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08.07.2010

Tierversuchsergebnisse sind nicht auf Menschen übertragbar

SCHWEIZ – In der Sendung Der Club von SF1 vom 6.7.2010 wurde um das Thema Tierversuche diskutiert. Auf der Seite der Tierversuchsbefürworter sassen Rolf Zeller, Professor für Anatomie und Embryologie an der Universität Basel, Thomas Cueni von Interpharma, dem Verband der forschenden Pharmaindustrie und Beda Stadler, Professor für Immunologie an der Universität Bern. Die Vertreter der Forschung waren sich einig darin, dass Tierversuche nicht direkt auf Menschen übertragbar sind.

Dr. Walz, Oberarzt an einer renommierten Zürcher Klinik, wundert dies nicht: «Auf Tierversuche in der medizinischen Forschung zu verzichten, ist heutzutage keine Frage mehr des Mitleides mit Tieren, sondern eine Frage der Vernunft!» und verweist auf anerkannte Autoritäten in der Medizin-Forschung. So hat die amerikanische Arzneimittelzulassungsstelle FDA errechnet, dass 92% aller Medikamente, welche im Tierversuch erfolgreich und unbedenklich waren, bei Menschen wirkungslos oder gefährlich sind und daher gar nicht erst zugelassen werden. Von den verbleibenden 8% der Medikamente müssen noch einmal die Hälfte nach Markteinführung wieder mit Restriktionen oder Rücknahmen belegt werden – Dies infolge schwerwiegender oder tödlicher Nebenwirkungen, welche durch die Tierversuche nicht vorhergesagt wurden. Trotz oder gerade wegen vorgeschriebener Tierversuche im Zulassungsverfahren von neuen Medikamenten zählen schwerwiegende Medikamentennebenwirkungen zu den häufigsten Todesursachen in den USA und weltweit.

Der Konstanzer Professor Thomas Hartung hat in einem Nature-Artikel untersucht und belegt, dass rund 60% der Stoffe, die in Tierversuchen als giftig eingestuft wurden, für Menschen ungiftig sind. Somit werden potentiell wirkungsvolle Medikamente gar nicht erst weiter überprüft.

Eine Untersuchung von Jarrod Bailey und seinem Forschungsteam hat Teratogenitätsprüfungen im Tierversuch analysiert, die für die Zulassung von Arzneimitteln und bestimmten Chemikalien vorgeschrieben sind. Mit diesen Experimenten sollte überprüft werden, ob die Stoffe Missbildungen beim ungeborenen Kind hervorrufen können, wenn sie während der Schwangerschaft verabreicht werden. Es wurden Resultate von Tierversuchen mit weit über 1000 verschiedenen Substanzen berücksichtigt. Das Ergebnis war, dass fast die Hälfte der Stoffe, die bekanntermassen bei Menschen Fehlbildungen hervorrufen können, in Tierversuchen zuvor als unbedenklich eingestuft wurden. Der Umkehrschluss gilt ebenfalls: Von den Medikamenten, die problemlos beim Menschen während der Schwangerschaft eingesetzt werden können, wurde fast die Hälfte in Tierversuchen als gefährlich eingestuft. Die Forscherteams schlussfolgern daraus: Für den Menschen relevante Gefahren werden im Tierversuch nicht erkannt und umgekehrt werden Gefahren vorgetäuscht, wo gar keine sind. Somit werden wichtige Medikamente oft nicht entdeckt und entwickelt. Wesentlich bessere Vorhersagen sind z.B. mit in vitro-Tests (optimale Forschung mit menschlichen Zellen und Zellkulturen) möglich, wie etwa dem embryonalen Stammzelltest oder dem Micromasstest. Diese und weitere exakte Forschungsmethoden sind nicht nur besser, sondern auch schneller und preiswerter.

Dr. Walz, der im Spital jeden Tag mit unheilbar kranken Patienten zu tun hat, ärgert sich besonders darüber, dass viele Forschungsgelder für Tierversuche verschwendet werden und somit für die Erforschung wirksamer Medikamente und Therapien fehlen. So wird Krebs nach Prognosen des Bundesamtes für Gesundheit bald die häufigste Todesursache sein, obwohl man zigtausendfach Krebs bei Mäusen und Affen geheilt hat. Der Herausgeber der Krebsforschungs-Zeitschrift Clinical Oncology stellte folgerichtig fest, dass es schwierig sei, «einen einzigen üblichen Krebs des Menschen zu finden, bei dem Behandlung und Heilungsaussichten durch tierexperimentelle Forschung ernsthaft beeinflusst wurden. Letztendlich sind es Studien an menschlichen Patienten und nicht Tierversuche, die relevante Ergebnisse bringen.» (Klinische Forschung, schwerpunktmässig durch Beobachten und Studium von Patienten und Krankheiten.)

Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, wie auch verschiedene Ärzteorganisationen fordern daher seit langem einen konsequenten Verzicht auf Tierversuche und die Anwendung von geeigneten innovativen, tierversuchsfreien Forschungsmethoden. Diese wissenschaftlichen Methoden sind ein Fortschritt und nicht ein Ersatz für Tierversuche. Medizinischer Fortschritt wird durch Tierversuche nur behindert. Hingegen könnte man mit tierversuchsfreien, sicheren Testmethoden die Schweiz zu einem weltweit führenden Forschungsstandort gestalten und Krankheiten wirksamer bekämpfen.

Quelle: AG STG – Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner