Logo
20.08.2010

STS kritisiert Platzmangel in Zoos und Tierparks

SCHWEIZ - Zootiere werden oft in zu kleinen und nicht verhaltensgerecht strukturierten Gehegen gehalten. Noch immer herrscht bei vielen Zoos die Idee vor, trotz beschränkter Finanzen und Platzmangel möglichst viele Tierarten auszustellen – auf Kosten dieser Tiere. Dies ist ein Fazit des Schweizer Tierschutz STS bei seiner neusten Recherche in 24 Zoos und Tierparks der Schweiz.

Hauptgrund dafür sind die minimalen gesetzlichen Vorschriften. Doch kann der STS auch von einigen verbesserten Tierhaltungen berichten.

Das Aussengehege ist zubetoniert, ein winziges Planschbecken dient als Bassin. In dieser sterilen Umgebung verbringen die Tiger im Zoo Bad Ragaz die meiste Zeit, ohne dass sie sich vor den neugierigen Besuchern einmal zurückziehen könnten - ein tristes Leben. Ganz im Gegensatz dazu der Wildpark Peter und Paul in St. Gallen: In ihrem weitläufigen Gehege mit Wald, reichlich Unterholz und sogar einem Bächlein können die Luchse fast wie in Freiheit herumstreifen. Zum Schlafen ziehen sich die scheuen Wildkatzen in die mehreren vorhandenen Höhlen zurück. So gross sind die Unterschiede, welche der Schweizer Tierschutz STS bei seiner Recherche in 24 besuchten Zoos und Tierparks der Deutsch- und Westschweiz angetroffen hat.

Weniger Tiere - dafür mehr Platz

Der STS-Wildtierexperte hat die Wildtierhaltungen aus der Sicht eines kritischen Zoobesuchers mit Fachkenntnis beurteilt. Die Veröffentlichung des letzten STS-Zooberichts 2007 hat offensichtlich Wirkung gezeigt: Etliche Zoos und Tierparks haben seither Verbesserungen bei ihren Tierhaltungen realisiert oder zumindest angekündigt. „Mehr Platz für weniger Tiere" wie der Slogan des Tierparks Dählhölzli in Bern lautet, gilt dabei generell als anzustrebende Devise. Es könne eine Tendenz zu grosszügigeren und tiergerechteren Anlagen festgestellt werden, hält der STS fest. Ein wichtiges Beispiel dafür ist der neue Bärenpark in Bern, welcher die misslichen Verhältnisse des Bärengrabens endlich beseitigt hat. Aber auch der Walter Zoo in Gossau, der Kinderzoo Rapperswil, oder der Wildpark Bruderhaus in Winterthur, um nur einige zu nennen, haben verschiedene neue, tierfreundliche Gehege erstellt.

Ungeeignete Wildtiere für Zoos

Umso bedauerlicher sind dann Beispiele wie der Toni's Zoo Rothenburg: Da wurden zwar erfreulicherweise kürzlich neue Gehege für die Raubkatzen und die Waschbären errichtet. Doch unverständlicherweise sind diese viel zu klein und es fehlt an Strukturen für eine auch nur annähernd artgemässe Haltung. Offenbar wurden beim Bau dieser Anlagen keine Wildtierexperten beigezogen, vermutet der STS. Generell seien Grossraubkatzen, Menschenaffen und Elefanten nur schwierig in Gefangenschaft zu halten. Hier, bei grossen Wildtieren, findet sich denn auch am häufigsten Tierschutzrelevantes, sei dies zu geringer Platz oder das Fehlen von verhaltensgerechten Strukturen. Die Folge: Diese Zootiere können ihre angeborenen Verhaltensbedürfnisse nicht ausleben und entwickeln Verhaltensstörungen, was von der eidgenössischen Tierschutzgesetzgebung mit Leiden gleichgesetzt wird. Zwar sind in den grossen Zoos Anlagen im Bau (Basel: Aussenanlage für Menschenaffen) oder zumindest in Planung (Zürich: Elefantenpark), doch sind solche Projekte äusserst aufwendig und kosten Millionen von Franken. Kleineren Tierparks fehlt meist das Geld für derart grosse Investitionen. Der STS empfiehlt diesen, sich auf wenige und einfacher zu haltende Tierarten zu beschränken und diesen dafür grössere und bessere Gehege anzubieten.

Mangelhafte Tierschutzvorschriften

Nach Einschätzung des STS sind die gesetzlichen Mindestvorschriften für die Wildtierhaltung für zahlreiche Tierarten trotz der neuen, 2008 in Kraft getretenen Vorschriften ungenügend. Aus Rücksicht auf die finanzielle Lage der Zoobetreiber gelten für viele Gehege noch immer die Masse der alten Tierschutzverordnung. Nur bei Neueinrichtungen müssen die Anlagen den neuen Erkenntnissen angepasst werden. Der STS erwartet von der kommenden Amtsverordnung Wildtiere vom Bundesamt für Veterinärwesen (Bvet) eine klare Verbesserung für Zootiere.

Der STS ruft die Besucherinnen und Besucher von Zoos dazu auf, die Haltung der Wildtiere kritisch zu betrachten und allfällige Missstände zu melden. Zoos mit überwiegend schlechten Tierhaltungen sollen solange gemieden werden, bis die Betreiber tierfreundliche Lösungen präsentieren.

Der vollständige Zoobericht finden Sie unter: www.tierschutz.com/zoobericht



Benutzer:
Passwort:
Neu registrieren
Passwort vergessen?

Notfälle

Petfinder.ch arbeitet eng mit zwei Tierärztinnen zusammen, die auf die häufigsten Notfälle bei Hunden, Katzen,Pferden und Nagern eingehen.
» mehr 

Heimatlose Tiere suchen ein Zuhause

heimatlose Tiere suchen ein Zuhause - Hunde, Katzen, Nager usw.

Über 1000 heimatlose Tiere suchen bei uns ein neues Zuhause. Tiervermittlung für Hunde, Katzen, Nager und mehr...