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19.07.2013

Wird der Löwe bald verschwunden sein?

Diese düstere Prognose ist leider keine Schätzung einzelner besonders pessimistischer Wissenschaftler. Auf fast jeder Grosskatzenschutzkonferenz lautet die einhellige Meinung internationaler Experten: Es muss dringend etwas geschehen, sonst wird das markante Brüllen des charismatischen König der Savanne binnen nur einer Generation verstummt sein. Für immer.

Der einst sichere und unberührte Lebensraum von Panthera leo, so sein wissenschaftlicher Name, schrumpft von Jahr zu Jahr. Durch die Bevölkerungsexplosion in Afrika dringen Menschen immer tiefer in die Lebensräume der Raubkatzen ein, so dass Löwen oft auf Farmen und manchmal sogar in den Dörfern auftauchen. Damit sie die Nutztiere nicht reissen, werden sie vergiftet oder erschossen. Dies ist ein Punkt, der Löwen an den Rand der Ausrottung bringt. Kompensationszahlungen, wie sie viele afrikanische Regierungen versprechen, funktionieren in der Praxis nicht, da sie zu niedrig oder zu kompliziert umzusetzen sind.

Einige Artenschutzorganisationen versuchen, die Farmer zu schulen und aufzuklären, ihnen Methoden an die Hand zu geben, wie sie ihr Vieh schützen können: z.B. durch eine für Löwen undurchdringliche Umzäunung aus Akazien-Dornengestrüpp oder „living walls“ – aus afrikanischer Myrrhe (Commiphora africana), die mit einem Drahtzaun verflochten wird. Diese Methode wird aktuell in Kenia und Tansania erprobt.

Der SAVE Wildlife Conservation Fund geht sogar noch einen Schritt weiter: Er hat am Rand des Kalahari-Schutzgebietes in Botswana ein Löwenschutzprogramm etabliert: Es besteht einerseits aus Farmeraufklärung und einem SOS-Notruf, bei dem Löwen von Farmen vertrieben und dann umgesiedelt werden. Andererseits werden im Rahmen von Forschungsprojekten Löwen besendert und deren Wanderrouten per Satellit verfolgt um frühzeitig eingreifen zu können, wenn diese sich auf Farmland begeben. Dieses zeit- und kostenintensive Modell macht erst allmählich Schule, doch es rettet tatsächlich Leben, so die Artenschützer.

Zahlreiche Proteste richten sich auch gegen eine weitere hochgradige Bedrohung für die Löwen: „Canned Hunting“, übersetzt Gatterjagd, bezeichnet eine qualvolle und hochlukrative Art, Löwen zu töten. Löwen werden in grossen Stil auf Farmen, vor allem in Südafrika gezüchtet, mit der Hand aufgezogen und zeitlebens in Gehegen eingesperrt. Als Jungtiere müssen sie als Streichelattraktion oder für sogenannte „Lion-Walks“ herhalten. Haben sie erst eine stattliche Grösse erreicht, werden sie zum Abschuss an unerfahrene Jäger aus reichen Industrienationen freigegeben. Diese haben meist keine Jagderfahrung undkönnen kaum zielen. So sterben die zahmen Löwen, die nie gesunde Scheu vor Menschen entwickelt haben, langsam und qualvoll und enden als Trophäe.

Dem Argument, die Löwenzucht diene der Arterhaltung freilebender Löwen, widersprechen Artenschützer vehement. Das Gegenteil sei der Fall, da die Zahl der Canned-Hunting-Farmen stets zunimmt und für die wachsende Nachfrage immer wieder freilebende Löwen eingefangen werden, um weiteren Nachschub für die Gatterjagd sicherzustellen.

Auch wenn die Gatterjagd sich von der klassischen Trophäenjagd unterscheidet, ist auch sie ein massgeblicher Faktor für die langsame Ausrottung des Königs der Savanne. Viele Jagdfarmen im östlichen und südlichen Afrika bieten betuchten Europäern und Amerikanern vor allem stolze Löwenmännchen mit prächtiger Mähne zu Höchstpreisen zum Abschuss an. Doch nicht nur der Rudelführer zahlt dies mit dem Tod, auch das gesamte soziale Gefüge seines Rudels wird hierbei zerstört. Auf einen Trophäenlöwen, so die Schätzungen, kommen zahlreiche weitere Tiere, die durch auseinanderbrechende Rudelstrukturen ihr Leben lassen müssen. Hinzu kommt, dass nicht mal jedes fünfte Jungtier überhaupt das zweite Lebensjahr erreicht.

Das Argument der Jagdpächter, von der hochpreisigen Trophäenjagd würde vor allem die arme Bevölkerung profitieren, stimmt nach Recherchen des SAVE Wildlife Conservation Fund grossenteils nicht. Der Grossteil der Jagdfarmen ist in der Hand von Investoren reicher Industrienationen, wohin auch die Einnahmen fliessen. Dass Länder wie Botswana und Sambia die Trophäenjagd auf Grosskatzen verboten haben, ist ein wichtiger Schritt und in den Augen der Artenschützer ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Kaum feierte man diesen Erfolg, sickerte auch schon wieder die nächste Hiobsbotschaft durch: Nachdem der Tiger als Lieferant für Produkte der traditionellen chinesischen Medizin fast ausgerottet ist, muss der Löwe nun dafür herhalten. Da Löwenknochen denen der Tiger sehr ähneln, sind sie nun in asiatischen Apotheken ganz legal und offiziell in pulverisierter Form erhältlich, genau wie der daraus hergestellte „Löwenwein“, dem grosse Heilkräfte zugesprochen werden. Wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit fehlen jedoch gänzlich. Insider vermuten einen Zusammenhang zwischen der wachsenden Nachfrage aus Asien und dem Anstieg der Zuchtlöwen der Canned-Hunting-Farmen. Noch heisser begehrt sind Skelette wildlebender Löwen, sie seien angeblich noch wirksamer und bringen 10.000 Euro pro Löwen.

Egal ob Trophäenjagd, Lebensraumverlust Handel mit angeblichen Arzneien aus Löwenbestandteilen oder der Abschuss durch Farmer: Es steht so schlecht um den einstigen König, dass Artenschutzorganisationen aus aller Welt schon lange Alarm schlagen. Sie fordern nicht nur umfassende Schutzmassnahmen, sondern endlich auch die Einstufung als bedrohte Tierart in die IUCN-Rote Liste. Dort gilt der Löwe nämlich bislang nur als „verwundbar“ und nicht als „bedroht“ – eine Fehleinschätzung mit dramatischen Folgen.



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