich nicht werden. Die «Schutzjagd» einzelner Tiere, die «Unannehmlichkeiten» für Mensch oder Haustier hervorrufen können, lässt auch die Habitat-Richtlinie zu. Landwirtschaftsminister Eskil Erlandsson kündigte bereits an, man werde nun eben in der Praxis die Gründe für solche Schutzjagd erweitern. In Zukunft werde diese nicht nur Einzelexemplare, sondern Rudel umfassen. Und Schweden, das sich sonst als Anwalt des Schutzes der biologischen Vielfalt geriert, fordert von der EU eine «Reform» der Naturschutzrichtlinie, damit Regierungen mehr Rücksicht auf lokale Belange und durch den Raubtierbestand ausgelöste Konflikte nehmen könnten.

Dabei sind nicht die legale Jagd, sondern neben dem Autoverkehr vor allem die Wilderei die eigentliche Bedrohung für Schwedens wenige Wölfe. Nach einer in dieser Woche veröffentlichten Studie geht die Mehrzahl aller getöteten Wölfe auf deren Konto. Ohne Wilderei wäre der Wolfsbestand mit 1'000 Tieren mittlerweile viermal so hoch. Und Umweltschützer befürchten, dass «Abknallen, vergraben und den Mund halten» – so der Titel der Wildereistudie – nach dem jetzigen Jagdstoppbeschluss noch zunehmen wird.

Quelle: www.tierschutznews.ch



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