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12.01.2016

Verfahren gegen Tierquäler lässt auf sich warten

Fast drei Monate nach dem bestialischen Auslöschen einer Wildschweinfamilie im aargauischen Böttstein bleibt der mutmassliche Täter unbehelligt. Das Verfahren gegen ihn ist weiter hängig.   Hans Peter Roth

„Das ist ein sehr emotionales Thema und wir haben volles Verständnis für dieses Anliegen.“ Dies versicherte Fiona Strebel, Mediensprecherin der Oberstaatsanwaltschaft Aargau, am 30. November vor Medien und laufenden Kameras. Der Anlass war die Entgegennahme von Petitionen durch die Tierschützer Kurt Amsler und Katharina Büttiker. Darin fordern über 7000 Unterzeichnende zügige Ermittlung und harte Bestrafung einer beispiellosen Tierquälerei.

Das „emotionale Thema“ lag zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 50 Tage zurück: Am Abend des 7. Oktober 2015 hatte ein Amokfahrer auf einem abgeernteten Maisfeld in der aargaui­schen Gemeinde Böttstein mit einem grossen geländegängigen Fahrzeug eine veritable Hetzjagd auf eine Wildschweinmutter und ihre drei Jungtiere gemacht. Wieder und wieder wendete er den Wagen und liess nicht ab, bis er alle vier Tiere überfahren hatte. Während die Jungen offenbar sofort starben, war das überfahrene Muttertier mit gebrochenem Rückgrat am nächsten Morgen noch immer am Leben, als der aufgebotene Wildhüter zum erlösenden Fangschuss ansetzte.

Kein unbeschriebenes Blatt

Der schockierende Fall entfachte schweizweit einen Sturm der Entrüstung. Und schon am selben Tag verkündete Sandra Zuber, Sprecherin der Staatsanwaltschaft AG, man habe eine bestimmte Person im Verdacht: „Wir haben gegen diese Person ein Verfahren eröffnet wegen Tierquälerei; wir haben ein Fahrzeug beschlagnahmt und sind jetzt daran, weitere Spuren zu erheben und auszuwerten.“

Das liess auf rasche Aufklärung und angemessene Bestrafung hoffen. Doch dann wurde es still. Fassen die Behörden den Verdächtigen – in Böttstein offenbar eine Art „Dorfkönig“, gegen den lokal niemand ernsthaft vorzugehen wagt – mit Samthandschuhen an? Dabei hatten Vorwürfe aus Tierschutzkreisen schon vor zehn Jahren auf den Mann aufmerksam gemacht, er kette Kühe von der Geburt bis zum Schlachthof im Stall an, ohne dass sie je Tageslicht zu sehen bekämen.

Täter kommen davon

Deshalb wurde Kurt Amsler ungeduldig. Innerhalb von drei Wochen sammelte der renom­mierte Schweizer Taucher, Fotograf, Filmer und Tierschützer über 7000 Unterschriften. „Dieses barbarische Verbrechen hat mich zutiefst schockiert.“ Zwar gelten nach dem aktuellen Schweizer Tierschutzgesetz Tiere nicht mehr als ‚Sache‘, sagt Amsler: „Eigentliche Rechte haben sie trotzdem nicht. Dies ist mitunter ein Grund, dass Tierquälerei noch immer bagatellisiert wird und Täter mit viel zu geringen Strafen davonkommen.

Die von ihm lancierten und durch Katharina Büttiker von der Organisation Animal Trust unterstützen Petitionen fordern rasche und vollständige Aufklärung dieses Verbrechens und für den Täter die höchstmögliche Strafe. Kurt Amsler versprach bei der Petitionsübergabe in Brugg, dass er die Unterzeichner der Petition über den Fall auf dem Laufenden hält. Doch vorerst ist Geduld gefordert: Das Ermittlungsverfahren dürfte bis zum Frühling andauern. Bleibt zu hoffen, dass was zunächst nach einem raschen Ermittlungscoup aussah, nicht in einen langwierigen juristischen Stellungskrieg ausartet.



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