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Ein Pferd wird angeritten

Wenn ein junges Pferd zum ersten Mal einen Reiter auf dem Rücken trägt,
bedeutet dies für das Tier ein ausserordentliches Erlebnis, welches vom Reiter Fachwissen und viel Einfühlungsvermögen verlangt. Schliesslich soll dieser Moment für beide Seiten eine positive Erfahrung sein, an welche weitere Arbeitsschritte angeknüpft werden können.

Ein normales Reitpferd wird im Alter von etwa dreieinhalb Jahren eingeritten. Es gibt aber auch Pferderassen, die erst mit rund fünf Jahren angeritten werden können, weil sie für ihre körperliche Entwicklung mehr Zeit brauchen. Zu diesen Rassen gehören zum Beispiel Isländer und Friesen. Ein junges Pferd, das in die Phase des Einreitens eintritt, ist noch nicht vollständig ausgewachsen. Das Pferd ist quasi noch ein Kind. Es ist sich daran gewöhnt, auf der Weide herumzutoben und all das zu tun, wonach ihm der Sinn gerade steht.

Mit dem Anreiten beginnt der Ernst des Lebens. Das junge Pferd wird von der Weide geholt und führt von nun an ein anderes Leben. Im Extremfall ist es ab diesem Zeitpunkt sogar so, dass es seine Boxe nur noch für die Arbeit unter dem Reiter verlassen darf. Das Anreiten ist also für das Pferd psychisch und physisch eine enorme Umstellung und auch eine Belastung. Ein guter Ausbildner respektiert diese Umstände und setzt alles daran, dem Pferd diese Umstellung so angenehm wie möglich zu gestalten. Dies bedeutet nicht nur, dass das Pferd stets fair und respektvoll behandelt werden sollte, auch der Auswahl des Materials und der Gestaltung der Umgebung soll Sorge getragen werden. Dazu gehört, dass Sattel und Zaum exakt sitzen, eine Hilfsperson immer zur Stelle ist, die Beine des Pferdes durch Gamaschen oder Bandagen geschützt sind, keine unnötigen Ablenkungen in der Halle oder dem Viereck vorhanden sind und dass eine kleine Belohnung für das junge Pferd in Form eines Leckerlis immer griffbereit ist.

Anreiten an der Longe
Bevor das junge Pferd überhaupt einen Sattel zu Gesicht bekommt, wird es an das Longieren gewöhnt. Beim Anlongieren trägt das Pferd einen Zaum und darüber ein Halfter. Die Longe wird nicht direkt an der Trense befestigt, sondern am Halfter oder am Zaumgestell. Auf diese Weise wird der Zug im Maul nicht zu stark, wenn das Pferd einmal ausbricht. Idealerweise trennt man einen möglichst runden Part der Halle ab, damit das junge Pferd allein dadurch schon in die richtige Richtung gewiesen werden kann. An der Longe lernt das Pferd, auf Stimmkommandos zu hören und auf dem Zirkel vorwärts zu gehen. Diese Vorschule erleichtert das eigentliche Anreiten, weil das Pferd bereits Vertrauen in die Kommandos des Longenführers entwickeln kann und sich von ihm leiten lässt. Aus diesem Grund ist es auch besser, wenn der Longenführer beim ersten Aufsitzen am Boden bleibt und das Reiten von einer Hilfsperson
übernommen wird. Beim Longieren steht der Longenführer in der Mitte. Das junge Pferd wird zuerst von einem Gehilfen im Kreis um den Longenführer herumgeführt. So weiss es, wo es nachher langgehen muss. Nach und nach entfernt sich der Gehilfe und geht nun mit einer Longierpeitsche hinter dem Pferd her. Durch Anheben der Peitsche treibt er das Pferd nach vorne und hindert es am Umkehren. Diese Massnahme nennt man «einrahmen».

Mit der Zeit wird der Gehilfe immer passiver und übergibt die Longierpeitsche dem Longenführer, welcher nun das Einrahmen von der Mitte aus übernimmt. Das Ziel des Anlongierens ist ein sicher nach vorne gehendes Pferd. Blockieren und seitliches Ausbrechen müssen vermieden und korrigiert werden. Das Pferd muss sich auch auf Kommando des Longenführers in die Mitte bewegen und sich wieder aus dem Zirkel entfernen. Wenn dies alles klappt, kann die Umzäunung Schritt für Schritt entfernt werden, und der Moment des ersten Sattelns ist gekommen.

Der Sattel wird dem jungen Pferd vor dem ersten Auflegen gezeigt, damit es daran schnuppern kann. Dann streicht man mit dem Sattel entlang des Halses bis hin zum Widerrist und legt den Sattel vorsichtig auf den Rücken. Der Gehilfe beruhigt das Pferd währenddessen mit Streicheln und eventuell Füttern. Der Gurt darf nur sehr vorsichtig angelegt werden. Geschieht dies zu grob, kann sich das Pferd unter Umständen ein Leben lang vor dem Angurten fürchten. Damit der leicht angegurtete Sattel nicht rutscht, kann auch ein Vorgeschirr verwendet werden. Die Steigbügel sind noch hochgeschnallt. Ist der Gurt befestigt, lässt man das junge Pferd seine ersten Gehversuche mit dem Sattel machen. Nach und nach wird der Gurt fester angezogen. Das Pferd lässt man immer wieder ein paar Schritte gehen. Nun werden die Steigbügel runtergezogen und das Pferd mit hängenden Bügeln laufen gelassen.

Sobald sich das Pferd ruhig mit dem Sattel bewegt, ist der Zeitpunkt für das erste Aufsitzen gekommen. Man führt das Pferd vorsichtig an diese Aufgabe heran, indem man sich zuerst nur vor dem Sattel aufstützt und sich dann über den Hals des Pferdes legt. Hierzu lässt sich der zukünftige Reiter von einer Hilfsperson hochheben, denn das Aufsteigen über den Steigbügel wäre eine zu starke Beanspruchung für das Gleichgewicht des jungen Pferdes. Wichtig ist, dass das Pferd die Person auf seinem Rücken mit beiden Augen erfassen kann. Meist besteht der grösste Schreckauslöser für das Pferd nicht in der neuen Belastung, sondern darin, dass es plötzlich etwas sieht, das AUF ihm ist. In dieser Position führt der Longenführer nun das Pferd immer wieder einige Schritte, bis es sich an die Situation gewöhnt hat und keine Angstreaktionen mehr zeigt. Dies erkennt man zum Beispiel an einem ruhigen Auge und einem locker getragenen Schweif. Ein ängstliches Pferd zieht den Schweif zwischen die Beine und reisst die Augen weit auf.

Jetzt hebt der Reiter sein rechtes Bein über den Sattel. Hierbei muss er besonders darauf achten, dass er nicht mit dem Fuss die Kruppe streift. Dies würde das Pferd erschrecken und hätte eventuell eine heftige Reaktion zur Folge. Der Reiter setzt sich am Anfang noch nicht mit seinem vollen Gewicht in den Sattel, sondern bleibt leicht in den Steigbügeln stehen. Dies nennt man Entlas­tungs­ten­denz. Sobald der Reiter im Sattel ist, führt der Longenführer das Pferd im Schritt an. Reagiert es ruhig, kann der Longenführer seine gewohnte Position in der Mitte wieder einnehmen und das Pferd wie gewohnt longieren. Der Reiter wirkt noch nicht ein. Die Zügel werden nicht angenommen und er treibt das Pferd auch noch nicht mit dem Bein an. Erst nach und nach werden die Hilfen des Reiters mit den Kommandos des Longenführers kombiniert. So kann das Pferd das Gelernte von der Longe mit den Hilfen des Reiters verknüpfen. Mit der Zeit wirkt der Reiter immer aktiver und der Longenführer immer passiver ein.

Wenn das Pferd die Hilfen des Reiters annimmt, kann die Longe ganz weggelassen werden. Das erste Geradeausgehen, weg vom gewohnten Longierzirkel, wird dem Pferd erleichtert, indem man es zuerst hinter einem erfahrenen Pferd hergehen lässt. Das junge Pferd folgt dem Älteren und behält so seinen Gehwillen nach vorne. Nach und nach lässt man den Abstand zum vorderen Pferd immer grösser werden, bis das junge Pferd selbstständig vorwärts geht und sich vom Reiter leiten lässt.
Empfehlenswert ist, auch das erste Ausreiten in Begleitung eines ruhigen, erfahrenen Pferdes zu unternehmen. Es kann dem jungen Pferd viel Sicherheit vermitteln und übernimmt eine Vorbildfunktion.

Anreiten mit Handpferd
Eine andere Methode ist das Anreiten mit Handpferd. Bei dieser Variante wird das junge Pferd beim ersten Reiten nicht longiert, sondern als Handpferd genommen. Das bedeutet, dass ein Reiter auf seinem Pferd sitzt und gleichzeitig das junge Pferd neben sich her an einem Strick führt. Das Führpferd muss dabei Ruhe bewahren, auch dann, wenn sein junger Begleiter bockt oder ausschlägt. Ein Vorteil ist, dass das junge Pferd weniger Freiraum für Kapriolen hat, weil es ja stets dem Führpferd folgen will. Sobald das junge Pferd die gewünschte Gelassenheit zeigt, wird der Führstrick gelöst und das junge Pferd entfernt sich schrittweise vom Führpferd. Die Variante mit Handpferd dauert etwas weniger lang als die Methode mit dem Longieren, weil sie vom Pferd weniger Selbstständigkeit verlangt. Aus­serdem nimmt sie weniger Platz in Anspruch. Gerade wenn viele Pferde gleichzeitig angeritten werden sollen und der Platz beschränkt ist, wird diese Methode dem Longieren vorgezogen. Ein Nachteil ist dafür, dass sich solche Pferde später nur sehr ungern vom Führpferd entfernen und zu so genannten Klebern werden können. Mit solchen Pferden ist es dann schier unmöglich, alleine auszureiten oder eine Gruppe anzuführen. Ein anderer negativer Aspekt bei dieser Methode ist auch die Verletzungsgefahr für das Führpferd. Dieses steht genau in der Gefahrenzone, wenn das junge Pferd einmal ungehalten reagiert.

Früher war das Anreiten oft ein grausamer und rücksichtsloser Akt. Es existierten viele rabiate Methoden, um den Willen des Pferdes zu brechen und um es sich so gefügig zu machen. Der Leitgedanke heute ist glücklicherweise ein anderer. Es geht darum, durch behutsames Anreiten den Grundstein für ein vertrauens- und respektvolles Verhältnis zwischen Reiter und Pferd zu legen.

Quelle: Welt der Tiere

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