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Landschildkröten: Immer mit der Ruhe

Schildkröten gehen alles gemächlich an. Ob sie uns Menschen, die wir heutzutage stets in Eile sind, deshalb so faszinieren? Oder liegt es an ihrer Langlebigkeit und Zähigkeit? Je nach Art können Schildkröten viele Jahrzehnte alt werden. Das bedeutet für den Halter lange Jahre der Verantwortung.

Landschildkröte
© Bild: fotolia.com

Die erste Schildkröte existierte nachweislich schon vor über 250 Millionen Jahren, also rund 60 Millionen Jahre vor den Grosssauriern. Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass die Existenz unserer Spezies frühestens vor rund 200’000 Jahren als belegt gilt. Im Gegensatz zu den Grosssauriern konnten sich die Schildkröten allerdings den Klimaveränderungen der Erdgeschichte anpassen und überlebten bis heute.

Heikle «Gfröörli»
Schildkröten sind wechselwarme Tiere. Das heisst, sie sind nicht in der Lage, ihre Körpertemperatur selber zu regulieren. Dafür sorgt die Aussentemperatur. Werden die Tiere als Haustiere gehalten, ist es überlebenswichtig, ihrem Verlangen nach Wärme nachzukommen. Aber auch eine Möglichkeit zum Abkühlen ist angezeigt. Am wohlsten fühlen sich die Reptilien in einem sonnigen Gehege mit Schattenplätzchen. Überhaupt spielt die Unterbringung für das Wohlbefinden der Tiere eine äussert wichtigte Rolle. In freier Natur haben Schildkröten viel Raum zur Verfügung, entsprechend grosszügig sollte eine Unterbringung in Gefangenschaft sein.

Laut dem Bundesamt für Veterinärwesen muss ein Gehege für zwei Griechische Landschildkröten, die mit Abstand am meistgehaltene Art in der Schweiz, mindestens achtmal so lang und viermal so breit wie die Panzerlänge der Tiere sein. Für zwei Tiere mit einer Panzerlänge, von, sagen wir mal, 25 Zentimetern, bedeutet dies eine Fläche von mindestens zwei mal ein Meter. Je mehr Platz, desto besser. Als ideal gilt ein Aussengehege von mindestens zehn Quadratmetern. Damit Griechische Landschildkröten nicht aus ihrem Gehege ausbüxen können, benötigt dieses eine Umzäunung von mindestens 40 Zentimetern Höhe. Wer keine Möglichkeit zur Aussenhaltung hat, dem sei empfohlen, sich fachkundigen Rat zum Beispiel von der SIGS, der Schildkröten-Interessengemeinschaft Schweiz, zu holen. Denn ein Schildkröten-Terrarium muss den ganz speziellen Bedürfnissen der Tiere gerecht werden, ist also weit mehr als einfach ein Glashaus mit Wasserspender.

Kuscheln? Nein danke!
Bedenken Sie: Schildkröten sind Wildtiere. Sie nehmen uns Menschen nicht als Sozialpartner wahr. Sie eignen sich definitiv nicht als Kinderkuscheltier. Des Weiteren: Tragen Sie Schildkröten nicht umher, das mögen sie ganz und gar nicht. Drehen Sie die Tiere bitte auch nicht auf den Rücken. Das stresst sie. Wer von Zeit zu Zeit sein Tier auf eventuelle Verletzungen untersuchen möchte, kommt auf das Hochheben natürlich nicht drumherum. Halten Sie es in diesem Fall fest mit beiden Händen und «machen Sie es kurz». Grundsätzlich aber gilt: Beobachten ist besser als Hochheben. Wer seine gepanzerten Freunde regelmässig beobachtet, wird schnell registrieren, wenn etwas nicht stimmt, wenn sich plötzlich Verhaltensauffälligkeiten bemerkbar machen.

In ihrem natürlichen Habitat leben Griechische Landschildkröten im Schutze von Sträuchern und Blättern. Bieten Sie Ihren Tieren deshalb genügend Rückzugsmöglichkeiten. Thema Winterschlaf. Geht es auf die kälteren Monate zu, fahren Schildkröten wie die Griechische Landschildkröte ihre Körpertemperatur herunter. Sie neigen zur Passivität und fressen immer weniger. In der Natur ziehen sie sich zum Beispiel in eine frostgeschützte Höhle zurück und fallen dort in die Winterstarre. Das Überwintern in der Heimtierhaltung ist nicht ganz einfach. So sollte das Klima nicht zu feucht oder trocken, die Umgebung nicht zu dunkel oder zu kalt sein. Ideal ist eine konstante Aussentemperatur von rund fünf Grad Celsius. Da dies bei einer Aussenhaltung sehr schwierig zu bewerkstelligen ist, drängt sich für die Überwinterungsphase ein artgerecht eingerichtetes Terrarium auf. Auch diesbezüglich ist es unerlässlich, vorab professionellen Rat einzuholen, da falsche Gegebenheiten das Leben der Tiere gefährdet.

Schildkröten haben gerne viel Platz und wenn sie draussen sind, fühlen sie sich in einem sonnigen Gehege mit Schattenplätzchen am wohlsten. Dort finden Sie auch gleich ihr bevorzugtes Futter: allerlei Grünzeug, natürlich ungespritzt. Foto: shutterstock.com

Grünzeug bevorzugt
Was essen Landschildkröten, vorab die Griechischen Landschildkröten, eigentlich? Nun, als «eingefleischte» Vegetarier verputzen sie am liebsten allerlei Grünfutter, speziell abgestimmtes Landschildkrötenfutter aus der Tierhandlung und ungespritzte Wiesenkräuter. Heu ist ebenfalls sehr geeignet. Frisches Wasser in einem sauberen, gut zugänglichen Gefäss muss stets bereit gestellt werden. Wie alle Wildtiere müssen auch Landschildkröten ihr Futter in freier Natur suchen. Platzieren Sie deshalb das Futter stets an einem anderen Ort. Das hält die Tiere beschäftigt.

Wer Schildkröten in Gruppen halten möchte, was grundsätzlich begrüssenswert ist, soll darauf achten, dass den Tieren sehr grosszügig Platz zur Verfügung gestellt wird. Sichtschutz und Gelegenheiten zum Verstecken sind zwingend. Je grösser das Zuhause, desto geringer das Aggressionspotenzial. Ausserdem sollten stets mehr Weibchen als Männchen in einem Gehege gehalten werden. Während der Paarungszeit sind die Männchen sehr aufdringlich und können die Begehrte mit ihrer Aufsässigkeit verletzen. Kontrollieren Sie daher während dieser Zeit den Schwanzbereich des Weibchens regelmässig auf Verletzungen. Treibt es ein Männchen allzu toll, müssen Sie es vorübergehend separieren und in einem abgegrenzten Gehege unterbringen. Legt das Weibchen schliesslich Eier, ist es ratsam, diese in einen speziell konstruierten Brutkasten zu legen, da unsere Sommer in der Regel zu wenig warm sind für ein erfolgreiches Ausbrüten. Wünschen Sie keinen Nachwuchs, brüten Sie die Eier nicht aus. Hinweis: Die gewerbsmässige Haltung und Zucht von Landschildkröten und weiteren Schildkrötengattungen ist den Kantonalen Behörden zu melden. Ebenso schreibt die Tierschutzverordnung eine Ausbildung vor.

Freunde fürs Leben
Gerade Griechische Landschildkröten gelten als sehr robust. Dennoch können auch sie unter Parasitenbefall leiden und sind vor Verletzungen nicht gefeit. Beobachten Sie Ihr Tier am besten täglich. So fällt Ihnen schnell auf, wenn etwas mit ihm nicht stimmt. Gesunde Schildkröten haben klare, glänzende Augen ohne Tränen oder Verkrustungen. Ein gesunder Panzer ist fest, Mangelerscheinungen lassen ihn spröde wirken. Da nicht viele auf Schildkröten spezialisierte Tierärzte praktizieren, ist es von Vorteil, sich vor der Anschaffung entsprechende Adressen zu besorgen.

Die Haltung von Landschildkröten ist eine Lebensaufgabe. Auch müssen Sie bereit sein, entsprechende Investitionen zu tätigen. So kostet eine tiergerechte Unterbringung im Garten oder in einem Terrarium schnell einmal einige tausend Franken. Auch Futter- und Tierarztkosten sind miteinzuberechnen.

Eine Herzensangelegenheit: In Tierheimen und Auffangstationen leben viele Schildkröten, die auf ein neues Zuhause warten. Wenn Sie sich für die Anschaffung respektive die Heimtierhaltung von Schildkröten entscheiden, denken Sie bitte auch an diese Option.

Weitergehende Informationen

Wichtiges und Wissenswertes zur korrekten Haltung von Landschildkröten erhalten Sie unter www.bvet.admin.ch und www.sigs.ch.

Das Aussetzen von Schildkröten ist in der Schweiz übrigens verboten. Vertreter gewisser Arten können in der Natur verenden oder mit ihrem Verhalten einheimische Tier- und Pflanzenarten bedrohen. Die Rotwangen-Schmuckschildkröte zum Beispiel gilt offiziell als invasive Tierart, daher darf sie nicht mehr importiert und verkauft werden.

Quelle: Bundesamt für Veterinärwesen BVET

Quelle: Welt der Tiere

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