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Tumor – Diagnose mit vielen Fragezeichen

Tumor bei Haustieren

Tiere können genauso wie Menschen an Tumoren erkranken. Doch was genau sind Tumoren? Was für Ausprägungen existieren? Welche Therapien können ins Auge gefasst werden? Wie sehen die Chancen auf Heilung aus? Und wann ist es angezeigt, ein Tier von seinem Leiden zu erlösen? Lassen Sie sich einen Einblick in das äusserst komplexe Gebiet der Onkologie vermitteln – und zum besseren Verständnis die wichtigsten Begriffe der entsprechenden Fachterminologie erläutern.

Onkologie
Als Onkologie (altgriech. onkos «Anschwellung» und – «logos» = Lehre) bezeichnet man die Wissenschaft, die sich mit der Untersuchung und Behandlung von Tumoren befasst. Dabei werden mehrere Begriffe sinngleich benutzt: Neoplasie, Tumor und Krebs. Neoplasie bedeutet Neubildung. Das Wort Tumor bedeutet nichts anderes als Schwellung oder Umfangsvermehrung und kann auch für Schwellungen im Zusammenhang mit Entzündungen oder Zysten gebraucht werden. Während beide Begriffe sowohl für gutartige (benigne) als auch für bösartige (maligne) Veränderungen gebraucht werden, wird Krebs nur als Bezeichnung für bösartige Neoplasien/Tumoren verwendet.

Fachbezeichnungen und Benennung
Eine Neoplasie ist definiert als Neubildung, bestehend aus einer ursprünglich normalen Zelle des Körpers, welche durch genetische Veränderungen unbegrenzte Teilungsfähigkeit erlangt hat. Grundsätzlich kann aus jedem Gewebe ein Tumor entstehen. Die Grundgewebearten, aus denen Tumoren entstehen können, sind: Epithel (Sammelbezeichnung für Deck- und Drüsengewebe), mesenchymales Gewebe (Muskulatur, Bindegewebe, Fettgewebe, Knochen, Knorpel und blutbildendes Gewebe) und Nervengewebe.

Präfixe der Ursprungsgewebe:

Die Benennung der Tumoren ist sehr komplex und es existieren viele Ausnahmen von der Regel. Tumoren werden nach ihrem Ursprungsgewebe und nach ihrer Dignität  benannt. Die Dignität eines Tumors beschreibt dessen Eigenschaften. Man unterscheidet zwischen gutartig und bösartig, was meist nur mikroskopisch anhand von Kriterien wie Wachstumsart, Abgrenzung, Differenzierung und Anzahl Teilungsfiguren (Mitosen) bestimmbar ist. Ausser es sind von Auge (makroskopisch) sichtbare Metastasen vorhanden.

Metastasen sind Ableger des Tumors an einer anderen Stelle des Körpers. Grundsätzlich sind drei verschiedene Arten der Streuung bekannt:

  • Lymphatisch: via Lymphe
  • Hämatogen: via Blut
  • Abklatsch: mechanische Übertragung auf andere Gewebe (z.?B. im Bauch- oder Brustraum)

Wie entsteht ein Tumor?
Die Entstehung von Tumoren (Tumorgenese) ist ebenfalls sehr komplex und bis heute nicht vollständig geklärt. Um die Entstehung von Tumoren zu verstehen, ist eine kurze Erklärung der normalen Zellteilung notwendig.

Der Zellzyklus besteht aus vier Phasen:
G1  ->  Nach der Zellteilung. Die Zelle wächst und ergänzt Zellbestandteile als Vorbereitung für eine erneute Verdoppelung des Erbguts sowie Zellteilung (postmitotische oder präsynthese Phase)
S  ->  Verdoppelung der DNS (Erbgut)
G2  ->  Die Zelle bereitet sich auf die Teilung vor (prämitotische Phase)
M  ->  Zellteilungsphase; Teilung der Zelle, des Zellkerns und des Erbguts

Im Fetus/Embryo sind alle Zellen teilbar, im Gegensatz dazu sind im erwachsenen Tier/Menschen nur gewisse Zellen weiterhin teilbar wie z.B. die Epithelien. Viele ausgereifte Zellen sind jedoch in der G0-Phase (Ruhephase) und können den Zellzyklus nicht mehr oder nur unter speziellen Umständen durchlaufen.

Der Zellzyklus enthält Kontrollpunkte, an welchen eine Überprüfung des Erbgutes (DNS) durchgeführt wird. Diese Kontrollen werden durch «Wächter-Gene» ausgeführt. Bevor sich eine Zelle teilen kann, wird am Übergang zwischen G1- und S-Phase die Vollständigkeit und Unversehrtheit der DNS überprüft. Ist alles in Ordnung, kann sich das Erbmaterial verdoppeln. Falls nicht, wird der Zellzyklus gestoppt und der Schaden repariert. Ist eine Reparatur nicht möglich, wird durch Signale der Wächter-Gene der so genannte «programmierte Zelltod» (Apoptose) eingeleitet. Zwischen G2 und M erfolgt dann nochmals eine Kontrolle.

Es gibt zwei verschiedene Arten von «Wächter-Genen», deren Mutation eine Tumorbildung begünstigen, indem sie eine unbeschränkte Teilung der Zelle hervorrufen.

  • Onkogene fördern unter normalen Umständen die Zellteilung, bei einer erhöhten Expression können sie jedoch zu Tumoren führen.
  • Tumor-Suppressor-Gene unterbinden normalerweise die Zellteilung. Werden diese ausgeschaltet oder sind sie nicht vorhanden, kann eine unbeschränkte Zellteilung stattfinden.

Unterscheidung gutartig – bösartig:

Unterscheidung gutartig – bösartig:

Benennung (Nomenklatur) von Tumoren:

Bezeichnungen für gutartige (benigne) Tumoren haben die Endung -om, seltener auch -zytom.

Als Beispiel: Ein gut abgegrenzter, expansiv wachsender Tumor, bestehend aus gut differenzierten Bindegewebszellen (Fibroblasten) heisst Fibrom, dasselbe ausgehend von Epithelzellen heisst
Adenom.

Keine Regel ohne Ausnahme: Die Begriffe Lymphom und Melanom stehen für bösartige Tumoren, häufig werden diese in einer Diagnose darum noch mit dem Wort «maligne» versehen, damit keine Missverständnisse entstehen.

Bezeichnungen für bösartige (maligne) Tumoren haben die Endung -karzinom bei epithelialem Ursprung und -sarkom bei mesenchymalem Ursprung.

Als Beispiel: Ein schlecht abgegrenzter, infiltrativ wachsender Tumor, bestehend aus schlecht differenzierten Bindegewebszellen heisst Fibrosarkom, dasselbe ausgehend von Epithelzellen heisst Adenokarzinom.

Zusätzlich sind gemischte benigne und maligne Formen mit mesenchymalen und epithelialen Anteilen bekannt (z.B. Mischtumor [benigne], Karzinosarkom [maligne]).

Unkontrolliertes Wachstum als Folge genetischer Mutationen
Ein Tumor besteht also aus einer einzelnen, genetisch veränderten Zelle, die unter anderem eine unbeschränkte Teilungsfähigkeit erworben hat. In einer ersten Phase teil sich die Zelle einige Male, was klinisch noch nicht erkennbar ist (latente Teilungsperiode). Bis ein Tumor klinisch erkennbar ist, hat er bereits 30 Zyklen durchlaufen, ist ca. 1cm gross und enthält 109 Zellen. Da Tumoren ein mehr oder weniger exponentielles Wachstum aufweisen, kann ein klinisch erkennbarer Tumor innerhalb kürzester Zeit riesengross werden.

Die neoplastische Zelle ist im Gegensatz zur normalen Zelle «unsterblich». Diese Unsterblichkeit ist Resultat aus einer Kombination von Veränderungen, die erworben werden müssen.

Dazu gehören:

  • Uneingeschränktes Teilungspotential
  • Unabhängigkeit von externen Wachstumsfaktoren
  • Unempfindlichkeit gegenüber dem programmierten Zelltod (Apoptose)
  • Unsichtbarkeit gegenüber dem Immunsystem
  • Fähigkeit, mit nur wenig Sauerstoff zu überleben
  • Fähigkeit, eine eigene Blutversorgung aufzubauen
  • Fähigkeit, sich aus dem Zellverband zu lösen (Metastasierung)

Daher ist ein bösartiger Tumor das Resultat von mehreren genetischen und zusätzlichen auch nicht genetischen Veränderungen, die über einen relativ langen Zeitraum hinweg stattfinden. Es ist ein stufenweiser Prozess, der eine Initiation, eine Promotion und eine Progression beinhaltet.

Prozessablauf eines Tumors:

Diagnostik
Erst wenn der Tumor eine minimale Grösse aufweist, ist er klinisch erkennbar. Häufig sind die Tumoren aber schon bedeutend grösser, wenn sie entdeckt werden.

Hauttumoren oder in der Unterhaut liegende Tumoren sind aufgrund ihrer Lokalisation meistens ertast- oder sogar sichtbar und werden daher bei Haustieren häufig vom Besitzer gefunden. Neoplasien der inneren Organe sind leider oft erst sehr spät erkennbar, da sie im Normalfall kein Krankheitsbild aufweisen und auch nicht schmerzhaft sind. Erst bei Erreichen einer bestimmten Grösse können Symptome entstehen. Häufig handelt es sich dabei um druckbedingte Veränderungen, wie Atrophie (Gewebeschwund) oder Nekrose (Zerfall von Gewebe) sowie Schmerzen. Das Wachstum von bösartigen Tumoren kann zu Rissen (Rupturen) von Hohlorganen wie zum Beispiel von Magen, Gallenblase, Harnblase oder Blutgefässen führen. Metastasen können Blutgefässe verstopfen und Infarkte verursachen.

Neben den direkten Auswirkungen eines Tumors gibt es das so genannte paraneoplastische Syndrom, welches Veränderungen am Körper hervorruft wie zum Beispiel starke Abmagerung (Kachexie) trotz normaler Nahrungsaufnahme, Hormonveränderungen (Endokrinopathien) und Veränderungen an Nerven, Muskeln, Haut oder im Blut. Diese haben nicht direkt mit dem Tumorwachstum, dessen Lokalisation oder Grösse zu tun. Das paraneoplastische Syndrom ist hilfreich in der Früherkennung eines Tumors; ein erhöhter Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie) ohne klinischen Grund kann zum Beispiel ein Hinweis auf ein Lymphom sein. Nachteil ist, dass das paraneoplastische Syndrom selbst unabhängig vom Tumor zum Tode führen kann.

Nur anhand des makroskopischen Aussehens einer Umfangsvermehrung kann unmöglich eine genaue Diagnose gestellt werden. Um eine Tumorart zu bestimmen, ist zwingend eine Zytologie oder Histologie – das heisst eine mikroskopische Diagnose – notwendig. Auch diese Methoden sind aber leider nicht immer eindeutig. Da die Übergänge zwischen gutartig und bösartig flies­send sind, ist die Dignität nicht immer klar bestimmbar, vor allem, wenn die untersuchten Proben sehr klein sind und das Wachstumsverhalten nicht sicht­bar ist. Es kommt auch vor, dass das Ursprungsgewebe anhand des histologischen Routineschnittes nicht bestimmbar ist und eine zusätzliche Untersuchung anhand von Färbungen oder mit molekularen Methoden notwendig wird.

Therapie
Die Therapie ist von der Tumorart abhängig und erfordert eine möglichst präzise Abklärung und Diagnose. Generell gilt: je kleiner ein Tumor, desto grös­ser die Chance auf Heilung. Ein gutartiger Tumor ist häufig durch eine chirurgische Entfernung (Exzision) heil­bar und bildet sich bei vollständiger, selten sogar bei unvollständiger Entfernung auch nicht wieder.

Bei bösartigen Tumoren ohne Metastasierung ist eine vollständige operative Entfernung teilweise ebenfalls genügend. Ein Wiederauftreten (Rezidiv) und auch eine Metastasierung kann aber nicht vollständig ausgeschlossen werden. Häufig wird daher bei bösartigen Tumoren wenn möglich eine chirurgische Entfernung und eine darauf folgende Chemotherapie und/oder Bestrahlung empfohlen. Bei multiplen Tumoren, solchen mit Metastasen oder chirurgisch nicht entfernbaren Neoplasien bleibt leider oftmals nur die Euthanasie, um dem Tier unnötiges Leiden zu ersparen.

Die bildgebende Diagnostik kann Tumoren erkennen, aber nicht eindeutig definieren.
Die bildgebende Diagnostik kann Tumoren erkennen, aber nicht eindeutig definieren.

Quelle: Welt der Tiere

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