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26.08.2010

Ungewöhnliche Mittel im Kampf gegen die Nashorn-Wilderei

SÜDAFRIKA – Um den immer brutaler vorgehenden Nashorn-Wilderern das Handwerk zu legen, geht ein 70jähriger Tierpark-Besitzer in der Nähe von Johannesburg aussergewöhnliche Wege: er hat das Horn eines seiner Rhinozerosse mit Gift versehen, um es damit für den boomenden Handel als Heilmittel in China unbrauchbar zu machen.

Der Handel für Nashorn-Pulver blüht, jahrtausendealter Aberglaube im Reich der Mitte kurbelt den Markt kräftig an. Denn trotz modernster Medizin wie Viagra glauben immer noch viele Chinesen an die Wunderkraft in Bezug auf die Manneslust, die angeblich im Konsum von Nashorn-Pulver liegen soll. Die daraus resultierende, ständig steigende Nachfrage lässt die Preise für das Horn der Rhinozerosse förmlich explodieren. 1 Million Dollar bringt derzeit jedes einzelne Horn im illegalen Handel ein.

Von Ostafrika nach Südafrika

Dass bei solch lukrativen Aussichten die Wilderei zunehmends auf dem Vormarsch ist, ist eine logische, wenn auch äussert traurige Konsequenz daraus. Gerade noch 25'000 Nashörner bevölkern weltweit die Erde, im Osten Afrikas hat die Wilderei den Bestand der Rhinozerosse derart dezidiert, dass sich die Wilderei nun nach Südafrika verschoben hat. Waren 2007 noch lediglich 13 tote Nashörner zu beklagen, waren es im vergangenen Jahr schon 122 und in den ersten 8 Monaten des laufenden Jahres wurden gar 182 tote Tiere gezählt.

Bei dem gegenwärtigen Marktwert haben die zumeist schwarzen Wilderer und ihre weissen Hintermänner also allein im Jahr 2010 bisher 182 Millionen Dollar verdient. Klar, dass der Löwenanteil davon an die Drahtzieher geht, diejenigen, die den schmutzigen Teil des Geschäfts, nämlich die Tötung der Tiere erledigen, verdienen 2000 bis 3000 Euro pro Einsatz. Um sich gegenüber den wehrlosen Tieren und den Parkbesitzern noch mehr Vorteile zu verschaffen, wird ein Teil des Gewinnes in hochmoderne Technologie investiert. Kleine Mehrzweck-Helikopter, modernste Nachtsichtgeräte und ein Arsenal an Waffen lassen den Tieren keine Chance, ihrem Schicksal zu entrinnen und den Parkbesitzern kaum Möglichkeiten, ihnen Einhalt zu gebieten oder die Verfolgung aufzunehmen. So schnell, wie die Wilderer kommen, sind sie mit ihrer Beute auch wieder weg und hinterlassen die traurigen Reste ihrer grausamen Tat.

So wie vor drei Monaten bei Ed Hern, Tierparkbesitzer in der Nähe von Johannesburg. Sie kamen in der Nacht, schnitten den Zaun durch und verschafften sich so Zugang zum Park. Ihr Ziel: das fast ein Meter lange Horn der 25 Jahre alten, trächtigen Nashornkuh Big Queenstown. Dass dabei das Embryo im Mutterleib sowie das daneben weidende zweijährige Kalb ebenfalls getötet wurden, zeugt von der brutalen und gewissenlosen Vorgehensweise der Wilderer.

Einzelne Parkbesitzer versuchen ihre Nashörner zu schützen, indem sie ihnen das Horn absägen, in der Hoffnung, sie dadurch für die Wilderer zu wenig attraktiv zu machen. Doch selbst der verbleibende Stumpf scheint noch lukrativ genug zu sein, die Nashörner fielen den Wilderern dennoch zum Opfer. Auch ins Horn eingepflanzte Mikrochips brachten nicht den gewünschten Erfolg. Die Wilderer zerrieben einfach umso schneller das Horn zu Pulver und verwischten dadurch ihre Spuren.

Das Handelsgut unbrauchbar machen

Ed Hern kam in einer schlaflosen Nacht eine andere Idee, wie der Handel mit dem begehrten Horn eingedämmt werden könnte. Seine Strategie setzte er mit Hilfe eines Tierarztes auch bereits um – er liess einem seiner Nashörner ein Gift ins Horn spritzen. Dem Tier selbst konnte das Gift nichts anhaben, es ist wohlauf. Zum Schutz des Rhinozerosses soll dessen Horn nun auch farblich gekennzeichnet werden. Sollte das Horn dennoch irgendwann Wilderern in die Hände fallen und auf den Markt gelangen, würde es einem Konsumenten heftige Bauchschmerzen bescheren. Um seine Strategie bekannt zu machen, will Ed Hern nun eine internationale PR-Kampagne starten. Mit einem Dokumentarfilm und begleitenden Interviews soll die «ein kleiner Sturm» ausgelöst werden.

Kritische Stimmen geben zu bedenken, dass dabei ein Mensch ums Leben kommen könnte und Ed Hern dafür angeklagt werden könnte. Oder Racheakte der chinesischen Mafia zu befürchten habe. Doch der 70jährige Naturfreund sieht das gelassen, wenn er damit etwas zum Überleben einer vom Aussterben bedrohten Tierart beitragen könne, dann nehme er das in Kauf.



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