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Was Hunde lernen sollten

Kein Hund ist gleich. So lässt sich nicht ganz einfach auf einen Nenner bringen, was ein Vierbeiner nebst einem soliden Grundgehorsam alles lernen sollte. Entscheidend bei der Frage ist mitunter, was jeder Einzelne von seinem treuen Freund erwartet. Entscheidend ist auch, was ein Tier in seinem Leben bereits an guten oder weniger guten Erfahrungen gemacht hat. Eins kann jedoch mit Sicherheit gesagt werden: Mit den Befehlen Sitz, Fuss, Platz, Fass ist es nicht getan.

«Darf er mal hallo sagen?», fragt die ältere Dame eine entgegenkommende Spaziergängerin, welche einen grossen Hund an der Leine führt. Die ältere Dame hat ihren etwas übergewichtigen, gemütlichen Mischling ebenfalls an der Leine und steht in freudiger Erwartung auf dem Weg. Schon fasst die entgegenkommende Frau die Leine kürzer, sodass der am Halsband hängende Hund in die Höhe gezogen wird und die Vorderpfoten noch knapp trippelnd den Boden berühren können. «Nein, nicht an der Leine!», hört die ältere Dame die gegenüberstehende Frau sagen.

Wunsch und Wirklichkeit
Die wenigsten Hundehalter fragen sich vor dem Kauf, ob der gewählte Hund zu ihnen und in ihr Umfeld passt. Unseriöse Züchter geben Welpen als «kinderliebe Familienhunde» ab, obwohl sie genau wissen, dass diese Rasse keinesfalls zur Interessentenfamilie passen wird. Im Internet bekommt man treuherzige Hundeaugen zu sehen, die einen zum Schmelzen bringen. Hunde aus Tierheimen sind für viele Menschen die einzige Wahl. Oft sind sie schon einige Jahre alt und haben ihre eigene Vorgeschichte. Dieser Rucksack, den der Vierbeiner mit sich schleppt, gilt es dann zu entleeren – Stück für Stück. Wissend, dass wir zwar mit viel Glück den Rucksack ausräumen können, das Behältnis selber aber immer noch da hängt – bereit dazu, wieder befüllt zu werden.

Grunderziehung
Was gehört dazu? Braucht der Besitzer des Kleinhundes, welcher auf dem Arm oder in der Tasche transportiert wird, wirklich die Kenntnis von «Fuss», «Sitz» oder «Platz»? Für den Hunde­sportler hingegen sind genau diese Übungen das A und O in der Ausbildung. Es ist für jeden Hundehaltenden wichtig, dass der Vierbeiner gewisse Grund- und Anstandsregeln kennt. Das Erlernen von Erziehungselementen gestaltet sich je nach Hund und Mensch sehr unterschiedlich. Dahinter stehen Situationen, Emotionen, Bedürfnisse und
Veranlagungen, die man beim Lehren mit einbeziehen muss.

Hunde sind so
Hunde bellen, jagen, fressen Unrat vom Boden, möchten Artgenossen treffen, haben Angstphasen, kommen ins Pöbelalter, können aggressiv sein, erschnüffeln ihre Umgebung, wälzen sich im Mist, sind ohne Leine glücklich?... Hunde sind bindungsfähig, kommunikativ, liebevoll und wunderbar. Es ist die einzige Tierart, welche sich so wandelbar dem Menschen anpassen kann. Dies müssen wir mit Respekt beantworten, nicht mit Unterdrückung.

Können und wollen
Hat der Hund beispielsweise gelernt, mit Frustration umzugehen, sind gewisse Übungen wie das Warten oder Alleinsein leichter beizubringen. Ist der Hund hingegen vom x-ten Platz wieder zurück ins Tierheim gekommen, keimt in ihm vielleicht die Angst, wieder verlassen und abgeschoben zu werden. Möglicherweise wird so ein Hund nie ganz problemlos alleine warten können. In solch einem Fall ist es wichtig, dass die neue Platzierung den individuellen Problemen angepasst wird und nicht umgekehrt. Hunde müssen oft lange alleine und ruhig warten können. Das entspricht nicht der hündischen Natur und ist demnach auch schwer zu erlernen. Ruft der Hund aus Einsamkeit seine Familie, bekommt der Hundehalter meistens Probleme mit der Nachbarschaft.

Auf Rädern
Viele Leute nehmen den Hund im Auto mit. Hunde sollten gelernt haben, das Auto als etwas Gutes einzuschätzen. Der seriöse Züchter hat bereits verschiedene Ausflüge mit dem Auto zusammen mit Mutterhündin und Welpen unternommen. Eine einzige Fahrt zum Tierarzt reicht nicht aus. Zudem ist die Chip- und Impfaktion kein gutes erstes Erlebnis für den Welpen. Die Unterbringung im Auto ist vom neuen Besitzer gut zu prüfen. In der festen Box muss der Hund aufrecht sitzen, sich drehen, bequem liegen und stehen können. Zu kleine Boxen vermitteln kein Höhlengefühl, sondern bauen Stress auf. Es kann sein, dass der Hund nicht mehr gerne ins Auto steigt, was dann nichts mit «Dominanz», sondern lediglich mit Unwohlsein zu tun hat.

Jagdhelfer ohne Job
Viele Rassen wurden als Jagdhelfer gezüchtet. Die wenigsten Hunde kommen aber heute in ein Zuhause, welches den Jagdhelfer braucht. Im Gegenteil. Hunde können nicht wissen, dass ihr Futter lebenslänglich im Napf serviert wird. Ihre Instinkte sind aktiv – selbst in der Grossstadt. Voraussetzung für den Freilauf ist also, die unterschiedliche Begabung zum Jagen in sinnvolle Beschäftigungs-Bahnen zu lenken. Besonders wichtig ist zu beachten, welche Rasse und welches Individuum aus welcher genetischen Linie man sich aussucht.

Komme gleich
Der Glaube, man habe einen gut erzogenen Hund, wenn dieser sofort kommt, wenn er gerufen wird, hält sich hartnäckig. Kleine Welpen sind so neugierig, dass sie auf jedes Geräusch von ihrem Menschen reagieren und sofort herbeitippeln. Meistens hat dies nichts mit Gehorsam zu tun, sondern einfach mit angeborener Neugier. Mit zunehmendem Alter ziehen Neugier und Erkundungsverhalten grössere Kreise, der Junghund entfernt sich weiter von uns weg. Das freudige Herankommen mit guter Konsequenz verknüpft muss im Welpenalter geübt und gefestigt werden. Möglicherweise wird uns der Hund später, wenn er gerufen wird, kurz ansehen und quasi mitteilen: «Moment, komme gleich!» Deshalb ist es wichtig, zu beobachten, in welcher Situation man das Herankommen übt. Die Motivation des Hundes für einen fremden oder bekannten Reiz in diesem Moment wird in gewissen Entwicklungsphasen Priorität haben, was heisst, dass der Hund dann an der langen Leine gehen sollte.

Festhalten oder führen
Eine besondere Herausforderung stellt die Leinenführung dar. Unzählige «Hilfsmittel» wurden und werden eigens dafür kreiert. Kleinhunde mutieren im Alltag zu Teebeuteln, die einfach hochgehoben und herumgeschleudert werden. Enge Halsbänder würgen gros­se Hunde oft so sehr, dass beinahe die Augäpfel herausrollen. Was fühlten wir, wenn unsere natürlichen Bedürfnisse
mit einem elenden Ruck und Druck auf den Kehlkopf unterbunden würden und dies täglich? Ängstliche Hunde reagieren anders als souveräne. Miteinander verbunden zu gehen erfordert ein Minimum an Vertrauen. Der Angebundene sollte sicher sein dürfen, dass er schmerzlos und mit Verstand geführt wird. Das klingt zwar logisch, ist aber harte Arbeit. Technik allein hilft bei fühlenden Lebewesen nur bedingt.

Die Leine soll für den betreffenden Hund positiven Charakter haben. Auch bei dieser Lektion müssen die emo­tionalen Hintergründe miteinbezogen werden. So kann auch ein perfekt an der Leine gehender Hund beim Anblick eines Artgenossen kurz mitteilen, dass er lieber frei wäre und Kontakt aufnehmen möchte.

Freundlich sozial
Die ersten zwei Lebensjahre und die Rassenwahl sind wichtig. Freundlich sozial können Hunde werden, wenn sie ihre Eigenständigkeit und Souveränität ausbilden dürfen und auch in guter Gesundheit stehen. Erfahrungen mit Artgenossen machen dürfen erfordert, dass man solche Möglichkeiten bietet. Wer sprechen kann, wird sicherer, wenn er die Sprache gebrauchen darf. Wir haben vielleicht selber einmal eine Fremdsprache gelernt, beherrschen sie aber heute nicht mehr, weil wir sie zu lange nicht mehr angewandt haben. Für eine sinnvolle Kommunikation reichen ein bis zwei Artgenossen zur gelegentlichen Vergesellschaftung. Sind es deutlich mehr, wird es schwierig, sich mit allen gleichzeitig zu unterhalten. Das artet dann eher in Stress aus.

Hallo sagen an der Leine
Da steht nun die ältere Dame mit ihrem friedlichen Vierbeiner. Leider gab es keinen direkten Kontakt für ihn – wegen der Leine? Sicher gibt es Hunde,
die an ihren schlechten Erfahrungen ein Leben lang nagen und keinen Kontakt wünschen. Nicht alle Hunde haben gelernt, an der Leine freundlich mit Artgenossen zu kommunizieren. Schade, denn oft ist Freilaufen nicht möglich. Hunde möchten sich gerne austauschen, dies vor allem auch geruchlich. Natürlich ist ein Spiel an der Leine absolut tabu. Der gute Beobachter sieht dies im Ansatz und bricht den Kontakt dann ab. Das kurze, freundliche Beschnüffeln an lockerer Leine sollte aber Zukunftsziel sein, denn Leinengebote gibt es immer mehr. Wenn hoch soziale Rudeltiere nicht mehr mit Artgenossen kommunizieren dürfen, sollten wir uns über die Ausbildungsmethode Gedanken machen und uns auch daran erinnern, warum wir ausgerechnet einen Hund ins Leben geholt haben.

Es gibt viele Wege, Hunden beizubringen, was für uns wichtig scheint. Der Glanz in den Hundeaugen zeigt, ob auch unser Hund mit uns einverstanden ist.

© Bilder: shutterstock.com

Quelle: Welt der Tiere; Ingrid Blum, Dipl. Hundetrainerin nach Turid Rugaas und Dipl. tierpsychologische Beraterin I.E.T., www.hundeschule-fee.ch

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