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Reiten lernen

Wer sich selbst oder seinem Kind den Einstieg in die Welt des Reitens ermöglichen möchte, sollte sich vorher gut informieren. Denn trotz allen schönen Seiten, die das Reiten mit sich bringt, bleibt es immer noch eine Risikosportart, die nur unter seriöser Betreuung ausgeführt beziehungsweise erlernt werden sollte.

Reiten ist nicht etwa das, was viele Leute als «nur Draufsitzen» abtun. Es erfordert viel Gefühl, Gleichgewicht und Körperspannung. Es schult die Koordination und Isolation von einzelnen Körperteilen und bildet, unter richtiger Ausführung, eine gute Bein- und Rumpfmuskulatur. Hinzukommt das Eingehen auf ein sehr sensibles Lebewesen und die entsprechende Selbstbeherrschung.

Die Wahl der richtigen Reitschule
Wer sich entschieden hat, reiten lernen zu wollen, muss sich als Erstes nach einer geeigneten Reitschule umsehen. Man sollte sich darüber informieren, ob die Lehrpersonen des Betriebes über eine ordentliche Ausbildung verfügen. Es kommt leider noch viel zu oft vor, dass unqualifizierte Personen in Reitschulen oder auf eigene Faust unterrichten, ohne entsprechend geschult worden zu sein. Auf einem seriösen Betrieb sind Besucher immer willkommen und werden freundlich begrüsst. Ausserdem sagt der Zustand der Anlage viel über die Art und Weise aus, wie der Betrieb geführt wird. Eine ungepflegte Infrastruktur, schmutzige Boxen oder gar unterernährte Pferde deuten auf eine schlechte Betriebsführung hin. Man sollte auch Wert darauf legen, wie die Pferde in der Reitschule gehalten werden und ob sie nicht zu viel arbeiten müssen. Dies nicht nur aus Gründen der Tierliebe, sondern auch, weil ein überarbeitetes Reitschulpferd ein grosser Risikofaktor darstellt. Ausgeglichene, artgerecht gehaltene Pferde sind viel zuverlässiger und obendrein auch noch angenehmer zu reiten.

Gut gerüstet aufs Pferd
Was die Ausrüstung betrifft, so kommt man am Anfang mit Jeans und Wanderschuhen gut zurecht. Reithelme werden in jeder guten Reitschule den Anfängern zur Verfügung gestellt. Man muss sich also nicht in Unkosten stürzen, bevor man überhaupt weiss, ob einem der Sport zusagt. Erst nach den ersten paar Stunden ist es sinnvoll, über eine Ausrüstung nachzudenken. Das Preissegment ist bei den jeweiligen Artikeln breit gefächert. Reithosen bekommt man aber schon ab rund 100 Franken, ein Helm ab ca. 150 Franken, entsprechendes Schuhwerk ist ab 80 Franken zu haben. Mehr benötigt man an Reitbekleidung kaum. Als Reiter empfiehlt es sich, in die Haftpflichtversicherung den Zusatz «Das Reiten fremder Pferde» aufzunehmen. Ein seriöser Reitbetrieb weist seine Schüler auf die Haftung hin und informiert dahingehend aus eigener Initiative.

Angebote für Kinder
Wenn ein Kind reiten lernen will, sollte es zwischen sieben und neun Jahre alt sein. Es gibt aber auch Reitschulen, die Kindern das Reiten schon früher erlauben. Der Unterricht und die Wahl des Schulpferdes werden dann entsprechend angepasst. Für jene Kinder, die für das eigentliche Reiten noch zu klein sind, bieten einige Reitschulen auch Voltigierunterricht an. Voltige ist sozusagen «Turnen auf dem Pferd» und kann schon von Kindern ab vier Jahren praktiziert werden. Es ist der ideale Einstieg in den Reitsport, weil es das Gleichgewicht und das Gefühl für die Bewegungen des Pferdes fördert.

Am Anfang steht die Longe
Zu Beginn der reiterlichen Ausbildung steht immer der Longenunterricht, währenddessen dem Schüler die Grundlagen des Reitens beigebracht werden. Eine Lektion dauert an der Longe etwa 30 Minuten und kostet um die 30 bis 40 Franken. Wann ein Schüler so weit ist, dass er ohne Longe reiten darf, entscheidet der Reitlehrer. Ist das OK gesprochen, kann sich der Schüler entweder für Gruppen- oder Einzelunterricht entscheiden. Einzelstunden sind sicher effizienter, aber auch teurer. Gruppenunterricht kostet pro Stunde je nach Anzahl Schüler zwischen 35 bis 45 Franken, Einzelunterricht dagegen zwischen 60 bis 80 Franken.

Der Umgang mit dem Pferd gehört zum Reitenlernen dazu. Meist lernt man vor und nach der Reitstunde, wie man ein Pferd sattelt und putzt. Manche Reitschulen bieten auch Kurse im Bereich Pferdepflege an. Durch den vermehrten Kontakt mit dem Pferd lernt man sein Wesen besser kennen und einschätzen. Gerade Anfänger gewinnen so schnell mehr Vertrauen zum Tier.

Ab ins Gelände
Wann der erste Ausritt stattfindet, ist hauptsächlich von der Umgebung und von der Reitschule selbst abhängig. Manche Reitschulen sind nicht unbedingt auf Ausritte ausgelegt und bieten solche nur auf Anfrage an. Betriebe ohne Halle sind aber oft vom Zustand der Infrastruktur her gezwungen, den Unterricht ins Gelände zu verlegen. Dies zum Beispiel, wenn der Boden vom Reitplatz eingefroren ist oder unter Wasser steht. Ein guter Reitlehrer versteht es, einen Ausflug ins Gelände zu einer sinnvollen Erfahrung zu gestalten. Ausritte sind für die reiterliche Ausbildung ebenso wichtig wie die Arbeit im Viereck oder in der Halle. Man lernt die Reaktionen des Pferdes und die äusseren Einflüsse besser einzuschätzen und entsprechend mit ihnen umzugehen.

Hoch, höher, am höchsten
Ob ein Reitschüler so weit ist, dass er seine ersten Springerfahrungen sammeln darf: Auch dies entscheidet der Reitlehrer. Der Sitz des Reiters und die Hilfengebung müssen so weit gefestigt und koordiniert sein, dass der Reiter sein Pferd über dem Hindernis nicht behindert und trotzdem weiter auf es einwirken kann. Springen schult den Gleichgewichtssinn des Reiters und gehört zu einer soliden ernsthaften Ausbildung dazu. Zu Beginn sind die Hindernisse sehr niedrig. So kann sich der Schüler an das Gefühl und den neuen Bewegungsablauf gewöhnen.

Guter Kompromiss: das Pflegepferd
Wer seine ersten Jahre als Reitschüler bereits hinter sich hat und sein Hobby gerne weiterbetreiben möchte, kann sich nach einem Pflegepferd umsehen. Viele Pferdebesitzer sind auf der Suche nach zuverlässigen Reitern, die hin und wieder das Bewegen des ­Tieres übernehmen. Meist wird eine Kosten­beteiligung oder Mitarbeit im Stall als Gegenleistung verlangt. Wieweit einem Kompetenzen im Umgang mit ­einem Pflegepferd übertragen werden, ist sehr unterschiedlich. Manche Besitzer erlauben nur das Ausreiten und andere bieten sogar die Möglichkeit, mit dem Pferd an Turnieren teilzunehmen. Meist wird als Referenz des reiterlichen Niveaus mindestens das Brevet verlangt.

Der Traum vom eigenen Pferd
Ein Pflegepferd ist eine gute Vorbereitung für Leute, die sich gerne einmal ein eigenes Pferd anschaffen möchten. Es bietet einem einen kleinen Einblick in die Aufwände, die für ein eigenes Pferd betrieben werden müssen. Die beanspruchte Zeit und die finanziellen Mittel müssen im Vorfeld genau abgeklärt und überprüft werden. Wer noch nie ein eigenes Pferd besessen hat, bespricht dieses Vorhaben am besten mit einer Fachperson. Sie kann einem helfen, ein geeignetes Pferd zu finden und alle nötigen, sinnvollen Massnahmen zu treffen. Es ist ratsam, auch mit dem eigenen Pferd weiterhin regelmässig Reitunterricht zu nehmen. So schleichen sich sowohl beim Reiter als auch beim Pferd keine Fehler oder Unarten ein.

© Bilder: shutterstock.com

Quelle: Welt der Tiere

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