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Engel auf vier Pfoten

Assistenzhund Polo kann Lichtschalter bedienen, Kleider aus der Waschmaschine räumen und Türen öffnen. Der vierbeinige Allrounder wird für seinen motorisch behinderten Halter nicht nur eine prima Hilfe sein, sondern zugleich auch ein treuer Gefährte.

Polo ist gross, schwarzhaarig und äusserst charmant: Der zweijährige Labradorrüde wedelt zur Be_grüssung freudig mit dem Schwanz und verpasst ungefragt schlabbrige Küsse. Natalie Corman ruft den Hund zur Räson. Als sie sich in den Rollstuhl setzt, spitzt Polo sofort aufmerksam die Ohren. «Telefono», verlangt Corman und beobachtet den Vierbeiner, wie er schnüffelnd durchs Büro läuft. Unter einem Wust von Unterlagen findet Polo das Funktelefon, packt es mit der Schnauze und legt den gewünschten Gegenstand in den Schoss von Corman. «Brava», lobt Corman, greift in die Guetzli-Büchse und belohnt ihren vierbeinigen Schüler mit einem Leckerbissen. Darauf bedient er auf Befehl Cormans den Lichtschalter und klaubt mit den Zähnen geschickt einen Einfränkler vom Boden auf.

Polo ist ein ausgebildeter Assistenzhund und kann noch einiges mehr: Er wird körperlich behinderten Personen im Alltag helfen, sei dies unterwegs, am Arbeitsplatz, beim Einkaufen oder zu Hause. Der Labrador beherrscht rund 40 unterschiedliche Befehle, öffnet Türen und Schubladen, hilft beim An- und Auskleiden, räumt die Waschmaschine aus oder holt im Notfall Hilfe.

Ausbildung mit dem Clicker
«Der Assistenzhund entlastet mit seiner Arbeit die Angehörigen und das Pflegepersonal», erklärt Corman. Während seiner Ausbildung erwerbe der Hund Fähigkeiten, die den Behinderten weitgehend von fremder Hilfe unabhängig machen. Rund sechs Monate dauert die Ausbildung, deren Kosten von der Stiftung und zum Teil von der Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde in Allschwil und der IV übernommen werden. Ausgebildet werden die Hunde auf der Basis des Clicker-Trainings, das ausgewählte Motivationstechniken und positive Bestärkung beinhaltet. Diese Art des Trainings macht eine intensive Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund möglich: Mit dem Clicker, einer Art Knackfrosch, wird der Hund sekundengenau bestätigt und Schritt für Schritt an seine neue Aufgabe herangeführt. Damit wird der Hund vom blossen Befehlsempfänger zum aktiven Partner.

Seine Mahlzeiten muss sich Polo während den Trainingseinheiten erarbeiten. Macht er etwas richtig, gibt's einen «Click» und einen Brocken Futter. Denn im täglichen Training von Natalie Corman gilt: «Nothing in life is free», nichts im Leben ist gratis. «Der Hund muss sich sein Futter verdienen», so Corman. Polo tut das gerne und lernt dabei, sich auch im städtischen Verkehr souverän zu verhalten, den Einkauf beim Metzger ohne zu sabbern zu überstehen oder andere Hunde problemlos zu passieren. Auf ihre Umwelt sozialisiert werden die angehenden Assistenzhunde während ihrem ersten Lebensjahr bei Patenfamilien, das eigentliche Training beginnt erst später.

Grosser Arbeitswille ist gefragt
Polo ist zurzeit Cormans einziger Hund in Ausbildung. Die gebürtige Kanadierin gründete vor fünf Jahren den Verein «Fides Assistenzhunde» und hat seither im Alleingang fünf Hunde ausgebildet. Seit Anfang 2012 sind die Fides Assistenzhunde eine Sparte der Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde in Allschwil (BL). «Dadurch können wir nicht nur von der Infrastruktur, sondern auch vom vorhandenen Know-how profitieren», freut sich Corman. Dies ermögliche es ihr, künftig zwei Hunde gleichzeitig zu trainieren.

Während Corman früher Labradore oder Golden Retriever aus unterschiedlichen Zuchtstätten auswählte, werden die künftigen Assistenzhunde aus der hauseigenen Zucht der Schule für Blindenführhunde stammen. So können etwa Tiere, die sich nicht als Blindenführhunde eignen - etwa weil sie Angst vor offenen Treppen oder zu wenig Zugkraft haben - zu Assistenzhunden ausgebildet werden. «Dies sind beides Eigenschaften, die ein Assistenzhund nicht benötigt», so Corman. Mitbringen muss der fleissige Helfer mobilitätsbehinderter Menschen trotzdem so einiges: Am wichtigsten ist der so genannte «will to please», also ein grosser Arbeitswille. «Daneben ist der ideale Assistenzhund eher gelassen, hat ein ausgeglichenes Temperament und wenig Jagdtriebe.» Er darf nicht ängstlich auf neue Situationen in der Stadt reagieren und muss während den Arbeitszeiten auch einmal vier Stunden ruhig warten können.

Leistungsfähiges Team
Doch auch die künftigen Halterinnen und Halter müssen strenge Anforderungen erfüllen. So sollte der Behinderte von mindestens drei Hilfestellungen des Hundes profitieren können. Der Vierbeiner darf dabei jedoch nicht zum reinen Arbeitsgerät degradiert werden, wie Corman betont: «Ich muss spüren, dass die behinderte Person auch einen Hund will, weil sie Tiere mag.» Und: Trotz der Behinderung muss der Halter den Hund hauptsächlich selbst pflegen und für ihn sorgen können. Dazu gehört neben Fütterung und Fellpflege auch täglich ein einstündiger Spaziergang mit Freilauf.

Assistenzhund und Behinderter sollen sich zudem in ihren Bedürfnissen, ihrem Temperament und ihrem Charakter optimal entsprechen, damit ein leistungsfähiges Team entstehen kann. Die Zusammenführung geschieht bei dem künftigen Halter zu Hause: Labrador Polo wird während zwei Intensiv-Wochen sein neues Zuhause kennenlernen und sich an den Alltag seines neuen Halters gewöhnen.

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  • Assistenzhunde

Sozialer Mittler
Das Hauptaugenmerk liegt dabei nicht nur auf der Anleitung und der Aufklärung über den «richtigen» Umgang mit dem Hund, sondern auch auf der Förderung der Beziehung. Corman: «Das Ziel ist, aus dem behinderten Hunde_führer und dem Assistenzhund ein Team zu bilden, das reibungsfrei und mit Freude zusammenarbeitet.» Solange das Team besteht, wird es regelmässig von Fides Assistenzhunde betreut.Der Assistenzhund ist dabei weit mehr als nur ein Helfer für praktische Aufgaben. Als sozialer Mittler fördert er die Integration von Menschen mit körperlicher Behinderung in die Gesellschaft. Corman: «Über den Hund fällt es oft viel leichter, Kontakt aufzunehmen.» Rollstuhlfahrern gibt er Sicherheit, während er «Fussgängern» hilft, ihre Hemmschwelle Menschen mit körperlicher Behinderung gegenüber zu überwinden und auf sie zuzugehen. Darüber hinaus trägt der Hund zur Steigerung des Selbstwertgefühls und Selbstbewusstseins bei und vermittelt das Gefühl, gebraucht zu werden.

Weitere Informationen:
www.fides-assistenzhunde.ch
www.blindenhundeschule.ch

Quelle: Welt der Tiere

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