Logo

Checkliste: Ein Hund zieht ein

Ob ein Welpe einzieht oder ein älterer Hund übernommen wird: Hunde, die aus gewohntem Umfeld in einen neuen Haushalt kommen, haben immer einen sehr hohen Stresslevel.

Welpen, welche aus liebevoller Aufzucht übernommen werden, vermissen ihre vertraute Umgebung aber vor allem ihre Familie, also Mutter und andere verwandte Tiere, Geschwister sowie die menschliche Bezugsperson. Neue vergleichende wissenschaftliche Verhaltensstudien an Haushunden zeigen klar, dass die Übernahme eines Welpen aus einer vorbildlichen Zucht frühestens im Alter von etwa 12 bis 13 Wochen sinnvoll ist, da sich Hundewelpen erst ab etwa 14 Wochen an eine andere Art, also den Menschen, binden können. Welpen lernen in einem gewachsenen, natürlichen Hunderudel (Hundefamilie) in den ersten Wochen extrem viel von ihren Vorbildern, so auch die Beisshemmung. Auch, ob und wie gesellig sie mit anderen Hunden werden lernen Welpen noch vorwiegend im eigenen Rudel.
Die Übernahme eines Welpen ist für diesen also eher so, als würde er entführt. Es ist für Hunde keineswegs natürlich, dass sie nach ein paar Lebenswochen für immer von der Familie getrennt leben müssen. Unter diesem Aspekt gilt es, mit alten Weisheiten aufzuräumen und wichtige Punkte zu beachten.
Fast alle Tipps können für ältere, übernommene Hunde genauso umgesetzt werden.

Der Welpe im Haus – Ruhe geben, Vertrauen aufbauen, Bindung fördern:

  • Versäubern: Nach der Reise vom Züchter ins neue (welpensichere) Heim zeigt man dem kleinen Hund zuerst den Ort, an dem er sich lösen kann (Garten, Wiese vor dem Haus).
  • Ankommen lassen: Gemeinsam mit dem Welpen erkunden Sie nun langsam den Eingang, Wohnbereich, Küche. Zeigen Sie den gefüllten Wassernapf und das Hundebett, auf welches Sie die mitgebrachte Decke vom Züchter (mit dem vertrauten Geruch) legen. Vermeiden Sie, dass Kinder wild herum rennen oder Besucher den kleinen Hund am ersten Tag beäugen und streicheln wollen.
  • Stress: Welpen befinden sich in einer aussergewöhnlichen Situation, wenn man sie aus dem bisherigen Familienleben reisst. Dies löst im Körper massiven Stress aus was bedeutet, dass Adrenalin, Cortisol, Aldosteron und Magensäfte durch die Alarmreaktionsbereitschaft nach 10 bis 15 Minuten nach dem Ereignis auf den Höhepunkt schnellen. Ein Abbau auf Normallevel dauert ca. 6 Tage aber nur dann, wenn nicht wieder neues, Aufregendes (positiv oder negativ gewertet) dazu kommt. Dies ist bei einem Welpenalltag nicht möglich, denn das meiste ist für den Welpen neu. Dazu ist er auch noch am zahnen, was auch mit Schmerz und somit Stress einher geht.
  • Stress abbauen – Kaubedürfnis: Zum Stressabbau sollten Kaugegenstände für den Welpen und erwachsenen Hund immer erreichbar und verfügbar sein. Dafür eignen sich vor allem Kauartikel aus dem Fachhandel, wie z.B. getrocknete Rinderstreifen, Huf, Ziemer, geräuchter Pansen etc.. Wie oben geschrieben hat Stress auch mit den Magensäften zu tun, deshalb reicht es nicht aus, wenn nur Spielzeug (keine Quietschies!) angeboten wird.
  • Schlafen: Welpen haben ein grosses Schlafbedürfnis. Achten Sie darauf, dass Sie und Ihre Familie selber zur Ruhe kommen, indem Sie sich z.B. hinsetzen. Der Welpe wird auch einen Platz suchen, wo er sich hinlegen kann. Manche mögen den Kontakt zum neuen Menschen, andere verziehen sich lieber in einen geschützten Bereich. Lassen Sie dem Hund die Wahl, wo er sich hinlegen möchte. Vielleicht müssen Sie das Hundebett an einem von ihm selber bevorzugten Ort aufstellen.
  • Nacht: Um dem Welpen wieder einwenig Nestwärme zu geben, welche man ihm genommen hat, lässt man ihn nachts keinesfalls allein. Hunde sind keine Einzelgänger. Sie brauchen Kontakt, besonders nachts benötigen sie Körperkontakt und müssen die Sicherheit spüren, nicht allein zu sein. Wenn der Zwerg mal raus muss, können Sie so direkt reagieren und ihr nach draussen tragen. Die Grundbedürfnisse müssen von Anfang an erfüllt werden, damit Vertrauen wachsen kann.
  • Zeit: Die nächsten Wochen werden fürs weitere Zusammenleben ausschlaggebend sein. Bindung entsteht durch Vertrauen und Zutrauen. Einander kennen zu lernen setzt gemeinsame Zeit voraus.
  • Kommunikation: Hunde verständigen sich mittels Mimik, Körpersprache, Lautäusserungen und über Gerüche miteinander. Sie versuchen ihre Sprache auch mit uns Menschen auszutauschen. Wir tun eigentlich das gleiche. Was nun wie und wo verstanden und umgesetzt wird liegt an unserer Fähigkeit zur Kommunikation. Wir müssen die Hundesprache lernen und zuhören und auch versuchen, Antwort zu geben. Unsere Sprache mit dem Hund ist ruhig, leise, stimmlich stimmig mit der Aussage und wir machen uns gewaltfrei und konsequent verständlich.
  • Anwesenheit: Der kleine Hund soll sich mit und bei Ihnen aufhalten können, so dass er nie alleine bleiben muss.
  • Sinnvoll einleben: In den ersten ein bis zwei Wochen bleiben wir mit dem Welpen in Haus und Garten, resp. in der Wohnung und vor dem Wohnhaus. Das Kennenlernen von Neuem beschränkt sich auf die Personen und Tiere, welche im Haushalt leben und vor allem auf die Bezugsperson sowie die räumlichen Gegebenheiten. Je ruhiger und strukturierter der Tag für den kleinen Welpen verläuft, desto schneller findet er sich im neuen Leben zurecht.
  • Alleine bleiben: Dies ist keine Übung, sondern eine Vertrauenssache, die vor allem mental bewältigt werden muss. Hunde haben Gefühle, so auch das Gefühl des Verlassenseins. Wenn kleine Welpen nach der Mutter rufen, kommt sie in der Regel sofort herbei und kümmert sich. Deshalb sollen Welpen in unserer Obhut lernen, dass auch wir verlässlich sind und wir auf die Signale richtig reagieren. Ein Ignorieren der Angst kann fatale Folgen haben. Erst wenn der Welpe soziale Sicherheit erlangt hat und mental stabil ist, können Sie mit dem kleinschrittigen Aufbau beginnen.
  • Reizüberflutung vermeiden: Hunde brauchen Zeit, neue Eindrücke zu verarbeiten. Je mehr Reize auf den kleinen Hund einprasseln, desto instabiler wird sein Nervenkostüm und desto unsicherer wird sein späteres Verhalten.

Der Welpe ausser Haus – gemeinsam entdecken und erleben:

  • Spazieren: Leine und Brustgeschirr muss behutsam zu Hause angewöhnt werden. Gehen Sie zu Beginn, also nach der oben erwähnten Eingewöhnungsphase von etwa 14 Tagen, ein paar Schritte weiter, aber bitte täglich von Zuhause aus, am selben Ort und in langsamem Schritt. Lassen Sie Ihren Hund schnüffeln und wahrnehmen, seien Sie präsent und schützen Sie dort, wo Sie müssen. Es kann sein, dass der Welpe nicht weiter gehen möchte. Dann bleiben Sie einen Moment und gehen dann wieder gemeinsam zurück. Es wird jeden Tag ein paar Schritte weiter gehen, wenn der Welpe die Zeit bekommt und das Vertrauen in Sie stärker wird. Denken Sie daran: Mit seiner Mutter/Familie würde der Welpe überall hin gehen, dies ist die Natur. Wir Menschen müssen zuerst beweisen, dass wir die Fähigkeit zur Souveränität in Sachen Führung und Behüten haben.
  • Andere Hunde: Schön ist es, wenn man einen netten Hund kennt, welcher in der Nachbarschaft wohnt. Wenn er freundlich mit Welpen und bereits erwachsen ist, kann diese Begegnung sehr viel Gutes bewirken. Denken Sie daran: Hunde müssen ihre Sprachsignale einsetzen lernen. Dies können sie am besten, wenn sie sich mal erst mit einem fremden Hund unterhalten. Anstatt sich mit fünf neuen Welpen, die alle anders sprechen, arrangieren zu müssen und auch noch Sprachsignale in fünf Richtungen angemessen senden und empfangen, kann sich der Welpe so besser konzentrieren. Stellen Sie sich vor, Sie müssten mit fünf oder mehr fremden Leuten gleichzeitig sinnvoll und freundlich kommunizieren. Obwohl Sie erwachsen sind würde es schwer fallen.
  • Spielen: Hunde können nur dann spielen, wenn sie entspannt und gelöst sind. Wer angespannt und überfordert in eine Welpengruppe kommt kann diese Erfahrung oftmals nur negativ abspeichern. Das Spiel mit anderen Hunden kann, wenn gut gewählt, sinnvolle Verknüpfungen hinterlassen. Ansonsten sind spätere Verhaltensprobleme nach dem Besuch von schlecht geführten und ungünstig zusammengestellten Welpengruppen vorprogrammiert.
  • Wie lange spazieren: Grundsätzlich gilt: Wochen = Minuten, also z.B. 13 Wochen alt = 13 Minuten spazieren pro Spaziergang.
  • Alles erleben in den ersten Monaten: Schon der Gedanke ist absurd! Wie will man einem Baby-Hund beibringen, was alles in seinem Leben eventuell mal vorkommen wird? Es hat sich gezeigt, dass diese «Vorarbeit» (Bahn fahren, Einkaufszentrum, Bahnhof, Menschenansammlungen etc. in den ersten Wochen) sich negativ aufs spätere Verhalten auswirkt. Wer einen Welpen übernimmt hat mit der Züchterauswahl die erste wichtige Entscheidung getroffen, wie der Welpe als erwachsener Hund werden kann. Die Aufgabe als neuer Hundehalter besteht darin, Vertrauen zu schaffen und Vorbild zu sein.
  • Alltag leben: Am besten ist es den Alltag so zu leben wie er künftig sein wird (natürlich erst nach einer Eingewöhnungszeit, in der Sie 100%-ig für den Welpen da sind). Muss der Welpe z.B. mit ins Büro dann ist der Arbeitsweg, Auto- oder Bahnfahrt eben der normale Alltag. Wohnt man auf dem Land, dann sind weidende Kühe, Traktoren, Güllefelder, Wald und Feld eben der Alltag. Wenn das Vertrauen vom Hund in die Bezugsperson da ist, dann fährt auch ein Land-Hund mal mit dem Besitzer problemlos in einer Seilbahn oder im Tram mit, wenn es denn sein muss. Und wenn der Stadt-Hund mal an einer Kuhherde vorbei gehen muss wird er sich am Verhalten seines Menschen orientieren und ruhig mit laufen.
  • Angstphasen: Hunde durchleben Angstphasen, welche behutsam angegangen werden müssen. In diesen Zeiten gilt: Weniger ist mehr, Ruhe und Geborgenheit geben, Kauartikel zum Stressabbau anbieten. Folgende Phasen sind bekannt: Im Alter von 8-9 Wochen (sollten Hundewelpen nie übernommen werden!), 4-5 Monate, 9-10 Monate, 13-14 Monate (Hormonumstellung), 16-20 Monate.


Buchempfehlung
Der Hund an meiner Seite – gewaltfrei erzogen
Ingrid Blum

Erhältlich bei:
www.hundeschule-fee.ch


© Ingrid Blum, Dipl. Hundetrainerin nach Turid Rugaas und Dipl. tierpsychologische Beraterin I.E.T., www.hundeschule-fee.ch



Benutzer:
Passwort:
Neu registrieren
Passwort vergessen?

Reisen mit dem Hund

Alles über Reisen mit dem Haustier. Reisecheckliste, Reisebestimmungen.

Bitte unterstützen Sie petfinder.ch


Deshalb sind wir auf Ihre Spende angewiesen

Notfälle

Die häufigsten Notfälle bei Haustieren wie Hunden, Katzen, Nagern, Pferden. Vergiftungen, Kippfensterkatzen usw.

Petfinder.ch arbeitet eng mit zwei Tierärztinnen zusammen, die auf die häufigsten Notfälle bei Hunden, Katzen, Pferden und Nagern eingehen.
 

Heimatlose Tiere suchen ein Zuhause

heimatlose Tiere suchen ein Zuhause - Hunde, Katzen, Nager usw.

Über 1000 heimatlose Tiere suchen bei uns ein neues Zuhause. Tiervermittlung für Hunde, Katzen, Nager und mehr...
 

Dog Walking Service

Sie wollen Ihren Abnehmprozess optimieren, sich mehr bewegen ohne ein Fitness-Abo zu lösen? Sie würden lieber mit einem Hund spazieren gehen? Dann ist unser «Dog Walking Service» genau das Richtige und Sie tun erst noch etwas Gutes für einen Vierbeiner.