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19.01.2011

USA setzt vermehrt auf tierversuchsfreie Testmethoden

USA – Namhafte US-Institutionen haben erkannt, dass Tierversuche unzuverlässig sind und die Übertragung der Ergebnisse auf Menschen kaum möglich ist.

Tierversuche

Deshalb setzen sie bei der Testung von Wirkstoffen und Chemikalien immer mehr auf Human-Daten und tierversuchsfreie Testmethoden. Nur anhand dieser Daten sehen sie die Sicherheit für die Menschen weitestmöglich gewährleistet.

Die US-Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) rief bereits 2005 das Projekt ToxCast ins Leben. Dieses Projekt besteht aus 500 In-vitro-Tests («Reagenzglas-Verfahren»), mit denen die Gefahren von Chemikalien für Mensch und Umwelt zuverlässig vorausgesagt werden können. Bislang wurden vorhandene Tierversuchsdaten als Referenz verwendet. Nun aber sollen Human-Daten zum «Gold-Standard» werden. Dazu hat sich die EPA mit der Pharmaindustrie zusammengetan. Diese hat bereits mehr als 100 Wirkstoffe beigesteuert, die in Tierversuchen vielversprechend erschienen, in der klinischen Prüfung am Menschen aber versagten. Diese Substanzen sollen mit ToxCast durchgetestet werden und die Grundlage für zukünftige Medikamententests bilden.

Eine ähnliche Initiative ist Tox21, ein Gemeinschaftsprojekt der EPA und der US-Gesundheitsinstitute NIH (National Institutes of Health). Dieses Projekt zielt darauf ab, die Risikobeurteilung von Umweltchemikalien zu verbessern. Seit kurzem ist auch die US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) mit an Bord.

Kern des Projekts ist eine Datenbank mit 3000 pharmazeutischen Wirkstoffen und 7000 Chemikalien, die in den nächsten Jahren mit automatisierten In-vitro-Verfahren mit menschlichen Zellkulturen getestet werden sollen. Computersysteme errechnen dann anhand der gewonnenen Daten die voraussichtliche Wirkung einer neuen Substanz. Zulassungsbehörden und Pharmaindustrie sollen Zugriff auf die Daten bekommen, um in Zukunft ohne Tierversuche die Wirkungen neuer Substanzen abschätzen zu können

Das Gemeinschaftsprojekt setzt nicht nur wegen der besseren Übertragbarkeit auf den Menschen auf tierversuchsfreie Testmethoden, sondern auch wegen ihrer Schnelligkeit. In-vitro-Tests charakterisieren eine Substanz innerhalb von ein bis fünf Tagen, während Tierversuche bis zu zwei Jahre dauern und bis zu 800 Tieren pro Substanz das Leben kosten können.

Seit 1938 sind in den USA für neue Medikamente vor Beginn von klinischen Studien am Menschen Tierversuche vorgeschrieben. Für die Pharmaindustrie ist das mit einem hohen Kosten- und Zeitverlust verbunden, wenn die Substanz in der klinischen Phase wegen mangelnder Wirkung oder unerwünschter Nebenwirkungen durchfällt. Das neue System der FDA soll die Medikamentenentwicklung effizienter machen, da es sich an der Wirkung am Menschen und nicht an der an Tieren orientiert.

«Wir wollen vom Tierversuch wegkommen», wird David Jacobson-Kram, geschäftsführender Direktor der Abteilung Pharmakologie und Toxikologie der FDA, in einem Artikel der «Bloomberg-News» zitiert. Und David Dix, stellvertretender Direktor des Zentrums für Computertoxikologie der EPA, fügt hinzu: «Tierversuche für die Vorhersage von Reaktionen des Menschen zu verwenden funktioniert nicht. Dies wegen der enormen Unterschiede zwischen den Arten.»

Die AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) ist äusserst erfreut über die aktuelle Entwicklung in Amerika. Innovative, tierversuchsfreie Forschungsmethoden sind ein klarer Fortschritt und nicht ein Ersatz für Tierversuche. Die AG STG fordert die Schweizer Behörden auf, den Fortschritt in der Forschung nicht länger zu blockieren. Will die Schweiz auch in Zukunft zu den führenden Forschungsstandorten zählen, dann darf sie nicht weiterhin auf unzuverlässige Testmethoden setzen.



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