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Kleinhunde Wie klein und «oho» sind sie wirklich?

Früher wurde man mit Kleinhund an der Leine mitleidig belächelt. Gerade so, als könnte man sich keinen «Grossen» leisten oder wäre mit einem solchen hoffnungslos überfordert. Seit die «Kleinen» durch Publicity von sich sehen und reden machen, sind sie ganz gross im Kommen.

Der Jöh-Effekt
Schon immer waren besonders Frauen für den Kulleraugen-Blick zu begeistern. Tiere mit runden Köpfen, grossen Augen und tollpatschigem Gang schlichen sich schnell in die Herzen der Menschen-Mutter-Typen. Schuld daran ist ein Hormon, welches Brutpflegeverhalten auslöst. Man begann, gezielt auf die Merkmale des Kindchenschemas zu züchten. Die heutige Wissenschaft geht davon aus, dass jeder Hund vom Wolf abstammt... Oftmals muss man dazu viel Fantasie walten lassen. Man möchte sie in den Arm nehmen, knuddeln und herzen, genauso wie Welpen von grossen Rassen. Diese wachsen schnell und verlieren ihr Kindchenschema. Der Mensch reagiert darauf mit Strenge, Verunsicherung und oft mit Ablehnung. Bei Hunden allerdings, die diese Prolaktin auslösenden Merkmale ihr Leben lang behalten, ist die Milde im menschlichen Gemüt Programm. Auch bei Männern wird Prolaktin wirksam.

Ersatz
Es zeigt sich, dass Hunde mit obigen Merkmalen evtl. als Ersatz herhalten müssen. Ziel der «Hundeproduzenten» ist es, immer kleinere Hunde auf den Markt zu bringen, die behütet werden wollen. Hunde, die zwar von ­Natur aus Hunde sind, sich aber einfach in die Jackentasche stecken lassen, können überall mit hin genommen werden. Solche Mikro-Exemplare sind Trend. Wie sie zustandekommen, unter welchen Umständen sie «produziert» werden, ist beim Anblick dieser «Resultate» mit dem Prolaktin dahinschmelzend.

Klein – kleiner – Tea Cup
Bereits existiert der Irrglaube, dass es eine neue Rasse gibt, die «Tea-Cup-Hund» heisst. Was hier so «niedlich» in der Tasse sitzt, ist menschliche Perversion und sollte dringend vom Gesetzgeber näher betrachtet werden. Bereits bei der kleinsten Rasse der Welt, dem ­Chihuahua, gibt es gesundheitliche Probleme. Auch kommen die meisten Welpen per Kaiserschnitt zur Welt, weil die Köpfe zu gross sind. Bei vielen Exemplaren ist die Fontanelle offen, was vom Besitzer besonderes Augenmerk für Sturzgefahren abfordert. Für eine Tea-Cup-Chihuahua-Mutterhündin bedeutet die Trächtigkeit oft langes Leiden, da die Welpen durchaus unterschiedlich schwer sein können.

Bei anderen Kleinhunden ist der Schädel so deformiert, dass die Tiere durch die kurzen Nasen unter Atemnot leiden. Wenn sie dazu noch sehr viel Fell haben, kann das im Sommer auf heissem ­Asphalt schnell zum Kollaps führen.
Epilepsie, Kopfschmerzen und Atem­wegs­erkrankungen sind weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen, die bei Kleinhunden auftreten.

Schmutziges Geschäft
Kleinsthunde werden aus dem Ausland, zusammengepfercht in Camions, in die Schweiz gefahren. Es sind meist vier bis sechs Wochen alte Welpen, die viel zu früh in den Zuchtfabriken von ihren Müttern getrennt und als Mini-Hunde schnell verkauft werden, bevor sie durch Krankheit auffallen oder sterben. Wer solche Geschäfte unterstützt, hat von Hunden keine Ahnung, ist aktiv an Tierquälerei beteiligt. Das böse Erwachen kommt dann spätestens beim Tierarzt, wenn die Kosten ins Unermessliche anwachsen. Der Farbschlag Merle (Entstehung durch ein Defektgen) kommt auch bei den ­Chihuahuas vor. Durch die unseriöse «Herstellung» von Hunden muss man damit rechnen, dass taube, blinde oder organkranke Welpen verkauft werden.

Ganz «Hund» sein
Kleine Hunde haben genauso hündische Ansprüche wie ihre grösseren Vertreter. Deshalb sind auch Kleinhundehalter verpflichtet, den obligatorischen SKN (Sachkundenachweis) zu erbringen. Nicht alle Kleinhunde sind gleich, nur weil sie klein sind. Die Terrier und auch Dackel zeichnen sich durch gros­se Selbständigkeit, Eigenentscheidung und Mut aus, was ihrem ursprünglichen Zuchtzweck entspricht. Andere Rassen wurden als Wächter geschätzt, die bellfreudig sein mussten und es auch heute noch sind. Meutehunde sind meistens sozial, zeichnen sich durch ihr «Geläut» (spezieller Bellton) aus, womit so manch ein Hundebesitzer nicht gerechnet hat. Viele Gesellschaftshunde haben üppiges, pflegeintensives Haar. Durch den Kleinwuchs sind sie dem Boden sehr nahe und so sehen sie nach einem Spaziergang vielleicht ziemlich schlammig aus. Die Abstrahlung der Bodenwärme oder -kälte schafft zusätzlich Probleme, wodurch der Energiebedarf steigt. Trotzdem möchten auch Kleinhunde rennen, buddeln, schnüffeln, klettern, ihre Umwelt auskundschaften und geistig gefordert werden.

Je nach Individuum sind sie bei vielen Aufgaben begeistert mit dabei und setzen die geforderten Ziele mit Freude um. Bereits die verschiedenen Jahreszeiten sind eine Herausforderung für die Zwerge. Da werden Gräser als Trampolin versucht, in Blätterbergen herumgehüpft und riesige Schneeverwehungen erklommen. Liegende Baumstämme in dreifacher Höhe der Körpergrösse sind zum Laufsteg umfunktioniert und Pfützen dienen als Schwimmbad.

Sozialkontakte
Es ist nicht einfach, den Zwerg mit anderen Hunden zu vergesellschaften. Viele Kleinhundehalter scheuen die Welpengruppe und warten mal ab. Entweder findet man Welpengruppen, in denen nur Kleinhunde sind, oder die anderen Welpen sind zu gross, so dass der Zwerg auf dem Arm bleiben muss. Idealerweise sollten grössere Rassen mit den Kleinen vorsichtigen Kontakt haben dürfen. So können sie lernen, dass Kleinhunde keine Beutetiere sind(!). Die Zwerge lernen, ihre Sprachsignale zu gebrauchen, damit sie vor grösseren Hunden nicht panisch flüchten müssen. Sinnvolle Begegnungen sind oft mit erwachsenen, gut sozialisierten Hunden zu beobachten. Das Spiel mit Artgenossen ist auch für Kleinhunde wichtig. Wer die Zwerge schon miteinander beobachtet hat, bekommt automatisch mehr Lachfalten...

Auf den Arm genommen
Immer wieder taucht die Frage auf, ob man den Kleinhund bei Hundebegegnungen hochnehmen soll. Was passiert genau? Der kleine Hund sieht einen grossen Artgenossen direkt auf sich zukommen. Frauchen oder Herrchen schnappt sich den Zwerg, dieser verliert plötzlich den Boden unter den Pfoten, was bei ihm Unsicherheit auslöst. Die meisten Hunde werden jetzt vom Arm herunter bellen, weil der grosse Hund näherkommt, evtl. sogar hochspringt, um den Kleinen besser zu sehen. Die beiden Hundehalter tragen gegenseitige Anschuldigungen aus, d.h. die Stimmung ist negativ und hoch aufregend in dieser Situation. Dabei gibt es gute Alternativen, um Kleinhunden Sicherheit und Vertrauen zu geben, anstatt sie in Panik zu versetzen. Allerdings braucht es die Einsicht des Kleinhundehalters, dass sein Zwerg kein versklavtes Kuscheltier ist, sondern ein kerniger Hund.

Verwöhnt oder vermenschlicht
Viele Menschen sind der Ansicht, dass Kleinhunde total verwöhnt sind, weil sie getragen werden, gekleidet sind und beim kleinsten «Pups» der Tierarzt aufgesucht wird. Leider gibt es BesitzerInnen von Kleinhunden, die ihren Idolen aus Film und Fernsehen nach­eifern und ihren Hund zum blossen Accessoire degradieren. Da wird einfach vergessen, dass Hunde hündische Bedürfnisse haben und dass sie eben Hunde und keine Puppen sind. Ein Leben lang gekuschelt und eingekleidet ab Boden zu leben entspricht in keiner Weise dem Bedürfnis eines Hundes, und sei er noch so klein.
Es gibt aber auch die Kleinhundehalter, die genau wissen, was in ihrem Zwerg steckt, und dies auch gezielt fördern. Kleinhunde, die als «ganze Hunde» verstanden werden, sind mit geeigneten Haltern ein echt cooles Team. Bestimmt muss bedacht werden, dass die Kleinen feine, schnell brüchige Knochen haben und sie deshalb nur bedingt mit grösseren Hunden frei springen können. Fellwuchs und Temperaturen sind zu beachten, denn sinnvoller Schutz ist für den Hund weniger Vermenschlichung, sondern hilfreiches Utensil. Dass kurzhaarige Kleinhunde bei eisiger Kälte draussen mit einem zweckmässigen Pullover länger warm haben, ist unbestritten. Und solange man dem Hund dabei zugesteht, dass er sich auch «gekleidet» hündisch benimmt, ist dagegen auch nichts einzuwenden.

© Bild: shutterstock.com

Quelle: Welt der Tiere; Ingrid Blum, Dipl. Hundetrainerin nach Turid Rugaas und Dipl. tierpsychologische Beraterin I.E.T., www.hundeschule-fee.ch

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