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Rittmeister – die Väter der klassischen Reiterei

Die ersten Gedanken an ein harmonisches Zusammenspiel von Pferd und Reiter wurden um 400 v.Chr. vom griechischen Gelehrten und Heerführer Xenophon festgehalten. Doch dauerte es noch zahlreiche Jahrhunderte, bis kundige Rittmeister die Reiterei in jene Richtung weiterentwickelt haben, wie wir sie heute kennen.

klassische Reiterei

Veronika Eder

Der griechische Gelehrte und Heerführer Xenophon verfasste, nebst zahlreichen anderen historischen Werken, das Buch «Peri hippikes» (über die Reitkunst). Er beschreibt darin die Gestaltung einer guten Stallung, Ursachen von Koliken, die Ausrüstung des Pferdes und macht sich Gedanken zur Ausbildung. Dabei wies er auf die leichte Zügelführung hin und darauf, dass ein Pferd Freude am Gerittenwerden haben soll. Ausserdem empfahl er, das Pferd oft zu loben und mit ihm zu sprechen. Xenophon sprach sich also für ein Mitmachen des Pferdes und eine harmonische Beziehung zwischen Pferd und Reiter aus. Diese Ansätze sind für die damalige Zeit äusserst bemerkenswert und bis heute behalten die Werke von Xenophon über die Reiterei ihre Gültigkeit.

Federico Grisone – italienischer Reitmeister im 16. Jahrhundert
Lange Zeit jedoch gerieten die Werke von Xenophon in Vergessenheit. Sie wurden erst im frühen 16. Jahrhundert vom italienischen Reitmeister Federico Grisone wieder aufgenommen und weiterentwickelt. Grisone, auch «Vater der Reitkunst» genannt, lehrte an der 1532 gegründeten und damals in Westeuropa einflussreichen Neapolitanischen Reitschule. Im Gegensatz zu Xenophon legte Grisone aber Wert auf die Trabarbeit. Der Trab war Xenophon nur in Form eines Überganges zwischen Schritt und Galopp bekannt. Leider übernahm Grisone nicht auch die ethischen Ansätze Xenophons. Gedanken zur freiwilligen Mitarbeit oder schonenden Ausbildung des Pferdes waren ihm fremd. Doch trotz seiner teilweise rabiaten Ausbildungsmethoden brachte Grisone Fortschritt in die Reiterei. Nebst der neuen Trabarbeit beschrieb er das Zusammenwirken von Hand und Schenkel und er verzichtete auf die Halsbiegung, um den Schwung nicht zu verlieren. Ausserdem gilt er als Erfinder der Gymnastizierung der Gelenke.

Antoine de Pluvinel – königlicher Stallmeister Ludwigs des XIII.
Als sich diese Epoche langsam dem Ende zuneigte, gewann der königliche Stallmeister von Ludwig XIII., Antoine de Pluvinel, an Bedeutung. Er berief sich wieder auf die ethischen Grundlagen von Xenophon und wollte das Pferd zur Freude an der Arbeit anregen. Er setzte sich für sparsamen Sporengebrauch und die Förderung des natürlichen Gleichgewichts des Pferdes ein. Er beschrieb die Wichtigkeit der Hinterhand und somit den Grundstein der Versammlung. Die Versammlung ist die höchste Stufe der Ausbildung eines Pferdes. Es nimmt dabei vermehrt sein Körpergewicht mit der Hinterhand auf und gelangt so in eine Selbsthaltung. Beim Zusehen und beim Reiten hat man das Gefühl, dass ein versammeltes Pferd «bergauf» geht. Dieses Ausbildungsziel dient der Gesundhaltung des Pferdes und nur in der Versammlung ist es möglich, die schweren Lektionen der Dressur und der hohen Schule zu reiten.

François Robichon de la Guérinière – Begründer der modernen Reiterei
Als die berittene Kriegsführung zur Zeit des Barocks langsam an Bedeutung verlor, änderte dies auch die Reiterei. Sie wurde mehr und mehr zum beliebten Freizeitvertreib des Adels. Das Reiten hatte zwar noch seine Grundideen aus dem Krieg, wurde aber kaum noch da­rin eingesetzt. Dies war die Geburtsstunde der Lehre von François Robichon de la Guérinière. Er fasste die klassische Ausbildung zusammen und modernisierte sie. Seine Definitionen sind bis heute gültig und basierten ansatzweise bereits auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Guérinière änderte den Sitz des Reiters und ersetzte den damals üblichen stehenden Sitz (Spaltsitz) durch den heutigen Balancesitz. Dafür passte er den Sattel entsprechend an, so dass ein angewinkeltes Knie und ein elastisches Sitzen möglich wurden. Guérinière legte grossen Wert auf eine Ausbildung, welche die natürlichen Veranlagungen des Pferdes respektierte. In seinen Schriften beschreibt er, welche Schäden bei einem Pferd entstehen können, wenn es von einem unwissenden oder unbeherrschten Reiter geritten wird. Die Reitkunst war in dieser Zeit ein Ausdruck von geistiger Grösse und Selbstbeherrschung. Guérinière ritt seine Pferde erst mit sieben Jahren an und passte die Trense individuell an jedes Pferd an. Er beschreibt genau, welches Gebiss für welches Pferdemaul geeignet ist. Er entwickelte Seitengänge und Schulsprünge weiter bis zu der Form, wie sie derzeit noch praktiziert werden. In der Spanischen Hofreitschule Wiens wird heute noch nach den Lehren Guérinières geritten.

Die Geburtsstunde der Kavallerieschulen
Mit den Veränderungen in der Kriegsführung änderten sich auch die Ansprüche an die Pferde. Anstatt auf dem Schlachtfeld ihren Reitern durch Sprünge mehr Raum zu verschaffen, sollten sie nun weite Strecken zurücklegen und als Transport- oder Fluchthilfe ihren Dienst erweisen. Das barocke, eher schwere Pferd, das auf Ausprägung der Tragkraft, also seine Fähigkeit zur Versammlung, gezüchtet war, wurde durch einen leichteren Pferdetyp ersetzt. Diesen Pferden war die Veranlagung zur vermehrten Schubkraft gegeben. Sie zeigten also Höchstleistungen auf langen Distanzen und im Gelände. Schnelligkeit, Wendigkeit und Sicherheit im Gelände wurden neu vermehrt verlangt. Das Militär bildete seine Rekruten zu zweckmässigen Reitern aus. Bei den Offizieren blieb der Wunsch nach einer soliden reiterlichen Ausbildung, da diese im Krieg nach wie vor auf die Beherrschung des Pferdes angewiesen waren. Die Hofreitschulen verschwanden zusehends und wurden durch Kavallerieschulen ersetzt. Als einzige überlebte die Spanische Hofreitschule in Wien.  
Was de la Guérinière für die Franzosen war, stellte Gustav Steinbrecht für die Deutschen dar. Er lebte nach 1800 und gründete sein eigenes Reitinstitut, wo er nach den klassischen Lehren arbeitete. Sein Werk «Das Gymnasium des Pferdes» ist bis heute ein Klassiker in der deutschen Reitliteratur. Sein Leitsatz «Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade» ist immer wieder und überall, wo die Dressurreiterei praktiziert wird, zu lesen. Steinbrecht übertrug die Grundsätze aus der alten Zeit auf die neuen Pferde und Ansprüche seiner Zeit. Denn das Streben nach Versammlung war allgegenwärtig, aber die Entwicklung der Schubkraft durfte nicht darunter leiden.

François Baucher – der geläuterte Reitmeister
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Reiterei ihren Schwerpunkt noch immer im Militär hatte, entwickelte François Baucher eine Methode, die Pferde innert kürzester Zeit so weit auszubilden, dass sie für den Einsatz in der Kavallerie bereit waren. Leider bediente sich Baucher zu Beginn seiner Zeit eher der herberen Methoden und hielt diese in seinem Buch fest. Nach einem schweren Unfall überdachte er seine Methoden und entwickelte eine feinere Ausbildungsmethode, die er als lebensverlängernd für das Kriegspferd anpries. Leider fand seine neue Methode wenig Anklang, da sich die Erinnerung an seine Anfangszeiten bereits zu sehr festgesetzt hatte. Er wies nun vor allem auf das feine Abstimmen der Hilfen aufeinander, um das natürliche Gleichgewicht des Reitpferdes nicht zu stören. Auch warnte er davor, junge Pferde zu überfordern und sie mit langen Arbeitseinheiten zu verdriessen. Heute wird die zweite Manier von Baucher als eine Art ostheopathische Reitweise bezeichnet.

Kreuzritter
Zu Zeiten der berittenen Kriegsführung wurden andere Anforderungen an das Pferd gestellt als später im adeligen Freizeitvertreib. Dies änderte auch den Reitstil.

Quelle: Welt der Tiere

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