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Ratten – gehasst, gequält, geliebt

Die Ratte hat es nicht einfach. Da ist ihr schlechter Ruf infolge der zahlreichen Pestepidemien, für die sie fälschlicherweise immer noch einzig und allein verantwortlich gemacht wird. Als Laborratte muss sie tagtäglich unermesslich viel Leid ertragen und so mancher Mensch findet sie einfach «gruusig». Zum Glück aber schaffte es dieses faszinierende und intelligente Wesen mittlerweile in das Herz vieler Tierfreunde auf der ganzen Welt. Sie hat es verdient.

Die Wanderratte war ursprünglich im nördlichen Ostasien heimisch. Wann genau die Ausbreitung nach Westen begonnen hat, ist unbekannt. Die weltweite «Einbürgerung» erfolgte überwiegend per Schiff. Und im 18. Jahrhundert erreichte die Verbreitung der Ratte wahrscheinlich über Russland auch Europa. Die Wanderratte ist heute in allen Ländern Europas heimisch.

Der schlechte Ruf der Ratte infolge der Pest verfolgt die Nager bis heute. Was vielen Menschen jedoch nicht bekannt ist: Das entscheidende Zwischenglied bei der Übertragung der Pest von der Ratte auf den Menschen heisst Floh. Es hat sich auch gezeigt, dass die Pest über 200 Säugetierarten befallen kann. Sie wurde auch bei Hunden und Katzen festgestellt.

Domestikation und Nutzung der Ratte
Professionelle Rattenfänger im 19. Jahrhundert – vermutlich sogar schon vorher – hielten gefangene Tiere, um ihr Verhalten zu studieren und sie somit auch besser fangen zu können. Etwa gegen Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Domestikation der Wanderratte. Fahrende Zirkusleute und Schausteller entdeckten Albinos von Wanderratten für sich und stellten sie aus. Dabei wurde schnell bemerkt, dass diese Tiere und ihre Nachkommen immer zahmer und friedlicher wurden, als ihre wilden Vorfahren es waren. Schon bald darauf begann die Zucht der Tiere für Labore und Versuche, was ihnen den zusätzlichen Namen Laborratte einbrachte.

In der Folgezeit bildeten sich immer mehr Farbvarianten heraus, was die Laborratte deutlich von ihren wilden Verwandten unterscheidet. Deswegen bürgerte sich der Name Farbratte für die domestizierten Tiere ein. Inzwischen gibt es deutliche Unterschiede auch in der Physiologie, der Anatomie und des Verhaltens zwischen der wilden Wanderratte und den Farbratten. Kurz gefasst lässt sich sagen, dass die Farbratte zwar ursprünglich von der wilden Wanderratte abstammt, jedoch durch Züchtung den Ansprüchen und Bedürfnissen des Menschen angepasst worden ist.

In den Achtziger- und Neunzigerjahren wurde die Ratte als Haustier sehr populär. Dies verdankte sie in erster Linie den Punks, welche diese mit sich herumgetragen haben, um die Umwelt mit diesem Aussenseitertier wunderbar zu erschrecken.

Die Ratte als Haustier
Heute werden die Ratten als Haustiere nicht nur immer stärker akzeptiert, nein, sie haben eine richtig grosse Fangemeinde. Der Film «Ratatouille» löste sogar einen regelrechten Boom aus, Ratten als Haustiere zu halten. Die wachsende Beliebtheit der Ratten ist rasch erklärt: Sie haben Charakter, sind überaus intelligent und sozial! Zudem schätzen sie den Kontakt zum Menschen sehr und es können tiefe Bindungen entstehen, die man sich als Nicht-Rattenhalter kaum vorstellen kann. Jedoch sind Ratten keineswegs einfach zu haltende Haustiere. Will man diesem Tier gerecht werden, braucht es viel Platz, viel Zeit und viel Liebe.

Auch wenn man die Ratten so artgerecht wie möglich halten will, muss man sich bewusst sein: Es ist ein gefangenes Tier. Somit ist es ganz wichtig, dass Ratten genügend Lauffläche, Kletter- und Unterschlupfmöglichkeiten, Schlafplätze und mehrere Etagen zur Verfügung gestellt bekommen. Je grösser das Ratten-Heim, desto besser! In der Rattenhaltung wird heute auch nicht mehr von der Haltung in einem Käfig, sondern von einem Domizil gesprochen. Es empfiehlt sich zum Beispiel ein so genannter Uni-Dom, eine Kleintiervilla, oder zum Beispiel ein selbst umgebauter Schrank mit verschiedenen Etagen und das Ganze ausstaffiert mit Ästen, Korkröhren, Hängematten, Leitern, Körbchen, Hängeseilen usw. Der Boden sollte mit Zeitungen, Tüchern oder staubfreiem Einstreu versehen werden. Hobelspäne und Heu eignen sich aufgrund der empfindlichen Atemwege und möglichen Allergien der Ratten gar nicht. Auch ein Parasitenbefall ist durch nicht fachgemässe Einstreu möglich. Ratten sollen ihrem natürlichen Trieb, sich zu verkriechen, zu nesten (Zeitungen und Haushaltpapier eignen sich gut hierfür) und ihr Fressen zu bunkern, nachgehen können. Das geeignete Zuhause sollte auch an einem ruhigen, nicht zu sonnigen und nicht zugigen Standort stehen.

Ratten brauchen viel Bewegung und Gesellschaft
Der tägliche Auslauf ist für die bewegungsfreudigen Tiere sehr wichtig. Herumrennen und spielen in einem Zimmer, welches rattensicher eingerichtet ist, ausgestattet mit diversen Spielmöglichkeiten, stellt ein kleines Rattenparadies dar. Ideal sind Karton-Burgen, Kartonschachteln mit Zeitungsschnipseln gefüllt, versteckte Goodies und natürlich ihr Mensch als Kletterbaum – das lässt jedes Rattenherz höher schlagen. Wichtig ist jedoch, dass die Tiere nie unbeaufsichtigt gelassen werden, vor allem, wenn Kabel oder sonstig gefährliche Dinge in der Nähe sind. Auch geliebte Möbel und Gegenstände sollten nicht in der Nähe der nagefreudigen Tiere herumstehen.

Ratten sind absolute Rudeltiere und dürfen nicht alleine gehalten werden. In der Natur leben diese äusserst sozialen Rudeltiere in grossen Verbänden. Von einem Rudel spricht man bei mehr als drei Tieren und für den Halter ist es wunderbar, wenn er seine Ratten im Rudelverhalten beobachten kann. Fühlen sich die Nager so richtig wohl und haben sie auch ein Vertrauensverhältnis zu ihrem Menschen aufgebaut, wird dies damit quittiert, dass man ganz einfach zum Rudel mit dazugehört. Ein tolles Erlebnis, das wohl jeden Rattenhalter glücklich macht. Wichtig zu beachten: Gleichgeschlechtliche Tiere halten oder die Männchen kastrieren lassen. Ratten sind ab der fünften Lebenswoche geschlechtsreif und vermehren sich rasend schnell! Innert Wochen kann also unzähliger Nachwuchs auf die Welt kommen.

Ratten benötigen täglich Frischfutter. Obst und Gemüse wie zum Beispiel Gurken, Peperoni, Salat, Tomaten, Karotten, Äpfel, Birnen, Bananen usw.
Ein geeignetes ausgewogenes Körnerfutter soll auch bereitstehen sowie frisches Wasser. Auch freuen sich die Nager über feine Beilagen wie gekochte Teigwaren, gekochten Reis oder Mais und Erbsen aus der Dose. Letztere sollten allerdings nur in geringen Mengen gereicht werden, ebenso zu fette Nahrungsmittel. Ratten fressen gerne und neigen zu Übergewicht.

Gesundheit und Lebenserwartung
Ratten sind sehr empfindliche Tiere und leider ist ihre Lebenserwartung auch bei guter Haltung relativ kurz. Eher selten werden sie mehr als zwei Jahre alt. Tumore, Bronchialbeschwerden, Hirnschläge … Als Rattenhalter muss man sich bewusst sein, dass Ratten im Alter oft erkranken und Tierarztbesuche unumgänglich sind. Auch stirbt eine Ratte sehr selten von alleine, denn auch wenn ihr Körper immer schwächer wird, schlägt ihr kleines Herz umso stärker einfach immer weiter. Damit das Tier nicht zu sehr leiden muss, bleibt dem Halter meist nur die Euthanasie durch den Tierarzt.

Wer mehr über die Haltung von Ratten wissen möchte, nimmt am besten Kontakt mit dem «Club der Rattenfreunde Schweiz» auf. Er informiert über alle Bedürfnisse der Heimtierratten. Es ist ihm ein Anliegen, aufzuzeigen, dass Ratten zwar sehr viel zu bieten haben, aber auch sehr viel mehr Pflege und Zuwendung benötigen als allgemein angenommen. Und wenn dann alles klar ist: Lassen Sie sich von den hübschen Nagern mit den süssen Kulleraugen, den niedlichen Händchen und dem seidigen Fell einfach um den Finger wickeln.

www.rattenclub.ch

Die Tierschutzorganisation «Club der Rattenfreunde CH» besteht seit 1995. Seit 1998 ist die Organisation eine Sektion des Schweizer Tierschutzes STS. Die Vereinigung ist eine Interessengemeinschaft mit 150 Mitgliedern, welche sich für den Schutz der Ratten engagieren – sei es für Wild-, Labor- oder Heimtierratten.

Die Hauptanliegen des «Clubs der Rattenfreunde» sind: Aufklärung über die
Bedürfnisse der Ratten»; Forderung einer Rattenhaltung im Heim-, Zucht- und Laborbereich, welche den Bedürfnissen der Tiere möglichst Rechnung trägt; Engagement gegen die Zucht von Ratten und den Handel mit ihnen; Rat und Hilfe bei Problemen mit Ratten; Vermittlung von heimatlosen Ratten; Erfahrungsaustausch unter Rattenfreunden; Engagement gegen Tierversuche; Öffentlichkeitsarbeit über die Medien und über eigene Publikationen; Veranstaltungen (Vorträge, Infostände usw.).

Sämtliche unserer Dienstleistungen werden über Spenden finanziert.
Postkonto 85-6857-4.

Quelle: Welt der Tiere

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