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17.08.2010

Tierquäler vor Gericht

SCHWEIZ – Er ist Tierarzt, Reitlehrer und ein bekannter Military-Reiter. Jetzt steht er in Winterthur vor dem Bezirksgericht. Er soll zusammen mit einer Lehrtochter ein Polo-Pony zu Tode gequält haben.

Der Vorfall ereignete sich im Oktober 2007: Der Angeklagte beauftragte seine Lehrtochter, das Polo-Pony Karioka an der Longe im Kreis gehen zu lassen. Es sollte zu einem Freizeitpferd umtrainiert werden, da es mit seinen elf Jahren für den Polo-Sport zu alt geworden war. Er wies die damals 20-Jährige an, die Zügel des Ponys am Sattelgurt zu befestigen, damit es den Kopf nicht nach vorne und nach oben bewegen konnte - dies, obwohl Polo-Ponys eine sehr starke untere Halsmuskulatur haben und den Kopf deshalb nicht gerne in einer so gebogenen Stellung halten.

Statt brav im Kreis zu gehen, wehrte sich Karioka und verlor wegen des fixierten Halses aber das Gleichgewicht. Das Pony fiel mehrmals hin. Der 56-jährige Angeklagte soll von der Lehrtochter daraufhin verlangt haben, die Zügel noch mehr anzuziehen. Derart eingeschnürt versuchte Karioka noch rund 10 Mal, sich aus ihrer Fixierung zu befreien, wobei sie jedes Mal stürzte. Beim letzten Mal bäumte sie sich auf und kippte nach hinten. Mit einem Schädelbruch, einer Verletzung über dem Auge und weiteren Blessuren blieb das Pony schliesslich liegen. Gemäss der Anklageschrift hat der Angeklagte dem Tier daraufhin ein Schmerzmittel verabreicht und es verletzt liegengelassen. Erst einige Stunden später wurde Karioka ins Tierspital transportiert, wo die Stute im Laufe des Abends starb.

Die Staatsanwaltschaft, unterstützt durch den Zürcher Tieranwalt Antoine F. Goetschel, fordert für den Hauptangeklagten wegen vorsätzlichen Vergehens gegen das Tierschutzgesetz eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 100 Franken sowie eine Busse von 4000 Franken.

Für die Lehrtochter, die sich nicht gegen die Anweisung ihres Chefs gewehrt haben soll, fordert der Staatsanwalt wegen vorsätzlichen Vergehens gegen das Tierschutzgesetz eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 50 Franken sowie eine Busse von 1200 Franken.

Dass ein Tierschutzvergehen vor Gericht verhandelt wird, ist selten. Die meisten Fälle werden per Strafbefehl erledigt und gar nie in einem Gerichtssaal aufgerollt. So weit kommt es nur, wenn der Angeklagte sich keiner Schuld bewusst ist.

(Symbolbild)



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