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18.01.2012

Wanderalbatrosse folgen Klimawandel

DEUTSCHLAND – Wanderalbatrosse haben ihre Nahrungssuche den veränderten Windverhältnissen auf der Südhalbkugel angepasst. Die Luftströmungen dort haben in den vergangenen Jahrzehnten an Intensität zugenommen. Zudem haben sie sich nach Süden verlagert. Dadurch ist das Futter für Albatrosse schneller von den Brutkolonien aus erreichbar.

Die Vögel verbringen somit jetzt weniger Zeit mit der Nahrungssuche. Dadurch hat sich der Bruterfolg verbessert. Zudem haben die Tiere um durchschnittlich ein Kilogramm an Gewicht zugelegt. Das belegt ein internationales Forscherteam in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).

"Albatrosse sind furchtbar grosse Vögel, die weit fliegen. Im Flug sind sie stark auf die Winde angewiesen, sie segeln mit dem Wind. Weil die Winde nach Süden gegangen sind, konnten die Vögel schneller in ihre Kolonien kommen. Aber der künftige Klimawandel könnte dazu führen, dass die Wanderalbatrosse noch weiter fliegen müssen, um Nahrung zu finden", sagt UFZ-Wissenschaftler Thorsten Wiegand. Die positiven Folgen des Klimawandels könnten für die Tiere also von kurzer Dauer sein. Wenn die prognostizierten Klimaszenarien eintreten, werden sich die Windmuster der Antarktis weiter verschieben, warnen die Forscher.

Klimawandel noch nützlich

Die Biologen haben Daten zur Dauer der Nahrungssuche und zum Bruterfolg der Wanderalbatrosse der vergangenen 40 Jahre ausgewertet. Als Forschungsobjekte dienten ihnen Tiere auf den Crozetinseln. Das ist eine Inselgruppe im südlichen Indischen Ozean. Dank miniaturisierter Tracking-Geräte konnten die Forscher die Nahrungssuche der Albatrosse im Umkreis von bis zu 3.500 Kilometern um die Brutkolonie verfolgen. Dabei zeigte sich, dass sich die Nahrungssuche mit den Windverhältnissen seit zwei Jahrzehnten verändert hat. Im Durchschnitt fliegen die Wanderalbatrosse jetzt schneller als in den 1990er-Jahren weiter südwärts.

"Das führt dazu, dass sie schneller Nahrung aufnehmen können, kürzer in der Luft und damit eher am Nest zurück sind. Dadurch hat sich der Bruterfolg verbessert", erklärt Henri Weimerskirch vom französischen Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung http://www.cebc.cnrs.fr . Überrascht waren die Forscher, dass die Weibchen und Männchen in den vergangenen zwei Jahrzehnten durchschnittlich ein Kilo zugenommen haben, was rund einem Zehntel des Körpergewichts entspricht. Dies könnte nicht nur ein Resultat des häufigeren Wechselns beim Brüten und Füttern sein, sondern auch eine Anpassung an den Klimawandel: Die Vögel können besser mit Sturm umgehen.

Albatrosse bleiben gefährdet

"Die Population der Wanderalbatrosse ist auf den Crozetinseln durch die Langleinenfischerei in den nördlicheren Gewässern zurückgegangen. Früher sind viele Weibchen an den kilometerlangen Leinen mit Fischködern umgekommen", so Maite Louzao Arsuaga, die vom 2009 bis 2011 am UFZ an der Modellierung der Albatrossflugbewegungen geforscht hat. "Durch die veränderten Windverhältnisse suchen die Weibchen jetzt zunehmend im Süden nach Nahrung, wo diese Art der Fischerei nicht so verbreitet ist. Dadurch hat sich die Population leicht erholt."

Allerdings rechnen Klimaszenarien für 2080 damit, dass sich die Westwinde noch weiter in Richtung Südpol verschieben. Dann müssten die Tiere wieder weiter fliegen, um optimale Segelbedingungen zu finden. Ob die Erholung der Population lange anhält, ist fraglich. Die Gesamtpopulation des Wanderalbatros wird weltweit auf 8.000 Brutpaare geschätzt. Bei allen Populationen wurde in den vergangenen 25 Jahre ein teilweiser Rückgang registriert. Die Art ist hauptsächlich durch Beifang bei der Langleinenfischerei gefährdet. Aber auch das Einschleppen fremder Arten wie Ratten oder Katzen bedrohen die Brutkolonien.

Quelle: Tierschutznews.ch



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