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Was zur artgerechten Haltung nötig ist

In der heutigen Zeit werden nur die wenigsten Pferde so gehalten, wie es ihrer natürlichen Veranlagung entspricht. Auch die Fütterung ist nicht immer auf die ursprünglichen Bedürfnisse angepasst. Wie Sie ein Pferd dennoch so artgerecht wie möglich halten, beschreibt folgender Beitrag.

 

Veronika Eder

Der Körper des Pferdes ist ursprünglich dafür geschaffen, den ganzen Tag über in Bewegung zu sein. In der freien Wildbahn legen die Pferde in der Herde täglich viele Kilometer zurück, um an ihre Weideplätze zu gelangen. Dabei bewegen sie sich in gemächlichem Tempo vorwärts und grasen zwischendurch immer wieder kleine Mengen. Der Magen eines Pferdes hat im Verhältnis zu seiner Körpergrösse nur ein sehr geringes Volumen und kann immer nur kleine Mengen Futter auf einmal aufnehmen. Auf diese Weise bleibt das Pferd jederzeit agil und somit bereit zur Flucht.

Heutzutage werden nur die wenigsten Pferde noch so gehalten, wie es ihrer natürlichen Veranlagung entspricht. Oft ist es sogar üblich, dass das Pferd 23 Stunden am Tag in der Boxe stehen muss und der ganze Bewegungsbedarf in einer einzigen Stunde unter dem Reiter befriedigt werden muss. Auch die Fütterung ist nicht immer auf die ursprünglichen Bedürfnisse angepasst: Anstelle von häufigen Mahlzeiten und kleinen Mengen, werden in wenigen Mahlzeiten grosse Mengen verfüttert. Das verringert zwar den Arbeits- und Zeitaufwand, ist aber für den Pferdemagen eine grosse Belastung.
Diese unnatürliche Lebensweise hat Auswirkungen auf den gesamten Organismus und die Gesundheit des Pferdes. Durch die konzentrierten Belastungen während des Reitens oder der zu langen Stehzeiten kann es zu Verspannungen, Gelenkschäden und Durchblutungsstörungen kommen. Die falsche Fütterungsweise kann zudem Koliken und andere ernähungsbedingte Erkrankungen auslösen.

Der Reiter bekommt die Auswirkungen einer falschen Haltung ebenfalls zu spüren. Ein Pferd mit Bewegungsmangel ist oft unberechenbar. Hat das Tier jedoch genügend Auslauf und soziale Kontakte, ist es bei der Arbeit unter dem Sattel sehr viel ausgeglichener und williger.


Haltungsformen
Die Boxenhaltung ist wohl die häufigste Form der Haltung. Das Pferd steht in einer grossen Boxe, die mit Stroh oder anderer Einstreu ausgelegt ist, damit es sich bequem hinlegen kann. Die Einstreu sollte möglichst sauber und trocken gehalten werden. Die Boxenhaltung wird idealerweise mit regelmässigem Weidegang kombiniert. Diese Haltungsform ermöglicht eine genaue Kontrolle der Fress- und Trinkgewohnheiten des Pferdes und Krankheitsanzeichen oder Verletzungen können sofort erkannt werden. Die Kosten für die Einstreu und der Arbeitsaufwand für eine saubere Boxe müssen miteinberechnet werden.

Die Auslaufboxe ist eine erweiterte Form der Boxenhaltung. Zusätzlich zu der eigentlichen Boxe verfügt jedes Pferd über einen eigenen Auslauf. So kann es frei wählen, ob es sich draussen oder drinnen aufhalten will und hat auf diese Weise automatisch mehr Bewegung. Eine Auslaufboxe ist meist einfacher sauber zu halten, weil das Pferd durch den zusätzlichen Raum den Mist weniger in der Boxe verteilt.

Die natürlichste Art, ein Pferd zu halten, ist die Offenstallhaltung. Dabei stehen die Pferde in einer Gruppe auf freiem Gelände und haben selbstständigen Zugang zu einer Liegehalle oder einem Unterstand. In der modernsten Form der Offenstallhaltung erfolgt die Fütterung der Pferde per Computer: Ein Chip regelt die Futtermenge und Futterart individuell für jedes Pferd zum jeweiligen Zeitpunkt, sodass jedes Pferd seine abgestimmte Menge nur in kleiner Dosis über den ganzen Tag verteilt «abholen» kann. Die Verletzungsgefahr ist in einem Offenstall mit Gruppenhaltung höher als in einer Boxe. Nach Möglichkeit empfiehlt es sich deshalb, die Eisen entfernen zu lassen.

Wenn man sich dazu entschliesst, sein Pferd auf eine robustere Haltungsform umzustellen, muss man wissen, dass sich der Organismus zuerst an die Bedingungen anpassen muss. Das Fell muss Zeit haben, die körpereigene Talg- und Schutzschicht aufzubauen und der Kreislauf braucht Zeit, um den Temperaturausgleich zu haushalten. Vor der Umstellung auf die neue Haltungsform muss also darauf geachtet werden, wie oft man sein Pferd noch zudeckt, putzt und schert.

Grundsätzlich darf man keine dieser drei Haltungsformen verurteilen, weil sie verglichen mit dem ursprünglichen Leben in freier Natur weniger den natürlichen Bedürfnissen des Pferdes entsprechen oder andere Nachteile mit sich bringen. Kombiniert mit genügend Weidegang und korrekter Arbeit kann auch ein Pferd, das in einer Boxe steht, zufrieden sein. Wichtig sind dabei die Sauberkeit und die Qualität der Einstreu und die des Futters.

Kosten und Zubehör – ein teurer Spass im wahrsten Sinne des Wortes

Der Unterhalt eines Pferdes ist mit sehr hohen Kosten verbunden und diese variieren je nach Betrieb, Haltungs- und Gebrauchsform stark.

  • Grob gerechnet liegen die Pensionskosten zwischen 800 und 1400 Franken pro Monat.
  • Der regelmässige Hufschmiedbesuch (alle sechs bis acht Wochen) kostet ca. 250 Franken pro Mal.
  • Für den routinemässigen Tierarzt (Impfungen, Wurmkuren etc.) rechnet man 250 Franken aufwärts. Unvorhergesehenes kann die Kosten jedoch innert kürzester Zeit vervielfachen. Sei es nun eine Kolik, ein Sehnenvorfall oder gar eine Operation. Für diese Notfälle sollte ein finanzielles Polster vorhanden sein.
  • Ein guter Sattel kostet im Schnitt um die 3000 bis 4500 Franken mit Zubehör. Beim Sattel sollte man nicht sparen. Passt der Sattel nicht vollständig auf das Pferd, kann dies Rückenprobleme des Pferdes (und des Halters!) zur Folge haben, deren Behandlungskosten den Aufpreis für einen Masssattel bei weitem übersteigen.
  • Ein gutes Zaumzeug mit Trense erhält man ab 250 Franken.
  • Ein ganzer Satz Putzzeug beläuft sich je nach Umfang zwischen 100 und 200 Franken. Dazu lohnt es sich, eine Stallapotheke und Verbandszeug für den Notfall bereit zu halten.
  • Die verschiedenen Decken für das Pferd sind ebenfalls im Preis sehr unterschiedlich. Grundsätzlich rechnet man mit einer Winterdecke, Übergangsdecke, mit Abschwitzdecken und gegebenenfalls Regen- und Weidedecken. Wobei Exemplare zum Wechseln vorhanden sein sollten. Pro Modell geht der Preis ab 100 bis 200 Franken aufwärts.
  • Wie viel man in die Ausbildung des Pferdes und in Reitstunden investieren möchte, ist jedem selbst überlassen. Regelmässige Weiterbildung und Kontrolle durch eine Fachperson sind jedoch jedem Reiter zu empfehlen. Reitstunden mit dem eigenen Pferd sind meist günstiger, als wenn dafür ein Schulpferd gemietet werden muss. Eine Privatstunde oder eine Stunde Beritt kosten zwischen 60 und 120 Franken.


Auch wenn die Unterhaltskosten eines Pferdes sehr verschieden sein können, sind sie ein Faktor, der oft unterschätzt wird. Dazu kommen der enorme zeitliche Aufwand und die Frage, was mit dem Vierbeiner während Abwesenheitszeiten – zum Beispiel Ferien oder Krankheit – passieren soll. Dies sollte in jedem Fall geklärt sein, bevor das Pferd angeschafft wird, damit der Traum vom eigenen Pferd nicht plötzlich zum finanziellen Albtraum wird. Fazit: Das Halten eines Pferdes ist ein teurer Spass, der sich aber garantiert lohnt.

Quelle: Welt der Tiere

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