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Wohlfühlfaktoren für Meerschweinchen

Meerschweinchen, lateinisch Cavia aperea porcellus, stammen aus den südamerikanischen Anden. Sie wurden dort schon vor mehr als 3000 Jahren domestiziert und gelangten im 16. Jahrhundert mit spanischen Seefahrern nach Europa. Während die putzigen Tiere bei uns mehrheitlich als Streicheltiere für die lieben Kleinen gehalten werden, gelten sie in Südamerika noch immer als Nutztiere. Wer Meerschweinchen halten möchte, sollte in erster Linie vom Gedanken loskommen, dies sei ein Kinderspiel.

Meerschweinchen; Foto: fotolia.com

Meerschweinchen gehören zur Ordnung der Nagetiere. Ihre nächsten Verwandten sind die Pampashasen und die Capybaras. Typisch für die Nagetiere sind die ständig nachwachsenden Zähne und die Verdauung mit Blinddarmbakterien, die sie die Cellulose aufschliessen lässt. Meerschweinchen sind tag- und dämmerungsaktive Tiere, deren Geruchssinn und Gehör besonders ausgeprägt sind. Sie gelten als Fluchttiere – worauf bei der Haltung als Haustier Rücksicht genommen werden muss. Der deutsche Name der Tiere entstand vermutlich, weil ihr Weg zu uns übers Meer führte und ihre Quiekgeräusche an die der Hausschweine erinnern.

Überlegungen zur Anschaffung
Meerschweinchen wurden lange Zeit als ideales Haustier für Kinder angesehen. Klein und handlich, genügsam und wehrlos. Die allermeisten Meerschweinchen werden aber nicht gern in die Hand genommen und eignen sich deshalb nicht als Streicheltiere. Als Beobachtungstiere bereiten sie aber Gross und Klein viel Vergnügen, und, unter Anleitung der Eltern, bieten sie auch viel Raum fürs Erlernen und schrittweises Übernehmen von Verantwortung.

Vor dem Kauf muss man sich überlegen, ob man bereit ist für eine Gruppe Meerschweinchen während fünf bis acht Jahren Verantwortung zu übernehmen, ihnen einen artgerechten Lebensraum zu ermöglichen, Tierarztkosten zu berappen, eine Ferienbetreuung für die Meerschweinchen zu organisieren und zu bezahlen, jeden Tag für die Tiere Zeit zu opfern, um sie zu pflegen und ihren Käfig zu reinigen sowie sie korrekt zu ernähren.  

Gesellschaft
Meerschweinchen sind Rudeltiere und dürfen nicht alleine gehalten werden. Zwei Tiere sind das Minimum, grössere Gruppen sind noch spannender. Gut geeignet sind Haremsgruppen: ein kastrierter Bock mit einem oder mehreren Weibchen oder reine Bockgruppen, idealerweise alle kastriert. Ein Kaninchen ist kein vollwertiger Partner für ein Meerschweinchen. Wenn schon gemischte Haltung, sollen es von jeder Tierart zwei oder mehr Tiere sein. Es sollten nur dann beide Tierarten gemeinsam gehalten werden, wenn man auch bereit ist, die Gehege auszubauen und zu unterteilen, falls die «Patchworkfamilie» nicht zusammenfindet.

Platz
Meerschweinchen sind bewegungsfreudige Tiere, die Platz brauchen. Mindestgrösse einer Unterkunft für zwei Tiere sollte 120x50 cm betragen. Je grösser, desto besser! Etagenbretter vergrössern die nutzbare Fläche und bieten auch gute Verstecke. Ob die Meerschweinchen Rampen nutzen oder Treppenabsätze benötigen, ist individuell verschieden.

Meerschweinchen können sowohl drinnen als auch draussen artgerecht leben. Bei der Aussenhaltung ist jedoch zu bedenken, dass die Tiere nicht nur vor der Witterung geschützt werden müssen – sie mögen weder Regen noch Schnee, vertragen keinen Durchzug und sind im Sommer auch relativ anfällig für Hitzschläge –, sondern auch vor Raubtieren. Die Gehege sollen nicht nur vor Nachbars Hund und Katz gesichert sein, sondern auch gegen Fuchs und Marder. Das bedeutet in der Regel, dass auch von unten Gitter gelegt oder Stellriemen eingegraben werden müssen.

Da die Meerschweinchen Fluchttiere
sind, brauchen sie genügend Unterschlüpfe und Verstecke, idealerweise solche, die mehr als einen Zugang haben, damit sie ausweichen können. Sie müssen nicht unbedingt fertig gekauft werden – häufig gibt es im Wald passende Wurzeln oder Rindenstücke oder man kann selber Hüttchen und Tunnels bauen. Runde Fenster sind gefährlich – die Tiere passen beim Wachsen von einem Tag zum andern nicht mehr durch und können stecken bleiben!

Gesetzliche Grundlagen

  • Haltung mindestens zu zweit
  • Mindestfläche für zwei Tiere 0,5 m2 (5000 cm2). Jedes weitere Tier braucht 0,2 m2. Erhöhte Ebenen dürfen bis zu einem Drittel der Fläche angerechnet werden.
  • Rückzugsmöglichkeiten für alle Tiere
  • Heu und/oder Stroh zu ständiger Verfügung
  • Nagematerial wie Weichholz oder Äste
  • Vitamin-C-haltiges Futter
  • Wasser
  • geeignete Einstreu
  • genügend Licht (mind. 15 Lux)

Ernährung
Hauptfutter der Meerschweinchen ist Heu. Es muss rund um die Uhr in genügender Menge und guter Qualität zur Verfügung stehen. Meerschweinchen fressen praktisch den ganzen Tag, aber immer nur kleine Mengen aufs Mal. Die Verdauung der kleinen Nager ist auf rohfaserhaltiges Futter ausgelegt, das Heu darf deshalb grob sein. So werden auch die Backenzähne immer genügend abgenutzt. Wegen des zu hohen Eiweissgehalts besser kein Emd (zweiter oder dritter Schnitt) oder belüftetes Heu füttern.

Meerschweinchen können, wie wir Menschen, selber kein Vitamin C bilden. Deshalb sind sie auf regelmässige Zufuhr von Vitaminen durch Grünzeug angewiesen. Gut geeignetes Saftfutter sind Rüebli, Gurke, Fenchel, Peperoni, Randen, Sellerie, Topinambur, Salat, Spinat, Mangold, Tomaten. Zurückhaltend verfüttert werden können Kohl­arten: Kohlrabi, Broccoli, Chinakohl, da diese Gemüse blähen. Früchte sind wegen des hohen Zuckergehaltes nur bedingt geeignet und sollten nicht regelmässig und höchstens in kleinen Mengen gefüttert werden. Für alle Nahrungsmittel gilt: Neue Sachen nur in kleinen Mengen verfüttern, damit sich der Körper vor allem wegen den Bakterien im Darm daran gewöhnen kann. Ungeeignete Gemüse: alle Zwiebelgewächse, Bohnen, Aubergine, Avocado, Rhabarber. Natürlich lieben die Meerschweinchen auch Grünzeug aus der Natur. Bitte aber nicht an Strassenrändern, Hundespazierwegen oder auf stark gedüngten Wiesen pflücken! Im Frühling muss man sehr vorsichtig anfangen, Gras zu füttern, da es ansonsten heftige Durchfälle geben kann!

Vitamintropfen braucht es in der Regel nicht, sind allenfalls im Winter sinnvoll oder bei geschwächten oder kranken Tieren. Wasser entweder in Nippeltränken oder in standfesten Näpfen anbieten und täglich erneuern.

Getreide soll – wenn überhaupt – nur in kleinen Mengen angeboten werden. Tiere, die im Winter draussen leben oder trächtige oder säugende Tiere haben einen erhöhten Energiebedarf – alle andern brauchen eigentlich kein Trockenfutter. Wenn Sie Fertigfutter verabreichen, kaufen Sie eine Mischung mit möglichst wenig Getreidekörnern, lieber ein Pelletfutter oder solches mit hohem Anteil an getrocknetem Gemüse und Kräutern. Auch zu bunte Bestandteile sind unnötig, sie enthalten oft schädliche Farbstoffe. Hartes Brot soll nur ausnahmsweise angeboten werden – die Tiere mögen es zwar sehr, es ist aber sehr kalorienreich. Natürlich muss es schön trocken sein und darf keinen Schimmel aufweisen. Zuckerhaltige Leckerlis gehören nicht auf den Speiseplan der Meerschweinchen!

Da Meerschweinchenzähne ständig nachwachsen, muss den Tieren Nage­material angeboten werden. Äste von Obstbäumen (bevorzugt Kernobst), Hasel, Weide, Birke, Ahorn oder auch Fichte (Rottanne) sind sehr gut geeignet.

Krankheiten
Vorbeugen ist besser als heilen! Meerschweinchen sind nicht sehr anfällig für Krankheiten. Wenn ihnen aber mal was fehlt, ist das meistens ein Fall für eine umgehende Tierarztkonsultation, da eine Erkrankung sehr schnell lebensbedrohend werden kann. Ausgewogene Ernährung, saubere Umgebung und ein friedliches Sozialleben sind die Grundpfeiler für ein gesundes Meerschweinchenleben. Hinzu kommt, dass die Krallen ab und zu geschnitten werden müssen. Regelmässige Fellkontrolle ist wichtig, da es sich Haarlinge und Milben gerne im Fell gemütlich machen. Bei Langhaartieren muss das Fell manchmal sogar gekürzt werden.

Rassen/Zucht
Meerschweinchen sind sehr vermehrungsfreudige Tiere, die auch sehr früh geschlechtsreif werden. Deshalb überlassen Sie das Züchten lieber Fachleuten, bevor Sie mit ungewolltem Nachwuchs überrascht werden, den dann trotz vorherigem Interesse doch niemand will.

Rassen und Zeichnungen
Nebst den beliebten Glatthaar- und Rosettenmeerschweinchen existieren auch Teddys und Rex mit kurzem, rauem Fell und verschiedene Langhaar-Rassen wie Sheltie, Peruaner, Coronet mit jeweils glatten Haaren zum Teil mit Stirnwirbel. Dann gibt es Texel, Alpaka, Merino, Lunkarya mit gelockten Haaren und zum Teil mit Stirnwirbel. Auch eine in der Schweiz entstandene Meerschweinchenrasse hat sich über fast die ganze Welt verbreitet: Das Schweizer Teddy hat halblange, abstehende Haare.

IGM Interessengemeinschaft Meerschweinchen

Dachverband der Schweizer Meerschweinchenvereine, Mitglied von Kleintiere Schweiz. Hauptaufgabe ist die Förderung der Haltung und Zucht von Meerschweinchen, insbesondere die Information und Aufklärung über artgerechte Haltung.

www.kleintiere-schweiz.ch > unten links IG Meerschweinchen anwählen
Raiffeisenbank Weissenstein, Friedhofstrasse 2, CH-4512 Bellach
IBAN-Nr. CH25 8096 8000 0027 1968 2

Quelle: Welt der Tiere

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