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24.01.2012

Schweizer wollen keine Tierversuche an Hunden

SCHWEIZ – Eine repräsentative Meinungsumfrage der „Ärztinnen und Ärzte für Tierschutz in der Medizin“ hat dies ergeben. Dies stehe in krassem Gegensatz zum weit verbreiteten Gebrauch des Hundes als Versuchstier, schreibt die Organisation in einer Medienmitteilung. Die Ärzte für Tierschutz fordern deshalb, dass der Volkswille anerkannt wird und Forschung wie auch Politik diesen umsetzen.

70% aller Schweizer wollen laut der Umfrage keine Tierversuche an Hunden, um vielleicht Krankheiten bei Hunden besser behandeln zu können. 65% aller Schweizer wollen nicht mal Tierversuche an Hunden, um vielleicht Krankheiten des Menschen besser behandeln zu können. Und 79% aller Schweizer wollen keine belastenden Hundeversuche, um die Giftigkeit von Stoffen wie beispielsweise Pestiziden besser einschätzen zu können.

Trotzdem finden in der Schweiz viele Tierversuche an Hunden statt, bei denen diese mittelschwer bis schwer leiden. 3102 Tierversuche mit Hunden gab es in der Schweiz im Jahr 2010. Hierunter finden sich auch einige harmlosere, wie Blutentnahmen oder Gewebsproben. Es bleiben aber dennoch 278 Versuche mit mittelschwerem und 6 Versuche mit sehr schwerem Leiden für den Hund.

21’315 Tierversuche an Hunden gab es in der EU im Jahr 2008. 72’000 Tierversuche an Hunden gab es in den USA im Jahr 2007.

Tierversuche an Hunden für Hunde

Dass sich unter diesen Tierversuchen an Hunden auch einige befinden, die selbst aus medizinischer Sicht unnötig sind, zeigt ein von den Ärztinnen und Ärzten für Tierschutz in der Medizin ausführlich dargestellter Fall an der Parasitologie des Tierspitals Zürich. Dort wurden in dem von uns kritisierten Vorversuch 6 Beagles, letztlich aber mindestens 56 Hunde, mit Parasiten infiziert und schliesslich getötet. Der Fall wurde vom Tages-Anzeiger und Tele Züri aufgegriffen, mit grossem Echo der Leserschaft.

Die Ärzte für Tierschutz schreiben denn auch: „Umso alarmierender ist, dass die neue Umfrage zeigt, dass diese medizinisch umstrittene Forschung nicht mal von den Hundehaltern gewünscht wird, dem eigentlich profitierenden Zielpublikum! Nur gerade 7% (!) der Hundehalter wünschen Forschung an Hunden für Hunde, geschweige denn, wenn diese Forschung medizinisch umstritten und aus unserer Sicht völlig vermeidbar ist!“

Das sei ein klarer Auftrag der Bevölkerung Tierversuche an Hunden für Hunde zukünftig weder zu planen (Forschung), zu bewilligen (Tierversuchskommission) noch gesetzlich vorzuschreiben (Politik).

Tierversuche an Hunden für Menschen

Nur 28% der Schweizer wünschen belastende Tierversuche an Hunden zur Erforschung von Krankheiten des Menschen. 65% lehnen diese Forschung ab, bei den Hundehaltern sind es gar 79%. Die Realität sieht aber ganz anders aus. Ca. 1700 Hunde wurden im Jahr 2010 in der Schweiz für die Forschung am Hund für den Menschen eingesetzt. Ca. 280 Hunde litten mittelschwer bis schwer bei diesen Versuchen.

Die Bevölkerung wünsche das heutige System also deutlich nicht mehr, schreiben die Ärzte für Tierschutz. Offensichtlich sei sie somit auch bereit, ein kleines Restrisiko auf sich zu nehmen, um diese Hundeversuche zu vermeiden. Hieraus ergebe sich ein Auftrag an die Pharmaindustrie, die lange eingefahrenen Versuchspfade zu verlassen und auf Alternativmodelle umzusteigen. Für die Politik resultiere der Auftrag, den gesetzlichen Rahmen zu schaffen, damit die Pharmaindustrie dies auch tun könne. Ein erster wichtiger Schritt wäre laut den Ärzten für Tierschutz, dass mehr Forschungsgelder in die Entwicklung von Alternativmethoden investiert werden

Tierversuche an Hunden für Giftigkeitstests von Produkten

Auch hier ko?nnte die Diskrepanz zwischen Wunsch der Bevo?lkerung und Realita?t nicht gro?sser sein: Nur gerade 14% der Bevo?lkerung wu?nschen Giftigkeitstest von Produkten wie Pestiziden an Hunden.
Ausgerechnet die Politik, die ja dem Volkswillen verpflichtet sein sollte, hat aber europaweit das Projekt REACH (registration, evaluation, authorisation and restriction of chemicals) gestartet, bei dem Tausende von Altchemikalien auf ihre Giftigkeit hin getestet werden, auch am Hund. Man scha?tzt, dass 54 Millionen Wirbeltiere fu?r diese Tests no?tig sind!

Eine Scha?tzung der hierzu notwendigen Anzahl Hunde liegt uns nicht vor. Aber als  ?second species ? werden es nicht wenige sein. In der Schweiz wurden 2010 etwa 180 Hunde in der Toxikologie verwendet, die meisten im Schweregrad 1, also leichte Belastung.

Hier fordern die A?rzte fu?r Tierschutz die Politiker auf, die notwendigen gesetzlichen Anpassungen vorzunehmen und international zu standardisieren, damit diese gewaltige Kluft zwischen Volkswillen und Realita?t geschlossen werden kann.

Anmerkungen zur Repräsentativität unserer Studie

Tierversuchsbefürworter werden selbstverständlich versuchen, diese Umfrageergebnisse in Frage zu stellen. Wir möchten deshalb gleich hier einige Argumente entkräften.

Die Fragestellung: Tierversuche..., bei denen diese sicher leiden..: Diese Formulierung mussten wir wählen nach Rücksprache mit Tierärzten um klarzustellen, dass dies nicht heisst, dass an Tieren beispielsweise keine Blutentnahmen oder Biopsien mehr durchgeführt werden dürfen, da diese bereits als Tierversuche Schweregrad 0 oder 1 klassieren können. Selbstverständlich sind nur Tierversuche gemeint, bei denen die Tiere leiden.

Die Fragestellung: ..um später vielleicht Krankheiten ... besser heilen zu können: Naturgemäss ist der Ausgang eines Experiments und auch eines Tierversuchs immer ungewiss. Der überwiegende Teil der Tierversuche hält nicht, was die Versuchshypothese versprach. Nur ein verschwindend kleiner Teil der Tierversuche bringt einen medizinischen Durchbruch. Mit dieser Formulierung wird dies berücksichtigt. Unsere Ergebnisse decken sich auch mit früheren Untersuchungen: So lehnten in der europaweiten Meinungsumfrage im Jahr 2009 durch das Meinungsforschungsinstitut You Gov 77% der 7139 Befragten Tierversuche an Hunden ab, in Deutschland gar 79%. 87% der Bürger lehnten 2006 in der noch weit grösseren Umfrage bei 42655 Befragten in 25 EU-Staaten Tierversuche an Hunden ab. Der Vergleich mit früheren Meinungsumfragen bestätigt somit die Repräsentativität unserer Umfrage.

Zusammenfassend lautet die Kernaussage dieser Umfrage:

1. Schweizer wollen keine Tierversuche an Hunden

2. Dies steht in krassem Gegensatz zur enormen Verbreitung des Hundes als Versuchstier

3. Hieraus resultiert ein klarer Auftrag an Politik und Forschung, die Tierversuchspraxis an die Wertvorstellungen und Wünsche der heutigen Gesellschaft anzupassen.

Quelle:  Ärztinnen und Ärzte für Tierschutz in der Medizin



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