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Katzen im Mittelalter – geschätzt, benutzt, verteufelt

Vom guten Hausgeist zum Symbol für den Teufel – mittelalterliche Quellen berichten über die wechselvolle Geschichte der Katze und ihre Dämonisierung durch die christliche Kirche.

Seit Beginn unserer Zeitrechnung hat sich die zuvor vermutlich in Asien und später in Ägypten domestizierte Katze in Europa verbreitet und kaum mit der einheimischen Wildkatze vermischt. Die Römer nannten das Tier zunächst felis, später etablierte sich der Name cattus für die Hauskatze, auf den die europäischen Bezeichnungen Katze, cat, chatte, gato etc. zurückgehen. Auch pilax («der Haarige»), musio und murilegus («Mäuse-Pflücker») wurde sie genannt, aber der Wortstamm cattus setzte sich schliesslich durch. Allmählich sah man in der Katze nicht mehr die heidnische Gottheit, als die sie in Ägypten verehrt wurde, oder den Vogelfeind, für den die Römer sie hielten, sondern erkannte ihren Nutzen als Mäusejäger, der die Kornvorräte vor Nagern schützen konnte.

Das frühe Mittelalter: Katzen sind nützliche Gefährten
Im frühen Mittelalter waren die zahmen Katzen noch wenig verbreitet und wurden als Beschützer des Hauses durchaus geschätzt. Der Wagen der germanischen Göttin Freya soll von zwei Katzen gezogen worden sein. Im Alltag waren sie als zutrauliche Gefährten und Glücksbringer gern gesehen. Seit dem 6. Jahrhundert finden Katzen in den Schriften von irischen Mönchen Erwähnung, denen sie in den Studierstuben angenehme Gesellschaft leisteten. Nicht nur in Heiligenlegenden tauchen sie auf, sondern auch in Bussbüchern und Gesetzestexten. Letztere bestimmten den Wert einer Katze und regelten die Verantwortlichkeiten ihres Besitzers. Aber auch von der Katze selbst erwartete man bestimmte Eigenschaften und Leistungen. Ihr Wert richtete sich hauptsächlich nach ihrer Tüchtigkeit beim Mäusefang und bei der Aufzucht der Jungen. Auch die Strafen, die ein Katzendieb zu erwarten hatte, waren im Gewohnheitsrecht genau festgelegt.

Neben der Freude an dem zutraulichen Hausgenossen stand zu jener Zeit immer der Nutzen im Vordergrund, den der Mensch aus dem lebenden und dem toten Tier zog. Katzenpelze waren geschätzt und wurden gehandelt. Auch in die Rezepturen der volkstümlichen Medizin haben Bestandteile des Katzenkörpers Eingang gefunden, vor allem zur Heilung von Gicht und Arthritis. Der Verzehr von Katzenfleisch war wohl nicht üblich, doch während Hungersnöten wurden Katzen, und auch Mäuse, gegessen. Hildegard von Bingen, deutsche Benediktinerin, Mystikerin und Heilkundlerin, warnte im 12. Jahrhundert, dass das Fleisch der Katze wahnsinnig mache, während Ärzte es gelegentlich empfahlen.

Im Hoch- und Spätmittelalter: Dämonisierung der Katze durch die christliche Kirche
War die Katze bis ins 12. Jahrhundert ein guter, Nutzen bringender Hausgeist, so führte die immer kritischere christliche Sicht auf das Tier zu seiner Dämonisierung. Man war eifrig bestrebt, alle Reste des heidnischen Glaubens zu beseitigen und die als unchristlich erachteten Laster der sündigen Untertanen zu bekämpfen. So wird die Katze für die Kirche zur Verkörperung des Bösen und schliesslich zum Teufel in Person. Vom 13. Jahrhundert bis zur Zeit der Reformation wird nachdrücklich vor der Schädlichkeit der Katze gewarnt. Zwar beschreiben die nun beliebten Naturenzyklopädien genau beobachtete Verhaltensweisen der Tiere, doch die Kirche deutet sie auf ihre Weise. Im Rahmen ihrer Tugend- und Lasterlehre vereinnahmt sie die Katze als Beispiel für
unmoralisches menschliches Verhalten, vor dem die Untertanen in vielen Predigten immer wieder gewarnt werden – die Katze sei geradezu ein Ausbund an Lastern.

Die Katze als Symbol des Satans
Mord- und Beutegier wird ihr vorgeworfen, Lüsternheit und Unzucht, Hochmut, Falschheit und Putzsucht. Listig, heuchlerisch, streitsüchtig sei sie, zudem naschhaft und faul. Die natürlichen Verhaltensweisen, die man an den Katzen beobachtete – sie sind Beutejäger, ihr Paarungsverhalten ist von lautstarkem Geschrei begleitet, sie lassen sich nichts befehlen, sind schlau und geschickt, putzen sich ausgiebig und schlafen viel –, wurden als Merkmale ihres schlechten Charakters gedeutet. So wurde die Katze zum Symbol für das Prinzip des Satans. Sie seien, predigte man, von Dämonen oder vom Teufel besessen. Der Teufel suche die Menschen, speziell die Frauen, in Gestalt von
Katzen, vorzugsweise schwarzen, heim. Prediger verwiesen auf die Ähnlichkeit der Wörter Katze und Ketzer, und in der Folge assoziierte man sie mit der Hexerei und allen Traditionen und Praktiken, die nicht dem herrschenden christlichen Glauben entsprachen. Ketzer und Katzen wurden Opfer der Inquisition, in zahllosen Hexenprozessen gefoltert, zum Tod verurteilt und verbrannt.

Ein Glück, dass viele Katzen dieses Schicksal überlebt und sich fleissig vermehrt haben. Heute ist die Katze in der westlichen Welt ein äusserst beliebtes Haustier. Allein in der Schweiz werden rund 1,4 Millionen Büsi gehalten.

Quelle: Welt der Tiere

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