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Chiropraktik für Tiere

Die Chiropraktik (chiro = griechisch Hand) ist eine manuelle Behandlungsmethode zur Gesunderhaltung des Bewegungsapparates und zur Behandlung von Bewegungsstörungen und deren Folgen. Sie hilft, fachmännisch angewandt, Mensch und Tier gleichermassen.

Der Entdecker der Chiropraktik hiess Daniel David Palmer. Er wurde am 7. März 1845 in den USA geboren. DD Palmer arbeitete neun Jahre lang als magnetischer Heiler, bevor er die Chiropraktik entdeckte und entwickelte. Im Zentrum der Chiropraktik stehen die gestörte Funktion der Wirbelsäule und die Auswirkungen dieser Störung auf das Nervensystem und somit auf den ganzen Organismus.

Die Wirbelsäule ist eine komplexe Struktur, die aus Knochen, Bändern, Muskulatur und Nerven besteht. Sie erfüllt im Körper verschiedene Aufgaben: Sie beinhaltet und schützt Teile des Zentralen Nervensystems ZNS (Rückenmark und spinale Nervenwurzeln), dient als Ansatz für die grossen Rumpfmuskeln, bildet das Grundgerüst für den Zusammenhalt des ganzen Körpers und ist gewichtstragend. Dabei erfüllt die Wirbelsäule gegensätzliche Funktio­nen: So bietet sie stabilen Support, erlaubt aber genügend Flexibilität für die Bewegung. Sie schützt das Zen­trale Nervensystem, ermöglicht aber den Austritt der sensitiven Spinalnerven.

Zahlreiche Muskeln setzen an den Wirbeln an und sorgen für die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Obwohl die Mobilität der einzelnen Wirbelgelenke nur gering ist, sind Hals und Rücken insgesamt sehr beweglich. Diese uneingeschränkte Beweglichkeit ist für eine lockere, flexible und schmerzfreie Bewegung notwendig und ist die Grundvoraussetzung für das Erbringen einer sportlichen Leistung.
Über dem Wirbelkörper liegt der Wirbelkanal: Durch diesen verläuft geschützt das Rückenmark. Vom Rückenmark zweigen Nervenbahnen (= Spinalnerven) ab, welche die Wirbelsäule durch Aussparungen zwischen den einzelnen Wirbeln (=  Foramen intervertebrale) verlassen. Diese Spinalnerven leiten Informationen vom Gehirn zu den Organen, Muskeln und anderen Teilen des Körpers und umgekehrt. Da das Zentrale Nervensystem sämtliche Organe und Teile des Körpers überwacht und steuert, muss ein ungestörter Informationstransport in beide Richtungen gewährleistet sein.

Blockade oder Subluxation
Die Chiropraktiker verstehen unter einer Blockade oder Subluxation eine Einschränkung des normalen Bewegungsspielraumes eines Wirbels, respektive seiner Gelenke. Liegen Blockaden vor, verliert die Wirbelsäule ihre normale Flexibilität. Steifheit, Muskelverspannungen und die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit können die Folge sein. Durch eine verminderte Beweglichkeit zwischen den einzelnen Wirbeln können auch die aus dem Wirbelkanal austretenden Spinalnerven in ihrer Funktion behindert werden. Ist der Informationsfluss über die Spinalnerven gestört, kommt es zu mangelhafter Bewegungskoordination oder Fehlfunktionen der Organe.

Blockaden können deshalb zu Leistungsminderung, eingeschränkter Bewegungs- und Spielfreudigkeit oder Berührungsempfindlichkeit führen. Mangelnde Koordination kann Fehltritte zur Folge haben und so zu Verletzungen an Sehnen, Bändern und Gelenken der Beine führen.

Die fehlende Flexibilität der Wirbelsäule versucht das Tier zu kompensieren oder auftretenden Schmerzen auszuweichen, indem es seine Bewegungen und die Körperhaltung verändert. Dadurch werden andere Teile der Wirbelsäule oder die Gliedmassen vermehrt belastet. Weitere Blockaden und eine Verschlimmerung des Zustandes sind die Folgen.

Die häufigsten Ursachen für Blockaden

  • Trauma: Stürze, Stolpern, Ausrutschen, Festliegen
  • Narkose: Vollnarkosen können zu Blockaden der Wirbelsäule führen
  • Transport: lange Transporte, Unfälle, schlecht gefederte Hänger, grobe Fahrweise
  • Geburtsprobleme: schwere Geburten mit gewaltsamem Auszug
  • Bewegungsmangel
  • Leistung: Jede Disziplin beansprucht die Wirbelsäule auf unterschiedliche Art und Weise.
  • Reiter: Sitzprobleme des Reiters (schiefer Sitz)
  • Beschlag: schlechte Hufpflege und falscher Beschlag
  • Sattel: Nicht passende Sättel sind die häufigste Ursache für Rückenprobleme beim Pferd.
  • Alter: Mit zunehmendem Alter zeigen sich Spätfolgen der grossen und kleinen Verletzungen, denen die Wirbelsäule ausgesetzt war.

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  • Behandlung eines Pferds

Wie können Blockaden diagnostiziert und behoben werden?
Die Diagnose einer Blockade wird durch die Bewegungspalpation gestellt. Als Palpation (von lateinisch palpare = streicheln) bezeichnet man in der Medizin die Untersuchung des Körpers durch Betasten. Die Wirbel werden dafür in jeder von Natur aus möglichen Bewegungsrichtung bewegt und die Beweglichkeit wird überprüft. Wird eine Blockade diagnostiziert, so wird der chiropraktisch arbeitende Tierarzt versuchen, diese funktionelle Einschränkung zu korrigieren. Die Korrektur erfolgt durch einen schnellen, kurzen Impuls, der mit den Händen oder Fingern direkt am betroffenen Wirbelkörper oder Wirbelfortsatz ausgeführt wird. Dies ist eine gezielte, kontrollierte, manuelle Behandlung, die weder Bänder überdehnt noch anatomische Grenzen überschreitet. Bei chiropraktischen Behandlungen von Tieren wird man, im Gegensatz zur humanen Chiropraktik, nur in den seltensten Fällen ein knackendes Geräusch vernehmen. Ab und zu kann die Manipulation eines Wirbels unangenehm oder schmerzhaft sein: Es handelt sich aber um einen kurzfristigen Schmerz, der nach dem Impuls sofort wieder verschwindet.

Abhängig vom Patienten sind bis vier Behandlungen im Abstand von 14 Tagen nötig, um eine sichtbare Besserung zu erzielen. Chronische Beschwerden erfordern meist mehrere Behandlungen, während akute Probleme häufig schnell ansprechen. Als Nebenwirkung einer chiropraktischen Behandlung kann es vorkommen, dass das behandelte Tier sehr müde werden kann und viel schläft.

Die chiropraktische Behandlung lässt sich ausgezeichnet mit der Anwendung von Akupunktur ergänzen. Die Akupunktur kann, abhängig von der Ursache für die Blockaden der Wirbelsäule, von einer anderen Seite auf den Patienten eingehen und sowohl Muskelverspannungen und Schmerzen eliminieren als auch die Funktion der Gelenke verbessern.

Mögliche Symptome von Blockaden bei Pferden

  • Reduzierte Leistungsfähigkeit
  • Haltungsanomalien
  • Schnappen und Anlegen der Ohren beim Satteln
  • Widersetzlichkeit unter dem Reiter
  • Der Versuch, sich dem Reiter durch Hochreissen des Kopfes oder Wegdrücken des Rückens zu entziehen
  • Schweifschlagen und Anlegen der Ohren
  • Ungehorsam beim Springen
  • Schwierigkeiten in der Versammlung oder in den Seitengängen
  • Verhaltensänderungen
  • Ängstlicher oder schmerzhafter Gesichts­ausdruck
  • Berührungsempfindlichkeit

Blockaden der Wirbelsäule können zu einer Beeinträchtigung der Muskelkoordination und Beweglichkeit des Pferdes und somit zu einer Leistungsminderung führen. Folgende Symptome können auftreten:

  • Taktfehler
  • Unreinheit der Gänge, die nicht einem bestimmten Bein oder einer bestimmten Gangart zuzuordnen sind
  • Steifheit, wenn das Pferd aus der Box kommt
  • Steifheit in Biegung und Stellung
  • Muskelschwund
  • Schwierigkeiten, mit der Hinterhand Last aufzunehmen
  • Schwierigkeiten, sich vorwärts abwärts zu strecken
  • Verkürzte Tritte mit einem oder mehreren Beinen
  • Schwierigkeiten, das Pferd durch das Genick zu stellen
  • Lahmheiten
  • Pferd lehnt sich gegen einen Zügel
  • Reiter wird vom Pferd «schief hingesetzt»
  • Der Rücken schwingt nicht    

Mögliche Symptome von Blockaden bei Hunden/Katzen

  • Akute Nacken- und Rückenschmerzen
  • Eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Bewegungsunlust
  • Unwilligkeit, Treppen zu steigen oder auf erhöhte Plätze zu springen
  • Schmerzäusserungen bei bestimmten Bewegungen oder beim Hochheben
  • Unspezifische Lahmheiten, Pass-Gang, schleppender Gang, abgeschliffene Krallen an einer oder mehreren Pfoten
  • Überempfindlichkeit bei Berührung
  • Leckekzeme an Beinen oder Pfoten
  • Wiederkehrende Ohr- oder Analdrüsen­entzündungen
  • Veränderte Sitzposition (Welpensitz)
  • Das Tier legt sich immer nur auf eine Seite
  • Wiederkehrende Verdauungsprobleme
  • Harnträufeln oder das Unvermögen, den Kot zu halten

Vorbeugende Massnahmen, um Wirbelsäulenschäden bei Pferden zu verhindern

  • Gebäude: Bei der Auswahl des Pferdes für eine bestimmte Disziplin sollten Sie auf das Gebäude des Pferdes achten. Bestimmte Rassen sind durch die Zucht besonders geeignet für bestimmte Disziplinen wie Dressur, Springen oder Westernreiten.
  • Training: Angemessenes Training  und korrektes Aufwärmen verhindern die Entstehung von Blockaden und Wirbelsäulenschäden. Wenn Bänder, Sehnen und Muskeln nicht den Anforderungen entsprechend aufgebaut sind, können leicht Verletzungen und Blockaden entstehen.
  • Ausrüstung und Sattel: Die Passform des Sattels muss korrekt sitzen, dann sind keine gepolsterten Satteldecken und Pads nötig. Der Sattel muss regelmässig überprüft werden.
  • Beschlag: Ein Pferd mit schlecht ausgeschnittenen Hufen oder schlechtem Beschlag kann unmöglich eine gut funktionierende Wirbelsäule aufweisen.
  • Hilfszügel: Viele Pferde werden mit Hilfszügeln in den gewünschten Rahmen gezwungen. Bei richtigem Einsatz können diese ein gutes Hilfsmittel sein, in den falschen Händen bewirken sie jedoch das Gegenteil. Falls bei einem Pferd bereits eine Funktionseinschränkung der Wirbelsäule besteht, können Hilfszügel das Problem noch weiter verschlimmern.
  • Haltung: Die meisten Sportpferde werden auch heute noch in Boxen mit begrenztem Auslauf gehalten. Je mehr Zeit ein Pferd in der Box ohne Auslauf verbringt, desto schlechter wird seine Bewegungskoordination. Bocken und Wälzen sind die natürlichen Methoden des Pferdes, seine Wirbelsäule zu mobilisieren. Stellen Sie sicher, dass ihr Pferd immer genügend Auslauf hat.

Die Chiropraktik kann die traditionelle Veterinärmedizin nicht ersetzen, ist aber bei vielen akuten und chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparates eine wunderbare Ergänzung zur Schulmedizin. Sie hat, regelmässig angewendet, vorbeugenden Charakter für viele Erkrankungen des Bewegungsapparates und trägt viel zur Steigerung der Lebensqualität und Leistungsbereitschaft unserer Tiere bei.

Bitte achten Sie bei der Wahl Ihres Chiropraktors/Ihrer Chiropraktorin darauf, dass dieser/diese die international anerkannte Prüfung der International
Veterinary Chiropractic Association IVCA www.ivca.de abgeschlossen hat. Mitglieder der IVCA haben eine fundierte, überprüfte Ausbildung und besuchen regelmässig Weiterbildungen.

Fallberichte

Vinchi, Westhighland Terrier, 12-jährig
Vinchi musste im Alter von 10 Jahren wegen einem Harnstein in Vollnarkose operiert werden. Eine weitere Operation wurde nötig, als man beidseitig einen Hodentumor entdeckte. Nach diesen Operationen lief Vinchi nur noch sehr steif herum und konnte zum Pinkeln das Bein nicht mehr anheben. Nur noch widerwillig und mit angelegten Ohren liess er sich zum Spazieren überreden. Bei der chiropraktischen Untersuchung wurden Blockaden im Bereich der Lendenwirbelsäule, des Iliosakralgelenkes und im oberen Halsbereich gefunden und behandelt. Nach der Behandlung bemerkten die Besitzer von Vinchi, dass er wieder aufs Sofa sprang und freudig und mit gespitzten Ohren die täglichen Spaziergänge absolvierte. Zudem lüpfte er zum Pinkeln nun sein Bein wieder.

Aysha, Golden Retriever, 12-jährig
Aysha ist eine freundliche ältere Hundedame, die seit zwei Jahren vermehrt an Arthrose in den Zehengelenken und im rechten Sprunggelenk leidet. Dabei fiel der Besitzerin auf, dass Aysha die Zehen des rechten Hinterbeines häufig über den Boden schleifte und nur noch im Welpensitz absass. Nach der chiropraktischen Behandlung von Iliosakralgelenk (Kreuz-Darmbein-Gelenk) und Lendenwirbelsäule bemerkte die Besitzerin, dass Aysha die Zehen nicht mehr über den Boden schleift und wieder gerade sitzen kann.

Braunviehkuh Xenia, 8-jährig
Xenia hatte vier Wochen vor der chiropraktischen Behandlung eine Schwergeburt. Dem Bauer fiel der steife Gang der Kuh auf, nachdem er Xenia wieder auf die Weide lassen konnte. Beim schulmedizinischen Lahmheitsuntersuch konnte keine Ursache entdeckt werden. Nachdem Becken und Wirbelsäule von Xenia chiropraktisch behandelt worden waren, besserte sich ihr Gangbild drastisch.

Die Chiropraktik verspricht bei der Anwendung beim Nutztier noch grosses Potential: Unsere Hochleistungskühe zeigen häufig nur schwach sichtbare Brunstanzeichen. Zudem bekundet ein ansehnlicher Anteil an Kühen Probleme mit der Fruchtbarkeit. Da mit Hilfe der Chiropraktik sowohl die Funktion der Spinalnerven als auch die Durchblutung im Becken verbessert werden, wird auch die Versorgung von Gebärmutter und Ovarien gesteigert. Dies kann wesentlich dazu beitragen, dass die Brunst­anzeichen deutlicher sichtbar werden und der Erstbesamungserfolg verbessert wird.   

Quelle: Welt der Tiere

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