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12.10.2010

US-Armee stellte Antrag für Versuche an lebenden Schweinen

DEUTSCHLAND – Die Regierung der Oberpfalz hat am 30. September einen Antrag der US-Armee abgelehnt, auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr an lebenden Schweinen Versuche durchzuführen.

Jetzt bleibt der US-Armee nur noch der Weg vor das Verwaltungsgericht – oder in ein anderes Bundesland. Die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e. V. ist zwar erfreut über die Absage der oberpfälzischen Regierung, befürchtet aber, dass sich die US-Armee nicht damit zufrieden geben wird. Aus diesem Grund hat PETA jetzt vorsorglich die Ministerpräsidenten aller Bundesländer angeschrieben. In ihren Briefen bitten die Tierschützer darum, der US-Armee auch in den anderen Bundesländern keine Genehmigung für die sogenannten Notfallübungen zu erteilen. Der Einsatz von Tierversuchen in grausamen Notfallübungen ist laut deutschem Tierschutzrecht (§ 10, s. unten) verboten. Das Gesetz schreibt die Anwendung heute verfügbarer, tierversuchsfreier Ausbildungsmethoden vor.

„Bei diesen Versuchen geht es um Leben oder Tod von Hunderten von Tieren, die aufgeschnitten, erstochen, verstümmelt und getötet werden sollen“, so Tierärztin Christine Esch von PETA. „Und das völlig ohne Grund.“ Die Sanitäter könnten die Behandlung von verwundeten Kameraden oder Privatpersonen mit tierversuchsfreien Ausbildungsmethoden besser erlernen. Das Streitkräfteamt der deutschen Bundeswehr bestätigt in einem Schreiben vom 17. Juni, dass die Bundeswehr zur Ausbildung von Militärpersonal keine Tierversuche durchführt: „Die Bundeswehr führt keine Tierversuche zu Trainingszwecken durch. Bei Übungsvorhaben werden die Soldaten an sehr guten Modellen ausgebildet und die Mediziner benötigen keine Tierexperimente.“ Auch in verschiedenen Militäreinrichtungen der US-Armee kommen Tierversuche in der Sanitäterschulung nicht zum Einsatz. So haben sowohl das Navy Trauma Training Center (NTTC) der US-Marine als auch das „Center for Sustainment of Trauma and Readiness Skills“ (C-STARS) des Air Force Expeditionary Medical Skills Institute (AFEMSI) der US-Luftstreitkräfte schriftlich bestätigt, dass in ihren Einrichtungen für die Notfallausbildung von Soldaten und Sanitätern keine Tierversuche durchgeführt werden, sondern stattdessen medizinische Simulatoren und Kadaver-Modelle zum Einsatz kommen. Aufgrund der Vielzahl an wirksamen, heute verfügbaren Alternativmethoden und dem wachsenden Widerstand der Öffentlichkeit gegen Tierversuche haben Repräsentanten des Kongresses der Vereinigten Staaten eine Gesetzgebung zur stufenweisen Abschaffung von Tierversuchen zu militärischen Ausbildungszwecken verabschiedet.

Deutsches Tierschutzrecht (§ 10)

Abschnitt 6, § 10, Unterabschnitt (1), Punkt 2 des deutschen Tierschutzgesetzes besagt unmissverständlich: „Zur Aus-, Fort- oder Weiterbildung dürfen Eingriffe oder Behandlungen an Tieren, die mit Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind, nur durchgeführt werden, soweit ihr Zweck nicht auf andere Weise, insbesondere durch filmische Darstellungen, erreicht werden kann.“